Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

Immer mehr Länder experimentieren mit der Einführung der Vier-Tage-Woche. Nun zieht Portugal nach.

Foto: stock.adobe.com/smallredgirl
Foto: stock.adobe.com/smallredgirl

Die Vier-Tage-Woche ist in aller Munde: Voller Lohnausgleich bei verkürzter Arbeitszeit und gleichbleibendem Workload - kann das funktionieren? In Europa hatten innerhalb der letzten drei Jahre unter anderem Belgien, Island, Großbritannien und Spanien das Modell zumindest probeweise eingeführt. Auch in Portugal wird das verkürzte Arbeitszeitmodell nun getestet. 

Freiwillige Teilnahme für Unternehmen

Die Teilnahme an dem Pilotprojekt ist freiwillig. Bewerben konnten sich Unternehmen aus dem portugiesischen Privatsektor. Der Übergang wurde durch die weltweit agierende Non-Profit-Organisation „4 Day Week Global“ in Zusammenarbeit mit der portugiesischen Regierung unterstützt, eine finanzielle Anreize von staatlicher Seite gibt es vorerst nicht. 

Insgesamt nehmen 39 private Unternehmen an dem sechsmonatigen Projekt teil, darunter ein Pflegeheim, eine Stammzellenbank, Handwerks- und Handelsbetriebe. Einige davon hatten bereits vor dem offiziellen Projektstart Anfang Juni ein ähnliches Modell gestartet und führen dies im Rahmen der frisch gestarteten Initiative nun weiter. Die Unternehmen verpflichten sich im Zuge dessen zu einer Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich, können das Projekt jedoch jederzeit ohne Vorwarnung abbrechen. 

Gleichbleibende Produktivität bei weniger Arbeit

„4 Day Week Global“ möchte mit dem Projekt vor allem Arbeitnehmer entlasten. Durch ein niedriges Stresslevel soll Burnouts vorgebeugt und die mentale sowie körperliche Gesundheit der Arbeitenden berücksichtigt werden. Weiters soll Arbeitenden so eine gesündere Work-Life-Balance ermöglicht werden. 

Und tatsächlich kommt eine Studie, die den bisher größten Vier-Tages-Testlauf in Großbritannien untersuchte, kommt zu einem positiven überwiegend positiven Ergebnis. Im Vereinigten Königreich wurde, wie in Portugal, zunächst mit einem sechsmonatigen Pilotprojekt gestartet. 

Von Sommer bis Winter 2022  nahmen rund 3000 Personen und 61 Unternehmen an dem Projekt teil. Nach Abschluss der Pilotphase erklärten 90 Prozent der teilnehmenden Arbeitnehmer, die verkürzte Arbeitswoche fortführen zu wollen. Weitere 40 Prozent gaben an, dass sich die zeitliche Entlastung zu positiv auf ihre mentale  Gesundheit ausgewirkt habe. Die teilnehmenden Unternehmen erklärten, dass die Produktivität trotz verkürzter Arbeitszeit gleich geblieben sei und berichteten zudem von erhöhten Gewinnen. Ganz so uneigennützig wie auf den ersten ist die Arbeitszeitverkürzung für die Unternehmen also nicht. 

Ein Projekt in den Kinderschuhen

In Belgien war ein entsprechendes Gesetz erst im November letzen Jahres in Kraft getreten. Dort dürfen Angestellte seit dem selbst entscheiden, ob sie vier oder fünf Tage in der Woche arbeiten wollen. Der große Vier-Tages-Hype bleibt bis dato dennoch aus: weniger als 1 Prozent der Angestellten im Privatsektor entscheiden sich derzeit für das alternative Modell.

Grund dafür sei laut Unternehmensberatung Securex einerseits die noch anhaltende Zurückhaltung von Arbeitgebern, die sich noch nicht vollends von den Vorteilen der Vier-Tage-Woche überzeugt zeigen. Zudem befürchten die Unternehmen einen erhöhten administrativen Aufwand, der sich negativ auf die Struktur und Organisation innerhalb des Betriebs, besonders in jenen mit wenigen Mitarbeitenden, auswirkt. Trotz steigenden Interesses wird sich in Europa also noch langsam an das progressive Arbeitszeitmodell herangetastet. Weiterführende Studien zu den Auswirkungen der Vier-Tage-Woche in Europa dürften in naher Zukunft zu erwarten sein und könnten, je nach Ergebnis, dazu führen, dass sich das Modell weiter verbreitet.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden


Weitere Beiträge

Tödlicher Insektenstich: 38-Jähriger stirbt bei Wanderung

Tödlicher Insektenstich: 38-Jähriger stirbt bei Wanderung

BELLINO/ITALIEN. Eine Wanderung in den Bergen endete für einen 38-jährigen tödlich. Der Mann war am Wochenende mit Freunden im Raum Cuneo ...

Tips - total regionalVerena Beneder, LL.B.
Schulweg vor Schulstart gemeinsam üben

Schulweg vor Schulstart gemeinsam üben

ÖSTERREICH. Vor dem Schulstart sollten Eltern den Schulweg mit ihren Kindern noch einmal gemeinsam abgehen. Entscheidend sind sichere Routen, ...

Tips - total regionalThomas Leitner
Zu wenige Kinder: Hunderte Schulen und Kindergärten müssen schließen

Zu wenige Kinder: Hunderte Schulen und Kindergärten müssen schließen

GRIECHENLAND. In Griechenland wird der demografische Wandel immer spürbarer. Zum Beginn des neuen Schuljahres am 11. September müssen in mehreren ...

Tips - total regionalVerena Beneder, LL.B.
Tragödie in der Steiermark: Niederösterreicher (47) stirbt bei Unfall

Tragödie in der Steiermark: Niederösterreicher (47) stirbt bei Unfall

ALTENMARKT BEI ST. GALLEN/STEIERMARK. Tödlicher Unfall in der Steiermark: Ein 47-jähriger Niederösterreicher ist am Dienstagabend, 1. September ...

Tips - total regionalVerena Beneder, LL.B.
Zauner wagt Premiere: Bad Ischler Kult-Konditorei sperrt in Innsbruck auf

Zauner wagt Premiere: Bad Ischler Kult-Konditorei sperrt in Innsbruck auf

INNSBRUCK/BAD ISCHL. Fast 200 Jahre blieb Zauner Bad Ischl treu. Jetzt eröffnet die Kult-Konditorei erstmals einen eigenen Standort außerhalb ...

Tips - total regionalThomas Leitner
Vorsicht beim Klopapierkauf: Mit diesem dreisten Trick wird abgezockt

Vorsicht beim Klopapierkauf: Mit diesem dreisten Trick wird abgezockt

PLAUEN/DEUTSCHLAND. Eine 82-jährige Frau sollte nach einem Werbeanruf Toilettenpapier und Küchenrollen im Wert von mehr als 1.000 Euro kaufen. ...

Tips - total regionalNiklas Killinger
Weitere Beiträge