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KÄRNTEN. Der Wörthersee ist Naturjuwel, Tourismusmagnet und bedeutender Wirtschaftsraum zugleich. Die Wirtschaftskammer Kärnten fordert nun eine differenzierte Betrachtung des Sees und spricht sich für eine fachliche Diskussion über dessen wasserwirtschaftliche Einstufung aus.

Wörthersee in Kärnten (Foto: Tom Leitner)
Wörthersee in Kärnten (Foto: Tom Leitner)

Der Wörthersee wird derzeit als natürlicher Wasserkörper geführt. Wie die Wirtschaftskammer Kärnten in einer aktuellen Aussendung berichtet, werde diese Einstufung der tatsächlichen Entwicklung und Nutzung des Sees jedoch nur teilweise gerecht. Aus Sicht von Gastronomie-Sprecher und Wörthersee-Wirt Stefan Sternad prägen jahrzehntelange menschliche Eingriffe die Struktur und Funktion des Gewässers nachhaltig.

See als Wirtschafts- und Lebensraum

Zu den angeführten Veränderungen zählen unter anderem die touristische Nutzung, die künstliche Anlage und Erweiterung des Lendkanals, das Kraftwerk Saag, die Schifffahrt, Bade- und Freizeitanlagen, die Ringkanalisation sowie umfangreiche Uferverbauungen. Nach Angaben der Wirtschaftskammer sind rund 80 Prozent der Uferbereiche durch Infrastruktur beeinflusst.

Der Wörthersee erfülle damit nicht nur eine ökologische Funktion, sondern sei zugleich zentraler Wirtschafts-, Tourismus-, Freizeit- und Lebensraum Kärntens. Diese Mehrfachrolle müsse bei künftigen Bewertungen stärker berücksichtigt werden.

Forderung nach sachlicher Diskussion

Die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union sieht vor, dass Gewässer mit erheblichen menschlichen Veränderungen als „erheblich veränderte Wasserkörper“ eingestuft werden können. Dabei sind neben ökologischen Zielen auch bestehende Nutzungen und die Auswirkungen möglicher Maßnahmen zu berücksichtigen.

Nach Ansicht der Wirtschaftskammer sprechen mehrere Faktoren dafür, eine solche Neubewertung des Wörthersees zumindest ernsthaft zu prüfen. Dabei gehe es ausdrücklich nicht um eine Abschwächung des Gewässerschutzes, sondern um eine realistische Betrachtung der tatsächlichen Gegebenheiten.

Schutz und Nutzung gemeinsam denken

Besondere Bedeutung misst Sternad einer transparenten Analyse der tatsächlichen Belastungsfaktoren bei. Künftige Maßnahmen sollten sich an nachweisbaren Ursachen orientieren und nicht pauschal wirtschaftliche oder touristische Nutzungen einschränken.

Aus Sicht der Wirtschaftskammer könnte eine Einstufung als erheblich veränderter Wasserkörper dazu beitragen, den Fokus stärker auf das ökologische Potenzial des Sees zu legen. Zielgerichtete Maßnahmen bei relevanten Einträgen, dem Fischbestandsmanagement oder der Anpassung an den Klimawandel könnten dadurch effektiver umgesetzt werden.

Die Kammer fordert daher, die Einstufung des Wörthersees im Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan neu zu bewerten. Damit sollen Gewässerschutz, Tourismus, Wirtschaft, Freizeitnutzung und Investitionssicherheit langfristig in ein ausgewogenes Verhältnis gebracht werden.


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