Impfstudie: junge Frauen sind Sorgenkinder

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Karin Seyringer Karin Seyringer, Tips Redaktion, 01.09.2021 16:13 Uhr

OÖ. Die Impfkampagne in OÖ stockt. Nur mehr sieben Prozent jener Personen in OÖ, die noch nicht gegen Covid geimpft sind, haben Interesse, dass noch nachzuholen. Das zeigt eine neue Studie im Auftrag des Landes OÖ, mit der man herausfinden wollte, warum sich die Menschen nicht impfen lassen. Vor allem Frauen unter 50 Jahren sind skeptisch. Am Mittwoch wurden in Linz die Ergebnisse präsentiert.

68 Prozent der Befragten gaben an, schon geimpft zu sein. Sieben Prozent der Befragten (entspricht ca. 87.000 Oberösterreichern ab 16. Jahren) sind es noch nicht, hätten aber Interesse an der Impfung. Eine große Gruppe von 22 Prozent (entspricht rund 270.000 Oberösterreichern) ist nicht geimpft und hat auch kein Interesse daran. Das Institut IMAS hat 1105 deutssprachige Personen über 16 Jahren befragt, jüngere und fremdsprachige Personen seien schwierig zu erreichen gewesen, so Paul Eiselsberg von IMAS.

„Wir wollten mit dieser Studie wissenschaftlich fundiert und wertfrei erfahren, welche Themen ausschlaggebend sind, sich gegen die Impfung zu entscheiden“, so Gesundheits-Landesrätin LH-Stellvertreterin Christine Haberlander.

Kein Impfinteresse: Weiblich, jung, geringere Bildung

Bei jenen ohne Impfung und ohne Interesse daran habe man eine „deutlich weiblichere Gruppe, eine deutliche jüngere Gruppe und deutlich eine Gruppe mit einfacher Schulbildung“, so Eiselsberg. Bei den Ungeimpften ohne Impf-Interesse sind 60 Prozent Frauen, 40 Prozent Männer. Vor allem Frauen unter 50 sind skeptisch.

Gründe, sich nicht impfen zu lassen hätten oftmals mit der Risikoeinschätzung zu tun, erläutert der IMAS-Chef. Diejenigen, die nicht geimpft sind, würden stärker davon ausgehen, dass sie sich nicht mit dem Virus anstecken.

Hauptargumente gegen die Impfung sind bei den Befragten auch, dass der Impfstoff noch nicht ausreichend erforscht sei, es heftige Nebenwirkungen gebe sowie die nicht ausreichende Wirkung der Impfung. Auch die Vertrauensfrage lasse sich neben der Risikoeinschätzung hier ableiten, so Eiselsberg. Nur sehr wenige würde glauben, dass es das Virus gar nicht gibt. Anreize wie Gutscheine, Gewinnspiel oder ähnliches bringen laut Umfrage kein Umschwenken ungeimpfter Personen, die auch kein Interesse daran haben.

Information und Vertrauen

Ansetzen müsse man bei der Informationspolitik, nur 24 Prozent, jener die nicht geimpft sind fühlen sich sehr gut informiert. Hier sieht Eiselsberg eine Chance, Sprachbarrieren zu überbrücken sei zudem wichtig.

Natürlich brauche es gewisses Verständnis dafür, warum sich Menschen für oder gegen eine Impfung entscheiden, nichtsdestotrotz sei es Aufgabe der öffentlichen Hand, weiterhin ein niederschwelliges Angebot zu machen, so Haberlander. Ansetzen werde man beim Thema Information und beim Vertrauen. So tritt das Land weiterhin mit Betrieben in Kontakt für Impfaktionen vor Ort, zwei Impfbusse werden zu Betrieben kommen, „weil wir davon überzeugt sind, dass besonders das Vertrauen am Arbeitsplatz, das Kollegen auch Unterstützer für eine Impfentscheidung sein können.“

Junge Frauen erreichen

Um junge Frauen zu erreichen und zu informieren, wird mit den Gynäkologen in Oberösterreich eine Informationskampagne gestartet, „das sind Multiplikatoren und Vertrauenspersonen. Wenn ich einen Kinderwunsch habe, wenn ich Sorge habe, wie sich die Impfung auf meine Gesundheit auswirkt, gehe ich zu meinem Gynäkologen“, so Haberlander.

Verzagen würde man angesichts der stagnierenden Impfzahlen aber nicht: „Wir hatten vor einem Jahr keinen Impfstoff und keine Testmöglichkeit und waren diesem Virus wirklich ausgeliefert. Im Jänner wurde begonnen, schön langsam zu impfen. Dann hatten auch beim Impfen wirklich große Herausforderungen zu bewältigen. Wir sind so weit gekommen binnen weniger Monate und das wir jetzt eine so hohe Anzahl an Oberösterreichern haben, die sich schützen, ist für mich eine Dimension, die ich im Jänner nicht zu hoffen gewagt hätte.“

Impfquoten in westlichen Staaten ähnlich

Die Medizin habe immer auch das Vorhaben, präventiv tätig zu sein. Mit der Impfung hätte man eigentlich das Mittel, die Pandemie im Griff zu haben, so auch Mediziner Tilman Königswieser, Mitglied des Landeskrisenstabes. „Das spielt es aber nicht, weil jeder Mensch ein Individuum ist, jeder seine Gedanken hat. Auch das haben wir zu verstehen.“ Die Studie habe mehr Klarheit gebracht, jetzt müssten die richtigen Schlüsse gefunden werden. Eine Lehre für ihn: Informationsmissstände, „dass wir Mediziner es nicht geschafft haben, unsere Botschaften an die Frau, den Mann zu bringen, es nicht geschafft haben, dass man uns vertraut.“

Was man aber auch sehe, ist, dass in allen westlichen Staaten die Impfquoten zwischen 55 und 70 Prozent ins Stocken geraten sei. Eine Ausnahme sei Portugal mit 85 Prozent. „Länder, die ganz massiv betroffen waren, wo sich die Bilder der Leichensäcke in der Bevölkerung eingebrannt haben. Das haben wir dank unseres Gesundheitssystems Gott sei Dank nicht erleben müssen“, nennt Königswieser auch den Faktor Angst, der bei der Impfung eine Rolle spiele.

Eigenverantwortung

Vor allem sei jetzt aber auch die Phase, um an die Eigenverantwortung zu appellieren, und das heiße, nicht nur sich selbst zu schützen. „Ich habe wenig Verständnis, wenn jemand sagt: Die Schule muss unbedingt offen bleiben, aber ich impfe mich nicht. Wir bräuchten keine Teststrategien und sonstiges, wenn wir als Bevölkerung mehr geimpft wären“, so Königswieser.

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