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Simulationsforscher: "Zahl der Covid-Intensivpatienten in OÖ sollte sich bis Weihnachten halbieren"

Tips Logo Karin Seyringer, 02.12.2021 19:24

OÖ. 1.495 Covid-Neuinfektionen von Mittwoch auf Donnerstag hat OÖ verzeichnet, mit Stand 14.30 Uhr waren 22.545 aktive Covid-Fälle. Der sogenannte R-Faktor – eine infizierte Person steckt dem R-Faktor entsprechende weitere Personen an – ist von 1,12 am 22. November auf 0,88 am Donnerstag gesunken. Simulationsforscher Nikolas Popper hat für OÖ eine Modellrechnung aufgestellt, wie sich basierend auf der derzeitigen Fakten-Lage die Situation in den kommenden Wochen entwickeln wird.

 (Foto: Volker Weihbold)
(Foto: Volker Weihbold)

485 Normalbetten und 129 Intensivbetten der heimischen Spitäler sind am Donnerstag in OÖ mit Corona-Patienten belegt, davon 428 nicht vollständig immunisierte Personen.

Simulationsforscher Nikolas Popper hat für Oberösterreich eine Modellrechnung aufgestellt, wie sich basierend auf der derzeitigen Fakten-Lage Corona in den kommenden Wochen entwickeln wird. Diese Daten bilden eine erste Zwischenbilanz ab und es erfolgt ein kontinuierliches Monitoring der Entwicklung.

Zahl der Intensivpatienten sollte sich bis Weihnachten halbieren

„Die Infektionsdynamik dürfte sich in den nächsten Wochen vorerst deutlich entspannen. Die Öffnungsschritte können sich zuallererst an dieser positiven Dynamik orientieren. Auch wenn die Zahl der positiv Getesteten jetzt schnell sinken wird, bleibt die Lage auf den ICUs noch angespannt. Bis Weihnachten sollte sich die Zahl der Covid-19 belegten Intensivbetten aber zumindest auf unter 70 halbieren. Allerdings ist auch zu beachten, dass die Belastung der Intensivstationen durch andere Krankheiten, Unfälle, aber vor allem durch das Nachholen von notwendigen Behandlungen auf einem höheren Niveau verbleiben könnte. Hier muss man entsprechend nachhaltig planen. Um sicher planen zu können ist jedenfalls eine weitere Erhöhung der Erstimpfungsrate notwendig, derzeit entfallen nur 21 Prozent der aktuellen Impfungen auf Erstimpfungen. Und für einen potenziellen Anstieg ist jedenfalls eine ausreichende Testinfrastruktur vorzuhalten“, fasst Simulationsforscher Nikolas Popper seine Berechnungen zusammen.

Der Simulationsforscher wird die Situation in OÖ nun fortlaufend wissenschaftlich begleiten, seine Berechnungen werden in die Beratungen mit Experten des Krisenstabs und des Gesundheitswesens zum weiteren Vorgehen in OÖ einfließen.

„Weg erfordert Geduld von uns allen“

„Der Weg bis zur Entlastung der Spitalskapazitäten, insbesondere der Intensivbetten, ist noch ein langer, erfordert Geduld von uns allen“, so Landeshauptmann Thomas Stelzer und seine Stellvertreterin Christine Haberlander. „Politik allein kann diese Krise nicht bewältigen. Es braucht die Mitarbeit der Menschen und die Bereitschaft zum Zusammenhalt. Die Bereitschaft, an das Wohl der anderen zu denken. An Kinder, Kranke, an jene Menschen im Gesundheitswesen, die bis zur Erschöpfung gegen Corona kämpfen. Letztlich aber: an das Wohl aller. Deshalb appellieren wir erneut an alle, die sich bisher noch nicht durch die Impfung geschützt haben: Nutzen Sie die vielfältigen Angebote. Wir haben gemeinsam die Verpflichtung, diese Welle endgültig zu brechen – und Leben zu retten.“

Auch weiterhin drastische Verringerung des Regelprogramms 

„Auch wenn die Infektionszahlen, die sogenannte Reproduktionszahl und die 7-Tages-Inzidenz in OÖ in den letzten Tagen eine erste positive Tendenz zeigen und sich somit die Hinweise verdichten, dass die Maßnahmen zu greifen beginnen, bedeutet dies für die Spitäler in Oberösterreich zum jetzigen Zeitpunkt erwartungsgemäß noch keine spürbare Entspannung. Wie an den Prognosen abzusehen war, hat sich die Zahl der Covid-Patienten, insbesondere jenen, die auf Intensivstationen versorgt werden müssen, noch weiter erhöht. Das bedeutet, dass deutlich mehr Intensivkapazitäten betreut werden müssen, als es im Regelbetrieb vorgesehen ist. Damit ist auch weiterhin eine drastische Verringerung des Regelprogramms gegeben und höchste Anspannung im gesamten Krankenhausbetrieb spürbar. Wenn der Trend der Entwicklung sich verfestigt, besteht die begründete Hoffnung, dass diese Welle die Systemgrenzen nicht sprengt und unter Aufbietung aller internen Ressourcen gerade noch bewältigt werden kann. Dies ist der großartigen Mitarbeiterschaft in den Spitälern zu verdanken. Gleichzeitig ist davor zu warnen, das System noch einmal bis an seine Grenzen auszureizen“, so der Vorsitzende der Geschäftsführung der Oberösterreichischen Gesundheitsholding Franz Harnoncourt.


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