Von der Sprachförderung bis zur Kooperation: Wie moderne Kinderbetreuung in OÖ funktionieren kann
OÖ/BEZIRK. Kinderbildung und -betreuung sind ein gemeinsames Anliegen von Städten, Gemeinden und dem Land Oberösterreich. Gleichzeitig steht sie vor großen Herausforderungen – etwa beim Übergang vom Kindergarten in die Schule, steigenden Kosten oder sprachlichen Barrieren. Tips hat mehrere Kinderbildungseinrichtungen besucht und sich angesehen, wie diese Herausforderungen in der Praxis bewältigt werden können.

Oberösterreich investiert seit Jahren in Kinderbildung – doch im Fokus steht mehr als der Ausbau von Plätzen: Vor allem die Qualität der Krabbelstuben und Kindergärten mit kleinen Gruppengrößen, engagiertem Personal und durchdachten pädagogischen Konzepten ist das Ziel. So auch bei den vier Stationen, die mit einer Abordnung um Bildungslandesrätin, LH-Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP) besucht wurden.
Übergang leicht gemacht
In Enns steht im „Kinderhaus Dreiklang“ – der Name kommt vom gemeinsamen Standort von Krabbelstube, Kindergarten und Musikkapelle – der Übergang vom Kindergarten in die Volksschule im Fokus. Schon früh besuchen die Kinder die Schule, lernen das Gebäude kennen und knüpfen erste Kontakte, was die Transition zwischen den verschiedenen Lebensabschnitten leichter macht.
„Kinder brauchen Sicherheit und Vertrauen, um mutig Neues entdecken zu können“, betont Haberlander. Genau hier setze die intensive Begleitung durch Pädagogen an.
Enge Zusammenarbeit zwischen Kindergarten, Schule und Eltern sorgt dafür, dass dieser Entwicklungsschritt möglichst reibungslos gelingt. Zusätzlich erleichtert dieses Konzept auch den administrativen Teil der Schuleinschreibung, erklärt Volksschuldirektorin Regina Oberreiter: „Durch den Datenschutz kommt man schwieriger an die Kontaktdaten der Kinder. Durch den Besuch der Schulanfänger bekommt man einen groben Überblick und macht die Eltern auch auf die Schuleinschreibung aufmerksam.“
Ein Kindergarten für acht Gemeinden
In Oberndorf bei Schwanenstadt gibt es seit September 2025 ein Kooperationsmodell von acht Gemeinden. Im Pfarrcaritas-Kindergarten „Wolke 8“ können bis zu 106 Kinder – im Alter von eineinhalb bis sechs Jahren – in insgesamt sieben Gruppen (vier Krabbelstuben- und drei Kindergarten-Gruppen) betreut werden.
Die Zusammenarbeit der Gemeinden Pitzenberg, Pühret, Rutzenham, Oberndorf, Schlatt, Atzbach, Niederthalheim und Schwanenstadt funktioniert laut den Verantwortlichen in Kindergarten und Gemeinden sehr gut. Jede Gemeinde hat ein bestimmtes und geregeltes Kontingent an freien Plätzen und auch die Pädagoginnen selbst kommen zum Großteil aus der Gegend.
„So ist es leichter möglich, ein gutes Öffnungszeitenangebot und durch vorhandene Personalressourcen einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten“, fasst die Bildungslandesrätin zusammen.
Nachhaltige Holzbauweise
Von Kindern, die in Oberndorf Hand in Hand mit einer Plüsch-Schlange in den Garten spazieren, geht es zu Therapie-Schnecken in Bad Wimsbach-Neydharting, die für Ruhe, Entschleunigung und sensorische Erfahrungen bei Kindern sorgen. Dort fühlen sich im modernen und neugebauten Kindergarten mit Krabbelstube nämlich nicht nur die Schnecken im Glas wohl, sondern auch viele junge Kinder.
„Das viele Holz macht gleich etwas mit einem und gibt das Gefühl, angekommen zu sein“, sagt Bürgermeister Erwin Stürzlinger (ÖVP). Im Frühling 2025 wurde die Kinderbildungseinrichtung eröffnet und steht beispielhaft für eine moderne Infrastruktur.
Das Gebäude wurde nach einem architektonischen Ideenwettbewerb in nachhaltiger Holzbauweise errichtet und mit Geothermie sowie Photovoltaik ausgestattet. Auch beim Außenbereich wurde ein Fachplaner herangezogen und der Spielplatz wurde an die Bedürfnisse der Kinder angepasst.
Hohe Mehrsprachigkeit
„Willkommen“, „Bienvenidos“, „Hoş geldiniz“, „Welkom“: Am Eingang des städtischen Kindergartens St. Martin II in Traun wird der Schwerpunkt schon an der Eingangstür klar: Mehrsprachigkeit. „In zwei Regel- und zwei Integrationsgruppen werden 79 Kinder betreut. 35 davon bekommen eine Sprachförderung“, erklärt Bürgermeister Karl-Heinz Koll (ÖVP).
In Traun gibt es aktuell 42 Kindergartengruppen, der Bedarf steigt jedoch noch weiter. „Bald wird der Kindergarten St. Martin II noch erweitert, sodass insgesamt acht Gruppen Platz haben werden“, so Koll weiter. Die Suche nach Personal oder die Herausforderungen mit dem hohen Mehrsprachigkeitsanteil seien laut dem Bürgermeister jedoch kein Problem.
Förderungen vom Land
Das Land Oberösterreich unterstützt aktuell über 300 Bauprojekte im Bereich der Kinderbildung und -betreuung mit Fördermitteln von rund 363 Millionen Euro. Weitere 141 Projekte sind in Planung. Damit soll nicht nur der Ausbau vorangetrieben und moderne Gebäude geschaffen werden, sondern auch wesentliche Wirtschaftsimpulse in den Regionen gesetzt werden.
Auch in die Sprachförderung investiert das Land im Jahr 2026 rund zehn Millionen Euro: von zusätzlichem Fachpersonal über gezielte Fortbildungen bis hin zur mobilen Sprachberatung, bei der acht speziell ausgebildete Sprachberaterinnen die Einrichtungen direkt vor Ort unterstützt.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden