Schockdiagnose Krebs und ihre Folgen: Wie Sozialarbeit in Oberösterreichs Spitälern hilft
OÖ/LINZ. Eine Krebsdiagnose ist immer ein Schock. Die Frage, die sich Betroffene sofort stellen: „Werde ich das überleben?“ Mit Themen wie finanziellen Auswirkungen oder, wie es mit dem Job weitergeht, beschäftigen sich Betroffene aber erst nach dem ersten Schock. Doch auch diese wirken sich massiv auf die Lebensqualität der Erkrankten aus. In Oberösterreichs Spitälern gibt es Anlaufstellen für soziale Unterstützung.

„Es ist wirklich schwierig, als junge Erwachsene wieder ins Leben zurückzufinden“, erzählt Lisa Reitbauer. Sie ist 2016 an Leukämie erkrankt. Damals war sie gerade in ihrem Matura-Jahrgang. Dank einer Stammzellenspende geht es ihr wieder besser und sie konnte die Matura ein Jahr später nachholen. Die Suche nach einem Arbeitsplatz machte ihr aber dennoch Sorgen.
Viele Betroffene teilen diese Ängste. Nach der Erkrankung folgen oft langzeitige Nachwirkungen wie chronische Müdigkeit und Erschöpfung, die den Arbeitsalltag erschweren. Mit einer Krebserkrankung gehen meist Langzeitkrankenstände einher. Erkrankte haben Angst, dass sich auch ihre Lebensqualität und finanzielle Lage verschlechtern könnte. „Dass diese Angst berechtigt ist, wissen wir aus deutschen Studien, die besagen, dass sich bei 40 Prozent der an Krebs Erkrankten die Lebensverhältnisse verschlechtern“, sagt Martina Hundertpfund, Sozialarbeiterin am Ordensklinikum Linz. Bei einer Krebserkrankung gibt es keinen Kündigungsschutz im Krankenstand. Zusätzlich dazu, dass Erkrankte möglicherweise ihren Arbeitsplatz verlieren, wird ihr Leben durch Therapiekosten und Kosten für eine spezielle Ernährung teurer.
Sozialarbeit im Krankenhaus als niederschwellige Hilfe bringt besseren Behandlungserfolg
„Unsere Krankenhäuer bieten daher nicht nur medizinische Spitzenleistungen, sondern auch eine breite Palette von Betreuungsangeboten. Therapieerfolg erfordert Vielfalt, und in Oberösterreich haben wir diese Vielfalt“, so LH-Stellvertreterin und Gesundheits-Landesrätin Christine Haberlander (ÖVP).
In Oberösterreichs Spitälern gibt es rund 73 Vollzeit-Dienstposten für Sozialarbeit, finanziert vom Land OÖ. Sie beraten Krebspatienten zu sozialen und finanziellen Ansprüchen, kümmern sich ganzheitlich, präventiv und familienorientiert. Dadurch werden Lebensqualität und Therapiechancen verbessert. „Wenn es gelingt, die sozialen Belastungen durch eine Krebserkrankung zu mildern, verbessert das die Behandlung. Weniger chronischer Stress und Sorgen um den Arbeitsplatz, Einkommenseinbußen oder das Weiterführen eines Hobbys verbessern die Therapietreue der Patienten“, weiß Ansgar Weltermann, der Leiter des Tumorzentrum OÖ und des Zentrums für Tumorerkrankungen am Ordensklinikum Linz. Wenn Patienten zu sehr von Stress betroffen sind, würden sie zum Beispiel häufiger vergessen ihre Tabletten einzunehmen, was sich auch auf den Erfolg der Therapie auswirkt.
Wenn es die Kleinsten trifft
Die Krebsdiagnose ist nicht nur für die betroffene Person selbst ein Schock, sondern auch für Angehörige. Das gilt besonders, wenn es sich um das eigene Kind handelt. „Eltern stehen vor der Herausforderung, die emotionale und physische Gesundheit ihres erkrankten Kindes zu bewahren, während sie gleichzeitig versuchen, die Normalität in ihrem Familienleben aufrechtzuerhalten“, so Monika Kern, Leiterin der Abteilung Klinische Sozialarbeit am Kepler Universitätsklinikum.
Um zu unterstützen, kommen Lehrkräfte direkt ins Krankenhaus, um zu unterrichten, es gibt spezialisierte Nachsorgeeinrichtungen nach Therapieende, Sozialarbeit für die ganze Familie wird angeboten. Darunter fallen Beratungsschwerpunkte wie:
- soziale und finanzielle Ansprüche
- Möglichkeit der Dienstfreistellung für Eltern
- Versorgung der Geschwisterkinder und Entlastung im Haushalt
- Berufliche Perspektiven für erkrankte Jugendliche
10.000 Krebserkrankungen neu diagnostiziert
Laut dem Krebsregister des Tumorzentrums OÖ wurden 2023 etwa 10.000 Menschen in Oberösterreich neu mit Krebs diagnostiziert. Dabei handelt es sich bei 8.000 um einen bösartigen Tumor. 1.809 Diagnosen betrafen 20- bis 60-Jährige, also die berufstätige Altersgruppe. 120 Menschen, die an Krebs erkrankt sind, waren unter 20. Alleine am Linzer Kepler Uniklinikum wurden im Jahr 2023 insgesamt 440 Kinder und Jugendliche onkologisch betreut, davon 58 Kinder bis 3 Jahre, 135 Kinder zwischen 4 und 9 Jahren und 247 Kinder- und Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren.
Weltkrebstag am 4. Februar
Am 4. Februar ist übrigens Weltkrebstag. Der Aktionstag rückt eine der häufigsten Todesursachen in das Bewusstsein der Bevölkerung. Der Aktionstag wurde 2007 von der Welt-Krebsorganisation UICC ins Leben gerufen.


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