20 Jahre Fortschritt in der Brustkrebs-Therapie
OÖ/LINZ. Schonendere Operationen, gezielte Therapien und in ausgewählten Fällen nur noch fünf Bestrahlungstermine: Die Behandlung von Brustkrebs hat sich in den vergangenen 20 Jahren verändert. Seit seiner Gründung 2006 hat sich das Brust-Gesundheitszentrum am Ordensklinikum Linz zu einer der führenden Einrichtungen entwickelt.

Brustkrebs ist nach wie vor die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Etwa jede neunte bis zehnte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. „Das Brust-Gesundheitszentrum betreut rund ein Drittel aller Brustkrebspatienten in Oberösterreich und leistet damit einen bedeutenden Beitrag zur regionalen Versorgung“, so Stefan Beyerlein, Ärztlicher Direktor des Ordensklinikums Linz Barmherzige Schwestern.
Rund 400 Patientinnen werden jährlich am Brust-Gesundheitszentrum betreut. Auch Männer sind - wenn auch deutlich geringer - betroffen. In den letzten 20 Jahren wurden knapp 80 Männer mit Brustkrebs am Zentrum behandelt.
„Gerade bei einer so häufigen Erkrankung wie Brustkrebs sind Früherkennung, moderne Behandlungsmöglichkeiten und eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit entscheidend“, so LH-Stellvertreterin, Gesundheits-Landesrätin Christine Haberlander (ÖVP). Sie betont auch die ganzheitliche Betreuung am Brust-Gesundheitszentrum.
Gebündelte Expertise
Fachleute aus verschiedenen Bereichen besprechen die einzelnen Fälle gemeinsam und stimmen die Behandlung auf die jeweilige Erkrankung ab. Zu den Fortschritten zählen schonendere Operationen an den Achsellymphknoten und der Ausbau der Brustrekonstruktion mit Eigengewebe als Alternative zu Implantaten. In ausgewählten Fällen lässt sich die Bestrahlung auf fünf Sitzungen verkürzen. Molekulargenetische Untersuchungen helfen zudem, ein erbliches Erkrankungsrisiko einzuschätzen und die Therapie zu planen.
Oberärztin Ruth Helfgott leitet des Brust-Gesundheitszentrums. „Über die Zeit hat sich viel verändert, nicht nur bei uns am Haus sondern generell in der Brustkrebstherapie.“ Diese sei stark individualisiert und immer zielgerichteter geworden, „es braucht daher spezialisierte Expertise und ein up to date-sein.“
Zertifiziert
Wie Helfgott betont, ist das Brust-Gesundheitszentrum sowohl nach den Standards der EUSOMA (European Society of Mastology) als auch durch die Zertifizierungsgesellschaft OnkoZert der Deutschen Krebsgesellschaft ausgezeichnet. Bereits 2006 wurde das Zentrum unter der Leitung von Medizinerin Sabine Pöstlberger als erstes Zentrum in Österreich außerhalb Deutschlands nach OnkoZert zertifiziert.
Das Zentrum beteiligt sich auch an nationalen und internationalen klinischen Studien. Derzeit werden rund 210 Patienten im Rahmen solcher Studien betreut. „Dadurch können wir oft frühzeitig Zugang zu innovativen Therapien verschaffen“, erklärt Oberärztin Ruth Helfgott, Leiterin des Brust-Gesundheitszentrums.
Ganzheitliche Betreuung
Neben der medizinischen Behandlung legt das Zentrum großen Wert auf eine ganzheitliche Betreuung. Speziell ausgebildete Breast Care Nurses begleiten während des gesamten Behandlungsprozesses. „Dabei sind wir eine wichtige Ansprechperson für alle Fragen und Anliegen – von der Wundversorgung und möglichen Nebenwirkungen über soziale Themen bis hin zu Fragen rund um den Haarersatz“, so Breast Care Nurse Brigitte Kurz. Sie sieht sich auch als Vermittlern, bietet unter anderem zudem Sprechstunden an.
Wohnortnahe Betreuung wird ermöglicht
Über das Tumorboard sichern auch die kleineren Brustzentren in Oberösterreichischen Spitälern die qualitätsvolle Versorgung ab. Damit wird in Zusammenarbeit auch die wohnortnahe Behandlung wie etwa Nachbehandlung ermöglicht.
Diesen Weg wählte Patientin Karina Cansiz. „Die Diagnose hat mein Leben komplett umgestellt. 2018 habe ich eine Veränderung an der Brust entdeckt, am Klinikum Schärding wurde ich zügig ins Brustgesundheitszentrum überwiesen.“ Nach der Diagnose folgte eine OP in Linz, dort wurde auch der weitere Behandlungsplan festgelegt, der dann am Klinikum Schärding durchgeführt wurde. „Der nur kurze Weg war eine enorme Erleichterung.“ Für eine Brustrekonstruktion kam sie wieder nach Linz.
Generell fühlte sie sich sehr gut aufgehoben und betreut, „man kann sich so einfach auf sich selbst konzentrieren“, erzählt die Patientin.
Haberlander: „Man ist in jedem Krankenhaus in Oberösterreich gut aufgehoben, das funktioniert sehr gut in der Zusammenarbeit.“
„Unser Anspruch ist es, eine individuell optimale Behandlung zu ermöglichen – getragen von Fachkompetenz, Innovation und Menschlichkeit“, so Helfgott.








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