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Erdäpfel aus Oberösterreich: trotz früher Pflanzung ein später Saisonstart

Tips LogoNora Heindl, 14.06.2019 09:05

EFERDING/OÖ. Erstmals seit dem 2. Weltkrieg konnten die österreichischen Lebensmittelgeschäfte heuer nicht durchgehend mit heimischen Erdäpfeln beliefert werden. Seit Anfang Mai las man nur noch Frankreich, Israel, Ägypten, Marokko und Zypern auf den Etiketten. Trockenheit, Erdäpfelschädlinge und hohe Aussortierungen führten zu dieser außergewöhnlichen Situation. Nun gibt es sie wieder, die Knollen vom heimischen Feld.

  1 / 4   Ab sofort gibt es die Eferdinger „Heurigen“-Erdäpfel wieder im Handel (v. l.): Manfred Schauer, Obmann der Erzeugergemeinschaft Eferdinger Landl, Karl Grabmayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer OÖ und Ewald Mayr, Geschäftsführer Erzeugergemeinschaft Eferdinger-Landl. Foto: LKOÖ

Die Dürre hat im Jahr 2018 zu einer hohen Quote an Aussortierungen und zu der noch nie dagewesenen Erdäpfelknappheit geführt. Manche Betriebe mussten zwischen 30 bis 50 Prozent der geernteten Ware entsorgen. Zu viele Sonnenstunden ließen die Haut der Erdäpfel etwa runzelig werden. Dem Geschmack tut das zwar keinen Abbruch, aber den Qualitätsanforderungen von Lebensmittelhandel und Konsumenten. „In Oberösterreich war durch die hohe Dichte an viehhaltenden Betrieben trotzdem ein Absatz möglich. Somit konnte das Lebensmittel einer sinnvollen Verwertung zugeführt werden“, so Ewald Mayr, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Eferdinger Landl, „Betriebswirtschaftlich ist dies für die Betriebe jedoch ein Desaster.“

Hinzu kamen die Temperaturen über 30 Grad, ab welcher die Erdäpfel ihr Wachstum einstellen und der Drahtwurm. Die Larve des Schnellkäfers braucht zum Leben einen feuchten Boden und viel Wurzelmasse. Da der Boden zu trocken war und durch die Abreife des Erdäpfels das Wurzelwerk fehlte, nistete sich der Wurm im Inneren des Erdäpfels ein. „Wir haben daher unseren Betrieben empfohlen, die ausgereiften Erdäpfel zu bewässern. Der Erfolg gab uns recht und die Schäden waren geringer als in anderen Regionen Österreichs“, so Mayr.

Heuriger ist ab sofort erhältlich

Mit dem Heurigen findet nun wieder heimische Erdäpfel im Supermarkt Regal. „Wir konnten heuer im Februar rekordverdächtig früh pflanzen. Bis Mitte April sah es so aus, als ob wir einen noch nie dagewesenen Frühstart hinlegen werden. Der kühle Mai hat jedoch die Vegetation 14 Tage nach hinten verschoben“, so Manfred Schauer, Obmann der Erzeugergemeinschaft Eferdinger Landl-Erdäpfel. Die Zeit der Heurigen im Handel und Ab-Hof bei den Bauern ist aber beschränkt, da sie nur bis Ende Juli unter „Heurige“ vermarktet werden dürfen.

Vor der Reife geerntet

Doch was macht den „Jungen Eferdinger“ so einzigartig? „Der junge Erdapfel ist noch nicht ausgereift, wobei dies beim Erdapfel sogar von Vorteil ist. Neben Mineralstoffen und Vitaminen schmecken die Heurigen nussiger und würziger als die Spät-Erdäpfel. Sie enthalten weniger Kohlenhydrate und sind sehr kalorienarm“, weist Manfred Schauer auf die Besonderheit hin.

Schauer empfiehlt die jungen Eferdinger mit Schale zu essen: „Das erhöht den Ballaststoffanteil und den Nährstoffgehalt, da sich viele wertvolle Vitamine und Mineralstoffe in der Schale befinden. Zu dem verstärkt die Schale das nussige Aroma.“ Der Experte gibt einen Tipp: „Bis zum Einlagern im September soll die Schale beim Essen drauf bleiben, danach verliert sie wesentlich an Geschmack und inhaltlichem Wert.“

Der Österreicher „is(s)t“ anders

Den Heurigen mit der schuppigen Schale und frühreifer Ernte gibt es nur in Österreich. Die Deutschen lassen die Erdäpfel länger reifen, damit sich auch eine feste Schale an der Knolle bildet. „Daher kommen unsere Nachbarn erst Ende Juni auf den Markt. Dort werden derzeit spanische Früh-Erdäpfel angeboten“, so Schauer. Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel hat sich entschlossen, wegen verkürzter Haltbarkeit und der Gefahr des Faulens auf den Heurigen zu verzichten. „Die Besonderheiten des Heurigen lieben die Österreicherinnen und Österreicher. Es wäre schade, wenn wir diese Spezialität in Österreich verlieren. Die Folge wäre zudem eine Verlängerung des Importes ausländischer Ware.“

Ausländische Heurige höherpreisiger als heimische Ware

Trotz der knappen Versorgung ist der Preis zum Saisonstart nicht befriedigend. So wurde vom Lebensmittelhandel ausländische Ware deutlich teurer als heimische Ware eingekauft. „Eigentlich sollte es doch umgekehrt sein: Regionale Erdäpfel sollten einen höheren Wert haben, als die importierte Ware!“, so Schauer.

Ausländische Heurige waren in den letzten Wochen sehr nachgefragt. Heurige aus Ägypten und Israel wurden zu Höchstpreisen angeboten. „Wir würden uns wünschen, wenn wir mit unseren Heurigen gleiche Preise erzielen würden“, meinte der Geschäftsführer.

Besonderes möchten die oö. Erdäpfelbauern auf die ausländischen Produktionsbedingungen hinweisen. Die niederösterreichische Landwirtschaftskammer machte in den letzten Wochen einen Erdäfpfelcheck. Mayr: „Speziell bei Erdäpfeln aus Ägypten und Israel dürfen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die in Österreich seit Jahrzehnten verboten sind. Wir fordern daher gleiche Produktionsauflagen wie in Europa.“

Neben den langen Transportwegen von tausenden von Kilometern spricht auch der soziale Aspekt gegen diese Importe. In Ägypten zum Beispiel treibt die Erdäpfelproduktion für Europa die Lebensmittelpreise derart in die Höhe, dass sich Ägypter keine Erdäpfel mehr leisten können. „Zudem arbeiten die Arbeiter auf den Feldern für einen Tageslohn, der bei uns pro halbe Stunde bezahlt wird“, ergänzt Mayr.

Klimawandel bereitet Sorgen

Sorgen bereitet den Bauern aber auch der Kilmawandel. „Seit Jahren ist zu erkennen, dass sich das trockene pannonische Klima Ostösterreichs wie eine Zunge Richtung oberösterreichischen Zentralraum zieht. Es häuft sich auch der trockene Ostwind. Früher war der Zentralraum Oberösterreichs viel mehr vom Westwind und häufigem Gewitterregen geprägt“, so Obmann Schauer.

Auch die hohen Temperaturen setzen den Erdäpfeln zu. „Ab 30 Grad hört der Erdapfel zu wachsen auf. Bei 30 Hitzetagen wie 2018 heißt das, dass die Knolle an 30 Tagen nicht größer wird. Alleine diese Situation bewirkt, dass der Ertrag trotz Gewitter-Regen oder Bewässerung in hitzereichen Sommern reduziert wird“, weist Schauer auf die Auswirkungen des Klimawandels hin.

Die Bauern müssen bei der Sortenwahl auf trockenheitstolerante Knollen zurückgreifen. Das Max-Planck-Institut in Deutschland forscht intensiv an trockenresistenten Sorten „Bei der Züchtung der Sorten wird die Trockentoleranz eines der Hauptkriterien der Zukunft. Was hilft eine ertragreiche Sorte, wenn sie der Hitze nicht standhält“, sagt Schauer.

„Jedoch ist mittlerweile die Bewässerung der Flächen eine Überlebensversicherung. Nach 2013, 2015, 2017 und 2018 startete auch das Jahr 2019 viel zu trocken. Es ist immer mehr zu erkennen, dass sich der Erdapfelanbau in jene Regionen verlagert, in denen die Flächen bewässert werden können. Ein Drittel des Ertrages geht ohne Bewässerung verloren. Wir haben es 2018 gesehen. Jene Betriebe, die bewässern konnten, hatten im Vergleich zu einem Durchschnittsjahr 15 Prozent Ertragsausfall, an den Randlagen des Eferdinger Beckens 40 Prozent „, so Schauer.

Flächen bei Speise-Erdäpfel rückgängig, bei Industrieerdäpfel steigend

Nimmt man die aktuellen Anbauflächen, könnte man zur Ansicht gelangen, dass Erdäpfel im Ackerbau inzwischen nicht mehr so bedeutend sind. Gab es 1970 in Österreich noch 110.000 Hektar Erdäpfel – ca. 15.000 Hektar davon in Oberösterreich – ging diese Fläche kontinuierlich zurück. In Österreich werden heuer knapp 24.000 Hektar Erdäpfel kultiviert – 1.300 Hektar davon in Oberösterreich.

„Beim Speise-Erdäpfel-Anbau gibt es heuer einen Rückgang um ca. 3 Prozent. Diesen Rückgang gleichen die Industrie-Erdäpfelflächen aus, die besonders im Bio-Bereich deutlich zugenommen haben. Die Industrie hatte nun zwei Jahre hintereinander die Herausforderung, genügend Rohstoffe zu bekommen. Daher wurden intensiv Betriebe für die Erdäpfelproduktion gesucht. Sehr viele Landwirte gehen auch deshalb diesen Weg, da die Qualitätsanforderungen der Industrie wesentlich geringer als die des Lebensmittelhandels sind“, so Karl Grabmayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer OÖ.

„Es macht den Speise-Erdäpfelproduzenten Sorgen, dass die Österreicher immer mehr auf Fertigprodukte zugreifen. Von den konsumierten 50 kg Erdäpfelkonsum pro Jahr sind bereits ca. 30 kg industriell verarbeitet, somit 60 Prozent des Konsums. In Entwicklungsländern liegt dieser Anteil bei 5 Prozent. Ein Indiz unserer Wohlstandsgesellschaft“, so Grabmayr.

In Österreich gibt es insgesamt knapp 15.000 Erdäpfel-Bauern, viele davon ernten allerdings nur kleine Mengen für den Eigenbedarf. 17 Prozent der Erdäpfel werden österreichweit in Bio-Qualität hergestellt. Von den 1.300 Hektar Erdäpfeln in Oberösterreich sind 321 Hektar Bio-Erdäpfel, das ist fast ein Viertel.

Vizepräsident Grabmayr: „Konsumenten greifen auch beim Einkauf gerne zu Produkten aus der Region. Ein gutes Beispiel dafür ist die Erzeugergemeinschaft Eferdinger Landl-Erdäpfel, deren Produkte das ganze Jahr über in den Verkaufsregalen der Handelsketten gelistet sind. Besonders erfolgreich sind die Früherdäpfel, die sogenannten „Heurigen“, die es ab sofort wieder zu kaufen gibt. Die Bauern der Eferdinger Erzeugergemeinschaft vermarkten neben Erdäpfel auch Süßkartoffel, Zwiebel, Radieschen, Stangensellerie und Knoblauch unter der Marke „Eferdinger Landl“.

„Es tut gut zu sehen, dass die Bemühungen um regionale Qualitätsprodukte auf fruchtbaren Boden fallen und dass es Produzenten gibt, die diese Regionalität leben, aber auch immer mehr Konsumenten, die diese Regionalität wertschätzen. Deswegen bin ich auch ein starker Verfechter der Forderung nach einer strengen Herkunftskennzeichnung“, so Vizepräsident Grabmayr.

Österreichische Erdäpfel-Produzenten, die für Vermarktungsprogramme produzieren, arbeiten zu 100 Prozent nach den strengen AMA G.A.P.-Richtlinien. Hier gibt es strenge Betriebskontrollen hinsichtlich Düngung, Pflanzenschutz, Bewässerung, Hygiene, Fremdarbeitskräftebeschäftigung und Warenfluss am Markt. „Wenn der Konsument im Supermarkt nach heimischer Ware greift, greift er nach garantierter Qualität. Für die Käufer ist die österreichische Herkunft durch das AMA-Gütesiegel gut ersichtlich, während Importware im Supermarkt oft kaum gekennzeichnet wird. Da sieht der Käufer oft nur am Kleingedruckten oder am Preisschild, dass es sich um ägyptische oder zypriotische Erdäpfel handelt. Hier trete ich ganz klar für mehr Transparenz ein“, betont Karl Grabmayr.

„Wir leben in einer Zeit, in der Genuss großgeschrieben wird und in der die Menschen immer mehr nachdenken, woher ihre Lebensmittel stammen. All diese Trends treffen die Eferdinger Landl-Bauern mit ihren Landl-Erdäpfeln. Sie stehen für oberösterreichische Spitzenqualität und ein Produkt mit kurzen Transportwegen“, so Grabmayr abschließend.

Die Marktpreise waren durch die Erdäpfelknappheit überdurchschnittlich. Ein Wermutstropfen: Die Preise waren in Österreich tiefer als in anderen europäischen Ländern. Die Bauern aus Deutschland bekamen um 40 Prozent höhere Preise. „Die Erzeugerpreise sind in Deutschland wesentlich volatiler. Wir beobachten schon seit Jahren, dass der Markt in Deutschland bei knappem Angebot wesentlich höhere Preise zulässt. Jedoch bei Erdäpfelüberangebot liegen diese in Deutschland meist tiefer als bei uns“, so Mayr.


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