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LINZ/OÖ. Rund zwei Drittel der ukrainischen Kriegsflüchtlinge wollen vorerst in ihren derzeitigen Aufnahmeländern bleiben, bis der Krieg aufhört. Aktuell finden insgesamt 7.695 Ukrainer in OÖ Zuflucht. Für Oberösterreich heißt diese Entwicklung auch, die erwerbsfähige Gruppe möglichst gut in den Arbeitsmarkt zu integrieren. „Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sind sie wertvolle Mitarbeiter“, weiß auch Integrations-Landesrat Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP).

Wolfgang Hattmannsdorfer: "Die Entwicklungen in der Ukraine sind unklar. Wir bleiben daher für einen neuerlichen Ernstfall vorbereitet, um jederzeit Geflüchtete aus der Ukraine wieder aufnehmen zu können." (Foto: Land OÖ / Margot Haag)

Vor knapp fünf Monaten begann der Krieg in der Ukraine. Seither suchen Menschen aus der Ukraine, vorwiegend Frauen und Kinder, Schutz in Oberösterreich. „Es ist unsere humanitäre Verantwortung, jenen Menschen zu helfen, die in unserer unmittelbaren Nachbarschaft vertrieben wurden und flüchten müssen. Die Entwicklungen in der Ukraine sind unklar. Wir bleiben daher für einen neuerlichen Ernstfall vorbereitet, um jederzeit Geflüchtete aus der Ukraine wieder aufnehmen zu können. Zwei Drittel geben an, weiterhin in den Aufnahmeländern bleiben zu wollen, bis die Situation in der Ukraine friedlich ist. Ihnen gilt unser Interesse, um sie langfristig für unseren Arbeitsmarkt zu gewinnen. Denn viele Betriebe konnten bereits ihren Personalbedarf durch die arbeitswilligen Ukrainerinnen und Ukrainer decken. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sind sie wertvolle Mitarbeiter“, weiß Integrations-Landesrat Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP).

Altersverteilung

0 - 6 Jahre 868 Personen

7 - 13 Jahre 1.308 Personen

14 – 20 Jahre 1.023 Personen

21 – 62 Jahre 3.879 Personen

62+ Jahre 617 Personen

Geschlechterverteilung

 70 Prozent sind Frauen

30 Prozent sind Männer

Bereitschaft zur Beteiligung am Arbeitsmarkt für Sozialleistungen nötig

Mit dem Erhalt der ‘Blauen Karte‘ (Ausweis für Vertriebene) haben Ukrainer vorerst ein bis 3. März 2023 befristetes Aufenthaltsrecht in Österreich. Seit ihrer Ankunft in Oberösterreich erhalten Sie Leistungen aus der Grundversorgung. Aktuell sind 6.933 Personen in Oberösterreich in der Grundversorgung, auch diese Zahl geht zuletzt leicht zurück. Das aber auch, weil zunehmend Ukrainer in den Arbeitsmarkt einsteigen.

Wer Sozialleistungen wie diese bezieht, hat in Oberösterreich eine Bemühungspflicht nachzuweisen, dass er/sie auf der Suche nach einem Arbeitsplatz ist. Das Land Oberösterreich hat nun in einem Schreiben an alle Bezieher von Grundversorgung bekräftigt, dass diese Bemühungspflicht nachzuweisen ist. Hattmannsdorfer: „Wir haben selbstverständlich rasch geholfen als es darum ging, die Menschen in Sicherheit zu bringen. Klar ist aber auch: Wer in Oberösterreich Sozialleistungen bezieht, muss sich aktiv um einen Job bemühen. Unser Ziel ist immer, das man sich eigenständig das Leben finanzieren kann. Das fordern wir auch aktiv ein.“

Bereits 1.798 Beschäftigungsbewilligungen ausgestellt

Die umfassenden Maßnahmen des Landes gemeinsam mit seinen Partnern zur Arbeitsmarktintegration, aber auch die Bemühungspflicht zeigen offenbar Wirkung. Das AMS hat bereits 1.798 Beschäftigungsbewilligungen in Oberösterreich für Menschen aus der Ukraine ausgestellt, damit arbeiten mittlerweile über 41% der erwerbsfähigen Gruppe.

Innerhalb der vergangenen drei Wochen wurden alleine rund 260 neue Beschäftigungsbewilligungen erteilt, der Anteil an der erwerbsfähigen Altersgruppe von 18-64 Jahren stieg von 35% auf über 41%. In keinem anderen Bundesland wurden so viele Bewilligungen ausgestellt. Österreichweit wurden bisher 8.283 Bewilligungen erteilt, demnach entfallen 22% aller Bewilligungen auf Oberösterreich. Das Durchschnittsalter der Beschäftigten beträgt 38 Jahre. 

Um noch mehr Personen in Beschäftigung zu bringen, fordert Hattmannsdorfer, dass die Zuverdienstgrenze in der Grundversorgung angehoben wird. Diese beträgt aktuell 110 Euro plus 80 Euro je weiteres Familienmitglied. Im Kreise der Landesflüchtlingsreferenten wurde dieses Thema bereits diskutiert, eine Einigung konnte jedoch nicht erzielt werden, diese sei aber notwendig. Das Ziel muss sein, dass es attraktiver ist zu arbeiten und einen Beitrag auf dem ohnehin angespannten Arbeitsmarkt zu leisten, als Grundversorgung zu beziehen.

Privater Wohnraum wird weiterhin dringend benötigt

Dank der Bereitschaft der Bevölkerung konnten innerhalb kürzester Zeit ein Großteil der geflüchteten Ukrainer/innen in Privatquartieren durch die Nachbarschaftshilfe untergebracht werden. Über die Wohnplattform wurden bisher über 2.100 private Quartiere gemeldete und 2.781 Personen (Köpfe) vermittelt. 823 Personen wurden in organisierte „Groß-Quartiere“ (>15 Personen) vermittelt. 

Nach einigen Monaten kommt es aktuell natürlich zu Wechsel(wünschen), weil Quartiergeber zum Teil nicht mehr bereit sind, weiterhin Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Caritas und Volkshilfe als verantwortliche Organisationen stehen hier aktuell zur Seite und vermitteln weitere private Quartiere oder nach Bedarf auch die Unterbringung in organisierten Grundversorgungsquartieren.

Schwerpunkt-Suche nach Quartieren im Zentralraum

Gerade im Zentralraum (Linz, Wels, Steyr) ist das Land Oberösterreich weiterhin auf der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten. Diese können nach wie vor über die Website www.ooe.gv.at/ukraine digital gemeldet werden.

Postverteilerzentrum in Linz wird weiterhin offen gehalten

Aufgrund der unklaren Entwicklung der Flüchtlingsbewegungen aus der Ukraine – die Prognosen liegen zwischen Beibehaltung der aktuellen Zahlen und insgesamt 150.000 bis 200.000 ukrainischen Flüchtlingen in Österreich – hält sich Oberösterreich weiterhin zur Aufnahme weiterer Flüchtlinge bereit.

Das Postverteilerzentrum neben dem Linzer Hauptbahnhof wird daher bewusst trotz der niedrigen Ankunftszahlen von Ukrainer/innen, als Ankunftszentrum und als Ankunfts-Hub für den Herbst weiterhin in Betrieb gehalten. 39 Ukrainer  befinden sich aktuell im Ankunftszentrum im Postverteilerzentrum. „Wir werden hier entsprechende Notplätze in Linz auch weiterhin vorhalten, um für einen weiteren Ernstfall gerüstet zu sein und schnell reagieren zu können. Die weiteren Entwicklungen sind nicht klar absehbar, unsere humanitäre Verantwortung zum Schutz und Hilfe geflüchteter Ukrainer/innen werden wir selbstverständlich auch weiterhin wahrnehmen.“


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