Hebel Kinderbetreuung: Potenzial von Frauen in Teilzeit soll stärker genutzt werden
OÖ. Der Fachkräftebedarf wird weiter steigen. Als eine Maßnahme hat Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner das Modell eines abgabenfreien Zuverdienstes in der Alterspension eingebracht. Einen weiteren Hebel sieht er im Potenzial von in Teilzeit arbeitenden Frauen. Dazu gab der Landesrat eine Studie in Auftrag, deren Ergebnisse nun präsentiert wurden.

Landesrat Markus Achleitner gab die Studie zum Beschäftigungspotenzial von teilzeitbeschäftigten Frauen in Oberösterreich beim Industriewissenschaftlichen Institut IWI in Wien in Auftrag. Gemeinsam mit dem IWI-Geschäftsführer Herwig W. Schneider präsentierte er die Ergebnisse.
Oberösterreich: Spitzenreiter bei Frauen in Teilzeit
Die Studie befragte 330 Frauen und setzte sich mit zwei zentralen Fragen auseinander: Welche Bedingungen zu Teilzeit bei Frauen führen und welches Potenzial für OÖ tatsächlich besteht, auf das der Arbeitsmarkt unmittelbar zugreifen könnte. In OÖ gibt es einen anhaltenden Trend: 57 Prozent aller erwerbstätigen Frauen sind Teilzeit-Beschäftigt, der Spitzenwert für Österreich.
Kinderbetreuung ist häufigstes Kernargument für Teilzeitarbeit
Durchschnittlich arbeiten Frauen in Teilzeit in OÖ 22,5 Stunden. Als wichtigsten Grund für Teilzeitarbeit nannten die Befragten die Kinderbetreuung, für 45 Prozent ist es das Kernargument. Die Teilnehmerinnen wurden nach dem wichtigsten Grund für Teilzeitarbeit befragt, es waren aber auch Mehrfachnennungen für mögliche Motive möglich. Mit 24 Prozent wurde die Work-Life-Balance bzw. mit 31 Prozent der Wunsch nach weniger Stress und beruflicher Belastung häufig als Co-Motiv angegeben. Weiters wurden gesundheitliche Gründe, der Wunsch nach flexibleren Arbeitszeiten, Zeit für Projekte, Aus- oder Weiterbildung, Altersgründe und Pflege von Angehörigen als Ursachen für Teilzeit angeführt.
Den Betroffenen sind die Nachteile bewusst
Dabei sind die Nachteile den Betroffenen bewusst: 68 Prozent gaben als Nachteil das niedrige Einkommen, 64 Prozent die niedrigeren Pensionsansprüche an. Für rund die Hälfte der Frauen fällt das zentrale Motiv für Teilzeit in den kommenden fünf Jahren weg. Nur 13 Prozent der Teilzeit-Beschäftigten wünschen sich sofort eine Ausweitung der Arbeitszeit bis hin zur Vollzeitbeschäftigung. 39 Prozent streben eine Ausweitung der Arbeitszeit in den kommenden fünf Jahren an. In Oberösterreich könnten in den kommenden Jahren bis zu 16.000 Vollzeit-Äquivalente von Frauen besetzt werden.
Hohes Arbeitsmarktpotenzial
Landesrat Markus Achleitner meint, die Studie zeige ein hohes Arbeitsmarktpotenzial von Frauen in Teilzeitbeschäftigung im Land. Die Hebelwirkung sei bei der Kinderbetreuung am größten: Für 2023 sind bereits 100 neue Gruppen für Kinderbetreuung geplant. „Darüber hinaus ergibt sich bei der Kinderbetreuung auch ein Handlungsfeld für Unternehmen, die mit entsprechenden Angeboten ihre Attraktivität als Arbeitgeber deutlich erhöhen können“, so Achleitner. Weitere wesentliche Handlungsfelder sieht er in der Bewusstseinsbildung zu den Auswirkungen von Teilzeit und in betriebsinternen Angeboten. Ebenfalls erforderlich sei es, Betroffene weiter zu qualifizieren, dies soll in Form von Förderprogrammen und einer Intensivierung der Berufsorientierung von Frauen hin zu technischen und MINT-Berufen erfolgen.
Änderung traditioneller Rollenbilder
Die Studie bleibt einige Antworten schuldig, so gab es etwa keine Aufschlüsselung nach Alleinerzieherinnen und Frauen mit Partnern, die ein Vollzeit-Einkommen haben. Was sich konkret ändern müsste, damit mehr als 13 Prozent der Frauen in Teilzeit mehr Stunden arbeiten wollen, wurde ebenfalls nicht untersucht. Das wäre insofern spannend gewesen, als die Kinderbetreuung zwar häufigstes Motiv für die Teilzeit ist, aber nur die Eltern von 14 Prozent der Kinder, die in ihrem Kindergarten bis 15 oder 16 Uhr betreut werden könnten, das Angebot in Anspruch nehmen. Zudem haben 31 Prozent der Frauen zwischen 25 und 49 in Teilzeit keine Kinderbetreuungspflichten.
SPÖ fordert mehr finanzielle Mittel für Ausbau der Kinderbetreuung
Der SP-Arbeitsmarktsprecher Hans-Karl Schaller fordert nach der Präsentation der Studie mehr finanzielle Mittel aus dem Ressort von Wirtschaftslandesrat Achleitner für den Ausbau der ganztägigen, ganzjährigen und kostenloser Kinderbildungseinrichtungen und meint „„Endlich erkennt auch Landesrat Achleitner die politischen Versäumnisse der letzten Jahrzehnte“. Zwar seien auch die Betriebe gefragt, Eltern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen. Kinder die beste Bildung zu ermöglichen sei aber „eindeutig die Aufgabe der Oö. Landesregierung“, so Schaller.
Grüne: Status quo muss sich ändern
Für die Grüne Frauen- und Wirtschaftssprecherin, Dagmar Engl, greift der Ausbau der Kinderbetreuung zu kurz: „Um Frauen in Vollzeitjobs zu bekommen, reicht es nicht, nur die Frauen und deren Beweggründe zu durchleuchten. Dieser Ansatz ist zu kurz gegriffen. Hören wir auf, den Frauen die ganze Heimarbeit umzuhängen, jene Männer zu belächeln, die Hausarbeit verrichten und in Karenz gehen. Nur dann kann das mit den Vollzeitjobs für Frauen auch in der Praxis klappen. Solange sich nicht die Rollenbilder ändern, vor allem die Frau die Familien -aber auch Pflegearbeit leistet und sich um die Kinder kümmert. So lange bleiben viele Frauen in Nebenjobs kleben.“
NEOS: Pakt für Kinderbildung darf nur Zwischenschritt sein
NEOS OÖ-Klubobmann Felix Eypeltauer sieht die Öffnungszeiten bei der Kinderbetreuung als Knackpunkt: „Es fehlt im Pakt (für Kinderbildung) vor allem die Veränderung bei den Kernöffnungszeiten. (...) Ich erwarte aber auch, dass nach dieser Studie nun auch endlich die Gefahr der Altersarmut bei Frauen stärker in den Fokus der Regierung kommt. Ich bin froh, dass die ÖVP jetzt zumindest zum ersten Mal offen zugibt, dass die hohe Teilzeitquote Oberösterreich in eine schwierige Situation gebracht hat und dadurch sogar die Wirtschaft vor ein riesiges Problem gestellt wird.“


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