Nach Renaturierung: Fischbestand an der Naarn hat sich verzehnfacht
PERG/NAARN/MITTERKIRCHEN. Sechs Jahre nach Abschluss der Renaturierungsmaßnahmen an der Naarn zogen Landesrat Stefan Kaineder sowie Gewässerschutz- und Fischereiexperten gestern eine erfreuliche Bilanz: Der Fluss ist wieder in sehr gutem Zustand. Der Fischbestand hat sich sogar verzehnfacht.

Einer, der die Naarn noch vor ihrer Regulierung Ende der 1960-er Jahre kannte, ist Mitterkirchens Bürgermeister Herbert Froschauer. „Früher - da wimmelte es in der Naarn nur so von Fischen. Dann kam die Regulierung und auf einmal waren fast alle weg“, erinnert er sich. Konkret fanden die Baumaßnahmen, die die Naarn in ein enges Korsett zwangen, zwischen 1968 und 1972 statt. Damals hatte man von einem großen Fortschritt sowie von dringend nötiger Trockenlegung gesprochen. Als Sieg über die verwilderte Natur, der landwirtschaftlich benötigter Grund abgerungen werden konnte, wurde die Regulierung gefeiert. Heute – Jahrzehnte später – weiß man es besser: Der Schaden, der an der Natur angerichtet wurde, war enorm. Hoch war langfristig gesehen auch der Preis, der für den „Fortschritt“ zu zahlen war. Denn indem man den Flüssen ihre Wildheit nahm, entzog man ihnen auch sukzessive das Leben, das in ihnen wohnte.
Ein Thema, das ganz Europa betrifft, weshalb die EU bereits vor vielen Jahren den Mitgliedsstaaten dringend nötige Gegenmaßnahmen vorschrieb. Diese sogenannte EU-Wasserrahmenrichtlinie sowie der 1. Nationale Gewässerbewirtschaftungsplan waren die Grundlage für die Renaturierung vieler Fließgewässer – so wie auch der Naarn.
Unter dem damaligen Umweltlandesrat Rudi Anschober war dem Fluss zwischen Mitterkirchen und Perg wieder mehr Raum gegeben worden. 2017 wurde der letzte von mehreren Bauabschnitten abgeschlossen.
Naarn wurde zu Eldorado
Das Ergebnis begeistert heute die Fachleute. Fischereiexperte Christian Mitterlehner sagte beim gestrigen Lokalaugenschein: „Die Naarn hat sich zu einem Eldorado für im Wasser lebende Tiere verschiedenster Arten entwickelt. Die Fischbiomasse hat sich sogar verzehnfacht.“
Gelungenes Vorzeigeprojekt
Als gelungenes landesweites Vorzeigeprojekt bezeichnete Wilhelm Somogyi vom Gewässerbezirk Linz die Renaturierung der Naarn. Begeistert über die Verbesserung der Wasserqualität sowie über die Rückkehr vieler Arten zeigte sich der zuständige Landesrat Stefan Kaineder (Grüne): „Das Zwängen unserer Flüsse in enge Korsette war ein großer Fehler in der Vergangenheit, der nun Stück für Stück beseitigt wird. Am Beispiel der Renaturierung an der Naarn sehen wir, wie wertvoll gesunde und lebendige Fließgewässer für eine ganze Region sind. Zudem ist es gelungen, die Naarn auch den Menschen wieder näher zu bringen, indem offene Zugänge für Bade- und Freizeitnutzungen geschaffen wurden.“
Zeit zum Zurücklehnen habe man in Sachen Renaturierungsmaßnahmen aber nicht, betonten die Experten gestern. Allein in Oberösterreich wurden an den Unter- und Mittelläufen wichtiger Flüsse 200 mögliche Sanierungsbereiche für eine Verbesserung der Gewässerlebensräume identifiziert.
Extrem hohe Förderquote
Österreichweit werden für Renaturierungsmaßnahmen 200 Millionen Euro vom Bund bis 2027 zur Verfügung gestellt. Rückbau-Projekte können jederzeit von den Gemeinden und Verbänden eingereicht werden. Dank großzügiger Förderungen (von 98 Prozent!) entstehen den Kommunen sehr geringe Kosten.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden