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OÖ/LINZ. Von einer wirtschaftlich sehr schwierigen zweiten Jahreshälfte 2023 geht der Wirtschaftsbund OÖ aus und zeigte in Linz am Freitag vor Presse die laut den Wirtschaftsvertretern derzeitigen Schwächen des österreichischen Systems auf. Nichts halten Wirtschaftsbund-Obfrau, Wirtschaftskammer OÖ-Präsidentin Doris Hummer und Wirtschaftsbund OÖ-Geschäftsführer Wolfgang Greil von Aussagen und Meinungen, wonach die heutige Jugend faul und nicht mehr leistungsbereit sei.

Wirtschafts-Experte Michael Bartz (FH Krems), Wirtschftsbund-Landesobfrau, WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer und Wirtschaftsbund OÖ-Landesgeschäftsführer Wolfgang Greil (v. l.) (Foto: Wirtschaftsbund OÖ)

„Es wird nicht einfach, der Wirtschaftsstandort OÖ ist enorm unter Druck“, so Wirtschaftsbund OÖ-Obfrau Doris Hummer. Erstmals sei in Teilbereichen – bei Jugendlichen unter 25 Jahren – wieder ein Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Laut der vor wenigen Tagen veröffentlichten „Weltrangliste der globalen wirtschaftlichen Wettbewerbsfaktoren“ hat Österreich vier Plätze verloren und liegt nun auf Platz 24 von 64 Ländern. Österreich habe zudem die vierthöchste Steuer- und Abgabenbelastung unter den 38 OECD-Mitgliedsstaaten, daher auch die schlechte Bewertung des heimischen Steuersystems laut IMD: Platz 62 von 64.

„Es zählt der internationale Wettbewerb“

„Oberösterreich steht im Bundesländervergleich noch gut da, aber es geht um den internationalen Wettbewerb“, so Hummer. „Wir sehen schon jetzt, dass heimischen Großbetriebe nicht mehr in Erweiterungen in OÖ investieren, sondern dies in anderen Ländern machen, weil die Faktoren in Österreich nicht mehr passen.“ Angesichts der Rankings müssten die Alarmglocken schrillen. „Die Politik ist in der Pflicht“, verweist sie auf die Steuerpolitik. Vorschläge wie neue Steuern oder Arbeitszeitverkürzung würden sie zudem sehr staunen lassen, denn das seien „richtige Brandbeschleuniger“, ist Hummer überzeugt. „Das ist, wie wenn ich einen Wasserrohrbruch habe und alle Wasserleitungen noch dazu aufdrehe“, vergleicht sie.

Laut Eurostat liegt Österreich mit einer durschschnittlichen Wochenarbeitszeit von 35,9 Stunden im EU-Vergleich im unteren Drittel, zudem sei Österreich auch beim Rentenalter hier angesiedelt und mit 38 freien Tagen (Urlaub und Feiertage) sei Österreich an der Spitze.

Prognose: Schwaches Wachstum bzw. Stagnation

Ein Frühwarnsystem für die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung ist die Entwicklung am Bau bzw. bei Arbeitskräfteüberlassung. Beim Bau seien jetzt die Aufträge vom Vorjahr abgearbeitet worden, „ab Mitte Sommer wird aber nicht mehr gebaut“, so Hummer. „Es ist ganz gefährlich, wenn der Bau länger schwächelt, jeder in die Bauwirtschaft investierte Euro generiert eine gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung von 2,14 Euro“, rechnet sie vor und verweist auf die Auswirkungen etwa für Installationsbetriebe, Tischlereien oder Küchenhersteller. „Hier wird es im Herbst richtig eng werden“, warnt Hummer. In anderen Branchen verschärfe der Arbeitskräftemangel die Situation.

Auch das WIFO rechnet 2023 mit einer anhaltenden Stagnationsphase. „Oberösterreich ist hier besonders betroffen, unser Herz ist der produzierende Bereich, der ist bereits ins Negative gerutscht.“

„Fordern klares Bekenntnis zur Leistung“

Erneut wiederholt der Wirtschaftsbund die Forderung nach mehr „Netto vom Brutto“ durch die Absenkung der Steuerquote auf unter 40 Prozent und eine Reduktion der Lohnnebenkosten. „Laut aktueller Wirtschaftsbund-Studie sehen 95 Prozent der Unternehmer in OÖ die Senkung der Lohnnebenkosten als wichtig bzw. sehr wichtig an“, so Wirtschaftsbund-Landesgeschäftsführer Wolfgang Greil.

Auch flexibleres Arbeiten (etwa durch eine freiere Verteilung der im Gesetz festgelegten Höchstarbeitszeiten), und bessere Rahmenbedingungen wie zielgerichtete Kinderbetreuungsangebote oder „One year more“ beim Pensionsantritt würden sehr helfen, ist Hummer überzeugt. „Wer als Pensionist weiterarbeiten will, soll dies endlich steuerbegünstigt und ohne Pensionsbeitrag tun können.“

Bei der Rot-Weiß-Rot-Karte wird gehofft, dass es bald volljährigen Lehrlinge aus Drittstaaten ermöglicht wird, in OÖ eine Ausbildung in Mangelberufen zu machen. Für Staatsangehörige der Westbalkanstaaten möchte man einen privilegierteren Zugang zum Arbeitsmarkt – wie auch in Deutschland der Fall.

Für Hummer ist klar: „Wir müssen unsere Aufgaben als Standort machen, weil wir nicht wie Deutschland in der Rezession ankommen wollen. Die Lösungskonzepte sind da, der politische Wille teilweise aber zu wenig.“

„Jugend sehr wohl leistungsbereit“

Ein Dorn im Auge sind Hummer und Greil auch Aussagen, wonach die Jugend faul und nicht mehr leistungsbereit sei. Was sich geändert habe, sei, dass sich die Jugend die Sinnfrage stelle, die sinnvolle Tätigkeit im Vordergrund stehe.

Untermauert wird das auch durch Michael Bartz vom Institut Internationaler Handel und Nachhaltige Wirtschaft, IMC FH Krems. Demnach erwarten sich Arbeitnehmer von der Arbeitswelt neben Gehaltssteigerungen auch Benefits, zeitliche Flexibilität und eben auch Purpose, also einen höheren Sinn und Zweck des Unternehmens, wie ein Beitrag zur Energiewende oder Gemeinwohl. Besonders stark sei das bei den Jungen, so Bartz.

In Kooperation mit dem Wirtschaftsbund OÖ wurde auch eine Studie durchgeführt, die wissen wollte, wie sich Arbeitgeber umstellen zum Thema „Steigerung der Leistungsbereitschaft und Arbeitgeberattraktivität für junge Berufseinsteiger.“ Die Top-Themen sind hier Sinn/Purpose und Image/Sichtbarkeit. „Es war sehr überraschend, dass das Thema ‚höherer Sinn‘ schon angekommen ist bei den Firmen“, so Bartz.

„be yourself“: Neue Jugend-Kampagne

Das Thema sinnstiftende Tätigkeit greift der Wirtschaftsbund nun auch in einer neuen Kampagne auf, in der Jene zu Wort kommen, die tatsächlich gemeint sind: Lehrlinge und junge Arbeitnehmer: „Wir sehen, dass junge Leute engagiert sind in den Betrieben, es ist wichtig, sie reden zu lassen“, so Hummer und Greil. Die neue Online-Pattforum www.deinjobdeinleben.at versammelt nicht nur Videos junger Beschäftigter oberösterreichischer Firmen, sondern gibt auch Tipps und sammelt Links zum Beispiel zu Entscheidungshilfen für die Berufswahl.

 


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