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Pflege in Oberösterreich: Neue Service-GmbH soll Personalsuche und Innovationsmanagement bündeln

Tips LogoKarin Seyringer, 17.06.2024 19:19

OÖ/LINZ. Angesichts des demografischen Wandels steigen die Herausforderungen im Bereich Pflege und Betreuung. Eine neue Service-GmbH – ein Projekt von Gemeindebund OÖ, Land OÖ und den Oö. Sozialhilfeverbänden - soll künftig zentrale Aufgaben wie Personalgewinnung sowie Innovationsmanagement gebündelt übernehmen, damit vor Ort mehr Zeit für die Kernaufgaben der Pflege bleibt.

Projektleiter Friedrich Pammer, Landesrat Wolfgang Hattmannsdorfer, Landeshauptmann Thomas Stelzer und Oö. Gemeindebund-Präsident Christian Mader (v. l.) präsentierten das neue Projekt Service-GmbH. (Foto: Land OÖ/Max Mayrhofer)

Da sich die Geschäftsstellen der Sozialhilfeverbände in den Regionen mit immer mehr Managementaufgaben konfrontiert sehen, planen die Verbände und das Land OÖ die Gründung einer Service-GmbH. Vor einem Jahr wurde dazu ein Projekt unter der Leitung des ehemaligen Landesrechnungshof-Direktors Friedrich Pammer gestartet.

Nach den Maßnahmen in der Fachkräftestrategie Pflege, die mittlerweile erste positive Auswirkungen zeigen, werde mit der geplanten neuen Service-GmbH ein weiterer wichtiger Schritt gesetzt, so Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) am Montag in Linz. „Ziel ist eine gemeinsame übergeordnete Drehscheibe, die den Bereichen Personalgewinnung, Innovation und Verwaltung ihre Aufgaben findet und diese Aufgaben übernimmt. Das soll Ressourcen bündeln und vereinfachen, damit sich die Mitarbeiter in den Häusern besser auf die Kernaufgaben in der Pflege konzentrieren können“, sieht Stelzer „mehr als ein Signal; das ist in wichtiger inhaltlicher und faktischer Schritt, der die Arbeit für viele erleichtern soll.“

„Klüger, nicht 15-mal parallel zu arbeiten, sondern einmal gemeinsam“

„Unser Versprechen ist, dass die ältere Generation möglichst gut alt werden kann. Der demografische Wandel fordert aber“, so Sozial-Landesrat Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP). „Die Anforderungen an ein aktives Management in den Pflegeeinrichtungen steigen, nicht nur in den Heimen, auch im mobilen Bereich. Wir haben uns angesehen: Welche Aufgaben bestehen, welche werden hinzukommen, auf welcher Ebene kann man die Herausforderungen am besten bewerkstelligen.“

Gerade die Frage der Personalrekrutierung und -entwicklung sei klüger bei einer Einheit angesiedelt, nennt Hattmannsdorfer auch das Thema Drittstaaten-Rekrutierung. Es sei auch nicht klug, beim Thema Digitalisierung und Innovation „15-mal parallel zu arbeiten, sondern einmal gemeinsam zu entwickeln.“ Gleichzeitig müssten vor Ort die Kernaufgaben, der operative Betrieb, sichergestellt werden.

„Die Organisation der Pflege ist für die Gemeinden und Städte nicht nur eine finanzielle Herausforderung, sondern große organisatorische Aufgabe. Ich danke für die gemeinsam Abstimmung und die gute Zusammenarbeit über mehrere Ebenen“, so auch Oö. Gemeindebund-Präsident, Bürgermeister Christian Mader (ÖVP). Er sieht ein „gute Projekt, das in Zukunft sehr weiter bringt“ und betont, dass der operative Bereich bzw. die Gemeindeautonomie vor Ort unangetastet bleibe.

Aus der Praxis

In der Projektgruppe eingebunden seien jene gewesen, die tagtäglich zuständig sind, erläutert Projektleiter Friedrich Pammer. Klar herauskristallisiert habe sich, dass die Themen Personalentwicklung sowie Innovation und Weiterentwicklung der Branche prioritär bei der neuen Service-GmbH angesiedelt werden sollen. Für ihn ist auch klar: „Die lineare Fortschreibung des jetzigen Systems ist nicht nur schwer finanzierbar, auch organisatorisch und personell kaum machbar.“ Es gelte daher auch, neue Modelle in der Betreuung zu suchen, auszuprobieren, zu begleiten und zu evaluieren – „hier ist die neue zentrale Einheit die ideale Stelle.“

Auch rechtliche Themen oder Unterstützung bei Bauangelegenheiten sollen in der neuen Einheit angesiedelt werden.

Der weitere Zeitplan

Für die Gründung der neuen Service-GmbH braucht es eine Novelle des Oö. Sozialhilfegesetzes, der Entwurf geht nun in Begutachtung. Im Landtags-Unterausschuss Pflege am Mittwoch wird der Projektstand präsentiert, nach parlamentarischen Beratungen folgt die Beschlussfassung im Landtag, so Hattmannsdorfer. Mit dem Start der GmbH rechnete Pammer am Montag mit Anfang 2025.

Hintergrund

In Oberösterreich leben derzeit rund 75.000 pflegebedürftige Menschen, davon rund 63.000 Pflegebedürftige, die älter als 60 Jahre sind. Auf über 107.000 Personen werde die Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2040 steigen, so die prognostizierten Zahlen.

Zentrale Anbieter und Auftraggeber der stationären und mobilen Langzeitpflege in den Regionen sind in Oberösterreich die 15 Sozialhilfeverbände. In Summe bestehen in Oberösterreich 134 Alten- und Pflegeheime mit über 11.000 Beschäftigten. Die Sozialhilfeverbände verantworten 108 Einrichtungen, wovon sie 72 selbst betreiben. Sie verwalten ein Budget von rund 1,1 Milliarden Euro pro Jahr.

FPÖ-Klubobmann Herwig Mahr begrüßte die Pläne in einer Aussendung. „Jene Tätigkeiten, die skalierbar sind, sollen künftig zentral über eine neu zu gründende Service-GmbH abgehandelt werden. Die Modernisierung und die Verschlankung der Verwaltung sind aufgrund des ständig steigenden Pflegebedarfs jedenfalls der richtige Schritt. Denn eine schlanke Verwaltung schafft mehr Effizienz.“


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