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Oberösterreich bleibt trotz rückläufiger Zahlen Lehrlingshochburg

Tips Logo Karin Seyringer, 19.01.2026 20:02

OÖ/LINZ. Die Lehre bleibt auch 2025 die wichtigste Ausbildungsform für Jugendliche in Oberösterreich. Trotz wirtschaftlich herausfordernder Rahmenbedingungen starteten im vergangenen Jahr 6.015 junge Menschen ins erste Lehrjahr. Das entspricht zwar einem Rückgang von 5,5 Prozent gegenüber 2024, dennoch behauptet sich die duale Ausbildung, zeigt die von der Wirtschaftskammer (WK) OÖ am Montag präsentierte Oö. Lehrlingsbilanz 2025.

WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer (l.) und Eva-Maria Schupfer, Leiterin der Abteilung Bildungspolitik der WKOÖ, präsentierten die Lehrlingsbilanz 2025. (Foto: Röbl)

Die duale Ausbildung ist nach wie vor am beliebtesten – auch wenn es in der rezessiven Phase einen Rückgang gegeben hat. Kamen zu Spitzenzeiten fünf offene Stellen auf einen Lehrling, liegt das aktuelle Verhältnis bei zwei Stellen zu einem Lehrling, so WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer. Das werde sich aber aufgrund der demografischen Entwicklung wieder ändern. Schon 2025 konnten zahlreiche offene Lehrstellen besetzt werden, besonders betroffen waren die Bereiche Handel sowie Metall und Elektro.

Hummer setzt in diesem Zusammenhang Hoffnung auf die vorgelegte Industriestrategie des Bundes, die einen Schwerpunkt auf die Lehre setzt, unter anderem mit neuen Lehrberufen in Schlüsseltechnologien, der Sicherstellung der Grundkompetenzen, kostenlosen Vorbereitungskursen für Meister-und Befähigungsprüfungen und der für Hummer besonders wichtigen Ausweitung der Rot-Weiß-Rot-Karte auf volljährige Lehrlinge aus Drittstaaten.  Oberösterreich würde sich dafür als Pilotregion bestens eignen, sagt sie. Besonders Mangel-Branchen wie die Fleischverarbeitung könnten davon profitieren.

39 Prozent begannen Lehre

Insgesamt entschieden sich 2025 in OÖ 39 Prozent der 15-Jährigen für eine Lehre – damit bleibt sie unangefochten die Nummer eins unter den Bildungswegen.

Unter den Sparten verzeichnete Transport und Verkehr das größte Plus mit 15,6 Prozent, die Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft freut sich über ein Plus von 9,2 Prozent. Höhere Rückgänge gab es vor allem in der Sparte Industrie (minus 12,3 Prozent) sowie in der Sparte Bank und Versicherung (minus 11,4 Prozent) und bei den sonstigen Lehrberechtigten (minus 10,1 Prozent).

Auch wenn es sowohl bei den Lehrlingen als auch bei den Lehrbetrieben Rückgänge gab: Mit insgesamt 21.390 Lehrlingen und 5.038 Ausbildungsbetrieben ist Oberösterreich weiterhin auch das führende Bundesland in der Lehrlingsausbildung.

Aktuell 216 Lehrberufe in OÖ

Aktuell gibt es in Oberösterreich 216 Lehrberufe, darunter elf Modullehrberufe mit zusätzlich 41 Haupt- und 35 Spezialmodulen und 31 „Schwerpunktberufe“ mit zusätzlich 101 Schwerpunkten, wie etwa im Einzelhandel, erläutert Eva-Maria Schupfer, Leiterin der WKOÖ-Abteilung Bildungspolitik. „Die Lehre ist vielfältig wie keine andere Ausbildung, mit Aktualitätsgarantie.“ So werden im Lehrberufspaket 2025 sieben Lehrberufe neu geregelt, sechs Ausbildungsordnungen novelliert, darunter Brief- und Paketlogistik, Glas- und Verfahrenstechnik oder Medienfachkraft. Auch 2026 seien Neuerungen geplant – etwa wird Kraftfahrzeugtechnik und Karosserietechnik zur Fahrzeugtechnik zusammengelegt.

Hitliste der Top-Ten-Lehrberufe, mehr Mädchen in technischen Lehrberufen

Rund ein Drittel der Lehrlinge entscheidet sich für einen der Top-Drei-Lehrberufe: Metalltechnik, Elektrotechnik und Einzelhandel.

Bei den weiblichen Lehrlingen wählen ein Drittel zwischen den Lehrberufen Einzelhandel, Bürokauffrau und Friseurin (Stylistin). Erfreulich für Schupfer und Hummer: 17 Prozent aller weiblichen Lehrling entschieden sich für einen technischen Lehrberuf, ein Plus von 2,5 Prozent gegenüber 2024. Metalltechnik liegt mittlerweile auf Platz vier.

Bei den männlichen Lehrlingen entfallen 38 Prozent auf die drei stärksten Lehrberufe: Metalltechnik, Elektrotechnik, Kraftfahrzeugtechnik.

Nach Bezirken ist Linz Spitzenreiter, mit 19,2 Prozent aller oö. Lehrlinge, gefolgt vom Bezirk Vöcklabruck (9,3 Prozent) und Linz-Land (8,5 Prozent).

Duale Akademie als Erfolgsmodell aus OÖ

Ein zunehmender Erfolgsfaktor ist die Duale Akademie, die sich speziell an (AHS)-Maturanten richtet. Sie bietet einen praxisnahen und kompakten Einstieg ins Berufsleben. „Wir stehen vor der Herausforderung, neue Zielgruppen für die duale Ausbildung zu gewinnen. Die Duale Akademie ist hier ein echtes Erfolgsmodell, weil sie die Bedürfnisse von Maturanten und Betrieben gleichermaßen trifft“, will man das Modell weiter ausbauen, so Hummer. In Oberösterreich stehen aktuell 13 Berufe zur Auswahl, 479 Betriebe beteiligen sich an diesem Modell, 461 Trainees haben die Ausbildung begonnen, mittlerweile 216 abgeschlossen.

Lehre mit Matura beliebt

Auch die Kombination „Lehre mit Matura“ gewinnt weiter an Bedeutung. Mit Stand Ende 2025 nehmen 2.624 Lehrlinge an diesem Modell teil, das entspricht jedem achten Lehrling in Oberösterreich. „Lehre und Matura schließen sich nicht mehr aus, sondern sind heute ein Grund mehr, sich für die duale Ausbildung zu entscheiden“, sagt Hummer.

Investitionen in Fachkräfte von morgen

Die Wirtschaftskammer OÖ refundierte in Summe 7,71 Millionen Euro an die Ausbildungsbetriebe über das Förderservice „Lehre.fördern“, für überbetriebliche Aus- und Weiterbildungsangebote für Lehrlinge (im Schnitt knapp 360 Euro pro Lehrling), „doppelt so viel wie beispielsweise Wien“, so Hummer.

Um Jugendliche frühzeitig zu unterstützen, investiert die WKO Oberösterreich auch stark in ihr Angebot im Bildungsbereich – darunter der Talent Space im Haus der Wirtschaft in Linz, Potenzialanalysen oder die Messe „Jugend & Beruf“ und Jobmessen in den Bezirksstellen, Lehrlings- und Lehrbetriebscoaching oder der neuen „helpline.lehre“, einer kostenlosen Anlaufstelle für psychosoziale Probleme und/oder Suchterkrankungen von Lehrlingen für Ausbilder, Unternehmen, Eltern, Lehrkräften und den Lehrlingen selbst.


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