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Hoffnungsträger Wasserstoff für Energiewende: Ein Blick aus Oberösterreich ins Baskenland

Tips LogoKarin Seyringer, 04.05.2026 07:35

OÖ/BILBAO/SAN SEBASTIÁN. Das Baskenland im Norden Spaniens zählt zu den profiliertesten Regionen für Energietechnologie und nachhaltige Innovation in Europa. Wie auch in Oberösterreich forschen Experten hier intensiv daran, die Energiewende zu bewältigen - unter der Voraussetzung, die Wettbewerbsfähigkeit und Leistbarkeit für die Menschen und Betriebe zu sichern. Die Voraussetzungen sind ähnlich.

  1 / 9   Blick auf die Industrie- und Hafenstadt Bilbao - das Baskenland gilt als Vorreiter bei Energietechnologie und nachhaltiger Innovation. (Foto: Tips/ks)

Um einen Einblick in die Strategien im Baskenland zu gewinnen, reiste eine Delegation rund um Wirtschafts- und Energie-Landesrat Markus Achleitner (ÖVP), Energie AG-CEO Leonhard Schitter und Geschäftsführer des Energieinstituts an der JKU, Robert Tichler, nach Bilbao und San Sebastián. 

Saisonale Speicherung ermöglichen

Ähnlich wie in Oberösterreich setzt das Baskenland auf das Zusammenspiel aus Industrie, Wirtschaft und Forschung. Mit vergleichbaren Rahmenbedingungen wie der Anzahl an Sonnenstunden hat auch das Baskenland die Herausforderung, den erzeugten Strom zu speichern.

„Die Speicherung ist angesichts der Volatilität der erneuerbaren Energieträger Hauptthema – über Stunden, Tage, Monate - und vor allem saisonale Speicherung muss gewährleistet werden können, weil wir den Sommerüberschuss in den Winter verspeichern müssen“, so Landesrat Achleitner. Je besser man speichern könne, desto weniger exorbitant müssten die Netze ausgebaut werden. Es gehe um die grundlastfähige Energie. „Wenn man sich vorstellt, dass die voestalpine alleine die gleiche Energie braucht wie das Burgenland und Vorarlberg gemeinsam, dann weiß man, was das für ein Industriebundesland wie Oberösterreich für eine Challenge ist. Daher: Vollgas in die gesamte Wertschöpfungskette.“

Wasserstoff als Zukunftshoffnung

Die Zukunftshoffnung für die Speicherung, vor allem saisonal, wird in Wasserstoff gesehen. 

Oberösterreich hat einige Wasserstoff-Projekte gestartet. Am H2-Netzwerk sind aktuell 60 Unternehmen und 15 Forschungseinrichtungen beteiligt. Das baskische Pendant (Wasserstoffkorridor BH2C) umfasst ebenfalls 75 Mitgliederorganisationen. Das OÖ H2-Netzwerk weist ein Projektvolumen von rund 695 Millionen Euro und ein Fördervolumen von 190 Millionen Euro auf. Das BH2C plant Investitionen von über 900 Millionen Euro bis 2030. In Oberösterreich startete 2025 auch das HI2 Valley (mit Steiermark und Kärnten), mit 590 Millionen Euro Gesamtvolumen. An der FH Oberösterreich in Wels nahm zudem 2025 das H2-Forschungszentrum den Betrieb auf. 

Im Baskenland betreibt Tecnalia in San Sebastián – Südeuropas größtes außeruniversitäres Zentrum für angewandte Forschung - im ZERO Lab experimentelle Wasserstoffentwicklung. Im ZERO Lab wird unter anderem ein Membrane-Technologie-Labor betrieben, zudem gibt es hier einen Elektrolyseur-Prototyp, ein tragbarer Prototyp zum Testen von Technologien zur Erzeugung von grünem Wasserstoff. Ein Elektrolyseur ist eine Anlage, die mithilfe von elektrischem Strom Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff spaltet.

Beides in Oberösterreich natürlich nichts Unbekanntes.

„Europas Vorteil in Europa halten“

Auch für Energie AG-CEO Leonhard Schitter ist Wasserstoff entscheidend für die Energiewende. „Wir glauben, dass er der Game changer für die Industrie ist. Der Vorteil, den Europa jetzt im Bereich Wasserstoff hat, muss in Europa gehalten werden.“

Der Landesenergieversorger hat sich das Ziel gesetzt, im Rahmen seiner LOOP-Strategie bis 2035 klimaneutral zu sein. In Summe werden vier Milliarden Euro investiert.

Ein aktuelles Projekt der Energie AG beim Thema Wasserstoff ist es, die bestehende Leitung Sattledt-Ebelsberg von einer Gas- zu einer Wasserstoffleitung zu adaptieren. „Wir haben im März die erstinstanzliche Genehmigung für die duale Nutzung von Erdgas und Wasserstoff erhalten“, führt Technikvorstand Alexander Kirchner aus.

„Business Case“ fehlt

Das große generelle Problem beim Thema Wasserstoff aber: „Der Business Case fehlt noch“, so Achleitner – also die wirtschaftlich tragbare Umsetzung für die Industrie. Auch wenn Oberösterreich in Umsetzung gehe: Das „Henne-Ei-Problem“ sei nicht gelöst. Generell ist die Energiewende ein „Kraftakt historischen Ausmaßes“, so der Landesrat, „in Wahrheit bräuchten wir einen Marshallplan für die Energiewende.“

Vertiefende Zusammenarbeit mit Tecnalia beschlossen

Um die Erfahrungen im Baskenland noch eingehender nutzen zu können, wurde im Rahmen der wissenschaftlichen Energiereise auch ein Memorandum of Understanding mit Tecnalia unterzeichnet, „um unsere gemeinsame Forschung zu intensivieren und gleichzeitig auf beiden Seiten gemeinsam Projekte mit Relevanz umzusetzen“, so Robert Tichler vom Energieinstitut der JKU Linz. Enthalten sind auch der Austausch von Forschenden und Kooperationen in europäischen Förderprogrammen. 

Oberösterreich braucht Vergleich nicht scheuen

Ein Resümee, das Tichler zieht: „Das Baskenland ist im Wasserstoff-Kontext sicherlich internationale Top-Region in der Forschung und Entwicklung – aber wir sind sicherlich mindestens gleich gut aufgestellt in den Projekten und in der Umsetzung“, verweist er auf eine starke Dynamik in diesem Bereich in Oberösterreich.

Das Energieinstitut forscht aktuell an rund 100 nationalen und internationalen Projekten, baskische Einrichtungen sind auch direkte Forschungspartner. Forciert wird am Energieinstitut die ganzheitliche Sichtweise – Speicherung, Umwandlung und intelligente Vernetzung als zusammenhängendes System.

Neben der Einbindung ins HI2 Valley und etwa dem Projekt „EUH2STARS“ zur saisonalen Speicherung von grünem Wasserstoff in unterirdischen Porenspeichern arbeitet auch das Energieinstitut ebenfalls an der Umwandlung in Wasserstoff.

Auch Achleitner ist überzeugt: „Oberösterreich ist mit seinen Maßnahmen und Projekten auf dem richtigen Weg – die Strategie Oberösterreichs werde durch die Erkenntnisse aus dem Baskenland untermauert. Diese Eindrücke nehmen wir als Bestätigung und zusätzlichen Ansporn mit.“

Energie AG-CEO Schitter: „Die spannende Reise hat gezeigt, dass die Energiewende kein Einzelprojekt, sondern ein Teambewerb ist. Jede Technologie muss teilhaben.“ Und im Vergleich dürfe Oberösterreich Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl haben.

Breite Palette an Einblicken

Im Rahmen der Baskenland-Reise wurde unter anderem auch der siebtgrößte Stromproduzent Europas, Iberdrola, besucht. Rund 80 Prozent der Energie werden hier erneuerbar erzeugt. Mit dem Global Smart Grids Innovation Hub forscht das Unternehmen unter anderem an KI-gestützter Netzintelligenz. Ein praktisches Pilotprojekt ist zum Beispiel auch der Einsatz von mit Motorsägen ausgestatteten Drohnen, um Äste, die zu Stromleitungen ragen, zu trimmen.

Den Fokus auf fortschrittliche Batterietechnologien setzt Cidetec: Auf über 10.000 Quadratmetern wird Batterieforschung betrieben. Das private Forschungsinstitut mit öffentlichen Partnerschaften ist eines der modernsten Test-Labors für Batterie- und Energiespeicher in Europa.

Vicomtech – eine Forschungseinrichtung im Bereich KI – forscht unter anderem am potenziell leistungsstärksten Mobiltelefonnetz – mit der führenden Forschungsinitiative im Bereich 6G-Netze. Untersucht wird zudem zum Beispiel, wie Energie generell eingespart werden kann: durch Vorhersage-Modelle und unter Einberechnung des Konsumverhaltens. Ein Projekt dazu ist ein digitaler Zwilling eines großen Hotels in Madrid: Unter Einbeziehung von Wetterprognosen und Belegungsgrad, Sonneneinstrahlung und Schatten wird die Wärmeentwicklung in den Hotelzimmern vorhergesagt – so können Reisende im Sommer in weniger aufgeheizten Zimmern untergebracht und dadurch Energie durch einen geringeren Einsatz von Klimaanlagen gespart werden. Beim Thema Kühlung könne so bis zu sechs Prozent an Energie gespart werden, bei Wärme bis zu 20 Prozent – ohne zusätzliche Investitionen, heißt es seitens Vicomtech. 


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