Ärztekammer für OÖ hat mit Silke Haim erstmals Präsidentin
OÖ/LINZ. Die Ärztekammer für OÖ steht unter einer neuen Führung: Silke Haim folgt auf den langjährigen Präsidenten Peter Niedermoser. Zu den Schwerpunkten der neuen Spitze der Standesvertretung zählen der Ausbau der Prävention und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Betont wird am Montag vor Presse, dass eine verbindliche Patientenlenkung unumgänglich sei.

Silke Haim wurde bei der ordentlichen Vollversammlung einstimmig als neue Präsidentin gewählt, Tips hat berichtet.
„Ich freue mich extrem über die Einstimmigkeit“, so die Nuklearmedizinerin, seit 2001 bei den Barmherzigen Schwestern Linz. Zur Kammertätigkeit sei sie eigentlich durch Zufall gekommen - nachdem Sie vor Jahren Kritik geäußert habe, habe sie ihr Vorgänger Peter Niedermoser angehalten, sich zu engagieren und mitzuarbeiten. „Dass das dazu führt, dass ich heute hier als Präsidentin sitze, hatte ich mir damals nicht gedacht - aber es freut mich umso mehr“, so die 50-Jährige aus Kirchberg/Thening.
Dreier-Spitze „mit hoher Motivation“
Neben ihr an der Spitze der Ärztekammer für OÖ stehen die beiden Vizepräsidenten – Kurienobmann angestellte Ärzte Sebastian Graf sowie Kurienobmann niedergelassene Ärzte Paul Niederberger.
„Wir werden unser Amt mit hoher Motivation führen, mit dem Ziel einer modernen, lösungsorientierten und zukunftsfitten Kammer, die ganz nah an den Mitgliedern ist, effizient arbeitet und Verantwortung übernimmt und ernst nimmt“, so Haim.
Ausgestreckte Hand
Schwerpunkte der Arbeit in der Standesvertretung liegen auf der Verbesserung der Rahmenbedingungen in der Medizin. „Wir möchten in dieser Position auch die Hand ausstrecken zu den Mitspielern im Gesundheitswesen. Wir möchten Teil der Lösung sein, mitgestalten, mit agieren.“
Stärkung der Prävention
Ein wesentlicher Schwerpunkt werde auch auf dem Ausbau der Prävention liegen. „Wir haben eine sehr hohe Lebenserwartung in Österreich, aber die Anzahl der gesunden Lebensjahre sind im Vergleich zu unseren Nachbarländern noch deutlich niedriger. Und wir sprechen im Gesundheitswesen oft darüber, wie wir Krankheiten behandeln, aber mindestens genauso wichtig ist die Frage, wie wir Menschen dabei unterstützen können, sie gesund zu halten.“ Von jeder verhinderten Erkrankung profitiere nicht nur der Mensch sondern auch das Gesundheitssystem. „Prävention ist auch im Hinblick auf eine Kostensenkung im Gesundheitswesen ein sehr wichtiger Faktor.“
Verbindliche Patientenlenkung gefordert
In diesem Kontext sprechen Haim und auch Kurienobmann Graf die Gesundheitskompetenz und Eigenverantwortung der Bevölkerung an - und die Patientenlenkung. „So wie es jetzt ist, dass der Patient zu jeder Zeit mit jedem Problem überall hingehen kann, ohne dass eine verbindliche Steuerung vorliegt, strapaziert das System über die Maßen. Das bringt unser sehr gutes Gesundheitssystem an seine Grenzen. Ich glaube, wir brauchen eine Patientenlenkung, die verbindlich eingehalten werden muss“, so die neue Präsidentin. Dabei sollen sich Patienten dadurch nicht eingeschränkt, sondern navigiert fühlen.
Eine verbindliche Lenkung entlastet auch die Spitalsambulanzen, so Graf, seit 1. Jänner 2026 Kurienobmann der angestellten Ärzte. Verschiedene Umfragen würden zeigen, dass knapp die Hälfte aller Patienten, die in einer Terminambulanz aufschlagen, in einer niederschwelligen Struktur der Niederlassung gut versorgt werden könnten. Dafür müsse dieses Angebot aber ausgebaut werden“, so der 37-Jährige, Allgemeinmediziner und Urologe, aktiver Facharzt am Kepler Uniklinikum Linz.
Andenken könne man ein Anreizsystem, dass Patienten belohne, die sich an die vorgegeben Wege - Gesundheitsberatung 1450, Hausarzt/HÄND, Facharzt, erst dann Terminambulanz - halten, oder eine Art Selbstbehalt als „negative Bestärkung“ wenn jemand den empfohlenen Weg umgeht, so Haim und Graf.
Niederlassung als Chance
Die nötige Stärkung der Niederlassung betont auch Paul Niederberger. Der 55-Jährige ist seit September 2025 Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte. „Die wohnortnahe Versorgung ist eine der größten Stärken unseres Gesundheitssystems. Junge Kollegen sollen die Entscheidung für eine eigene Ordination weniger als Risiko, sondern als Chance sehen.“ Dafür brauche es aber moderne Rahmenbedingungen wie flexible Arbeitsmodelle oder Teilzeitkassenstellen, Zusammenarbeit in Teams, dispensierrechtliche Abgabe von Arzneimitteln in der Ordination und eine zeitgemäße Infrastruktur. Das Problem des Mangels im niedergelassenen Bereich werde sich nicht durch Geldeinsparungen lösen lasen, es brauche Investitionen in des Problem.
Vor allem betont Niederberger, dass Partnerschaft statt Gegeneinander nötig sei, um die Herausforderungen im Gesundheitssystem zu bewältigen, ein Gemeinsam mit OÖG und Land sowie allen Partnern. So startet die Ärztekammer im September mit der Landesstelle OÖ der ÖGK den Folgekostendialog (FOKO).


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