Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

OÖ/ROTTENBACH. Mikro- und Nanoplastik finden sich längst nicht mehr nur in Flüssen und Meeren, sondern auch im menschlichen Körper, sogar im Gehirn. Was das für unsere Gesundheit bedeutet, ist noch nicht abschließend geklärt. Klar ist: Kläranlagen werden künftig deutlich mehr Mikroschadstoffe aus dem Abwasser entfernen müssen. Ulrich Kubinger, CEO der VTA Gruppe, bietet eine neue Lösung an.

  1 / 2   V. l.: Michael Kocher (Institut für Klärschlammanalytik), ehem. Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer, VTA CEO Ulrich Kubinger, Prokuristin Marlen 
Kubinger, Umweltmediziner Heinz Fuchsig und Andreas Gabriel (VTA). (Foto: Tips/ks)

„Wenn wir dieses 'Plastik im Kopf' rausholen könnten und es ersetzen würden durch Umweltschutz im Kopf, dann wäre das der richtige Weg“, so Ulrich Kubinger, Gründer der international tätigen VTA Gruppe mit Sitz in Rottenbach sowie Pionier bei Lösungen zur Abwasseraufbereitung.

Mikroplastik ist klein, unsichtbar und praktisch überall. Eine 2025 im Fachjournal „Nature Medicine“ veröffentlichte Studie, die allerdings auch Kritik an der Methodik hervorrief, wies Mikro- und Nanoplastik in Leber, Nieren und sogar Gehirn verstorbener Menschen nach. Diskutiert wird auch ein möglicher Zusammenhang mit Erkrankungen wie Demenz. Kubinger lud mit Experten aus Medizin, Kommunalpolitik und Abwassertechnik nach Linz, um das Thema ins Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken.

„Der Mensch ist Teil der Naturkreisläufe, es kommt alles wieder zu uns zurück“, so Umweltmediziner Heinz Fuchsig. Mikroplastik werde unter anderem über Darm und Lunge aufgenommen. Welche langfristigen gesundheitlichen Folgen daraus entstehen, werde derzeit intensiv erforscht. „Die Umweltmedizin muss schauen: Welche Belastungen kommen in Zukunft auf uns zu.“ Wie die Studienlage heute zeige, würden Mikroplastik-Partikel die Blut-Hirn-Schranke überwinden können. Fuchsig zieht Parallelen zu Asbest und Feinstaub. Auch dort seien gesundheitliche Folgen erst mit erheblicher Verzögerung sichtbar geworden. „Wir müssen daher Mikroplastik aus allen Kreisläufen – allen voran Wasser – entfernen, im Sinne der Gesundheit der Allgemeinbevölkerung“, so Fuchsig.

„Gibt keine Grenzwerte“

Was Umweltpionier Ulrich Kubinger vor allem kritisiert: „Es gibt für Mikroplastik und PFAS nur Richtwerte, keine echten Grenzwerte.“ Für ihn sind die Ewigkeitschemikalien PFAS ein „Krebsturbo“.

Zu den größten Quellen von Mikroplastik zählt Reifenabrieb. „Der Staub bleibt auf der Straße, im Graben, geht in die Kanäle – und diese münden in eine Kläranlage.“ Herkömmliche Anlagen könnten die mikroskopisch kleinen Kunststoffpartikel aber oft nicht ausreichend zurückhalten.

Finanzielle Herausforderung

Die neue europäische Kommunalwasserrichtlinie verpflichtet Betreiber von Kläranlagen künftig, im Schnitt mindestens 80 Prozent der relevanten Mikroschadstoffe zu entfernen. Bislang setzen viele Betreiber dafür auf eine bauliche vierte Reinigungsstufe wie Ozonierungsanlagen oder Filter mit granulierter Aktivkohle. Solche Verfahren bedeuten aber Investitionen im Millionenbereich und mehrjährige Planungs- und Bauphasen.

Vor den hohen Kosten, die auf die Gemeinden zukommen, warnt der ehemalige Gemeindebundpräsident Helmut Mödlhammer, gleichzeitig sei das Thema dringlich: „Das Thema der nächsten Zeit und Zukunft wird die Wasserversorgung und die Wasserentsorgung sein.“ Neben der Abwasserreinigung gehe es darum, Grundwasser zu schützen und Trinkwasser langfristig zu sichern. Gleichzeitig gewinne die Wiederverwendung von gereinigtem Wasser an Bedeutung. Das Ziel müsse sein, das Wasser so zu reinigen, dass es wiederverwertbar wird – etwa für landwirtschaftliche Bewässerung, als Brauchwasser.“

Auch Marlen Kubinger, Prokuristin der VTA Gruppe, betont diese Notwendigkeit: „Es muss wirklich ein Umdenken stattfinden. Wir dürfen Wasser nicht so einfach verschwenden – vor allem auch für die Toilettenspülung muss Brauchwasser statt Trinkwasser verwendet werden.“

Wie gegensteuern? Neues VTA-Verfahren

Die Frage sei daher: „Wie können wir gegensteuern, was können wir mit zukunftsweisenden Methoden bewerkstelligen – damit auch für die Gemeinden bewirken?“, so Marlen Kubinger.

Die VTA legt mit ihrem neuen Nanocarbon-Verfahren einen Lösungsvorschlag vor, der nicht nur kostengünstiger als herkömmliche Verfahren der vierten Reinigungsstufe sei, sondern Mikroplastik und auch PFAS wirkungsvoller entfernen könne. Dabei wird eine kohlenstoffbasierte Suspension der bestehenden biologischen Reinigung zugesetzt. Kleinste kohlenstoffbasierte Materialien verbinden sich mit den Schadstoffen und sinken ab, erläutert Andreas Gabriel, Leiter des VTA Instituts für Gesundheit & Umwelt.

Laut VTA wird das erprobte Verfahren mittlerweile in rund 100 von 2.000 Kläranlagen in Österreich eingesetzt. Das Unternehmen übernimmt auch eine Garantie. In ersten Praxismessungen seien bis zu 99,9 Prozent des Mikroplastiks und über 99 Prozent der PFAS zurückgehalten worden.

„Wir wollen ein Leuchtturm-Projekt starten“

„Ohne Wasser gibt es kein Leben. Mein Herz schlägt für sinnvollen Umweltschutz – und wir lösen Umweltprobleme“, so Ulrich Kubinger. Sein Ziel: „Wir wollen ein Leuchtturm-Projekt starten. Mit der Kläranlage als Wasserzentrum“, die „ordentliches“ Brauchwasser liefere, damit Trinkwasser nur mehr zum Trinken verwendet werde.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden


Weitere Beiträge

Land startet nach trockenem Sommer Wasser-Infokampagne 

Land startet nach trockenem Sommer Wasser-Infokampagne 

OÖ. Der Regen im September hat die Trockenheit in Oberösterreich etwas gelindert, die Grundwasserstände bleiben aber vielerorts niedrig. Mit ...

Tips - total regionalKarin Seyringer
Land OÖ fördert Berufseinstieg und Rückkehr in die Arbeitswelt

Land OÖ fördert Berufseinstieg und Rückkehr in die Arbeitswelt

OÖ/LINZ. Land und AMS OÖ starten neue Initiativen, um zielgerichtet Menschen in Langzeitarbeitslosigkeit sowie junge Erwachsene beim Einstieg ...

Tips - total regionalKarin Seyringer
Dietrich zum Lawog-Vorstandsdirektor bestellt

Dietrich zum Lawog-Vorstandsdirektor bestellt

OÖ/LINZ. Die Generalversammlung der LAWOG hat in ihrer Sitzung am Montag die Bestellung von Roland Dietrich zum Vorstandsdirektor beschlossen. ...

Tips - total regionalKarin Seyringer
SPÖ-Neuaufstellung: Holzleitner übernimmt entscheidende Rolle

SPÖ-Neuaufstellung: Holzleitner übernimmt entscheidende Rolle

WELS/WIEN. Die Führungsdebatte in der SPÖ ist zumindest unterbrochen. Nach dem Krisentreffen gab Parteichef Andreas Babler seinen Rückzug ...

Tips - total regionalGerald Nowak
Energie AG verlängert Förderung für Haushaltsgerätetausch und Reparatur

Energie AG verlängert Förderung für Haushaltsgerätetausch und Reparatur

OÖ/LINZ. Die Energie AG verlängert ihre Förderaktion für den Austausch von Haushaltsgeräten bis 30. September 2027. Kunden erhalten beim ...

Tips - total regionalKarin Seyringer
Landtag stellt Weichen für Kasberg und Flughafen Linz

Landtag stellt Weichen für Kasberg und Flughafen Linz

OÖ/LINZ. Nach der Sommerpause ist der OÖ. Landtag am Donnerstag wieder zusammengetreten. Zwei große Entscheidungen standen dabei besonders ...

Tips - total regionalKarin Seyringer
Weitere Beiträge