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OÖ. In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 wurden in Oberösterreich 2.095 junge Männer zum Zivildienst zugewiesen. Bei einem gemeldeten Bedarf von 2.233 Plätzen entspricht das einer Bedarfsdeckung von 93,8 Prozent. Oberösterreich liegt damit im Bundesländervergleich an erster Stelle, zeigen die am Freitag von Zivildienstministerin Claudia Bauer (ÖVP) präsentierten Zahlen.

Zivildienstministerin Claudia Bauer (Archivbild) (Foto: VOLKER WEIHBOLD)
Zivildienstministerin Claudia Bauer (Archivbild) (Foto: VOLKER WEIHBOLD)

Mit Stichtag 1. Oktober waren in Oberösterreich insgesamt 2.203 Zivildiener im Einsatz. Insgesamt haben sich seit Jahresbeginn 2.567 junge Männer für den Zivildienst entschieden.

Oberösterreich liegt im Bundesländervergleich bei der Bedarfsdeckung (93,8 Prozent) an erster Stelle und deutlich über dem österreichweiten Durchschnitt von 88,1 Prozent.

Generell steigt die Zahl jener, die den Zivildienst absolvieren wollen. Österreichweit gab es in den ersten neun Monaten 12.901 Zivildiensterklärungen, um sechs Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und damit ein neuer Rekord für die ersten neun Monate eines Jahres.

Die meisten Zuweisungen im Rettungswesen

Das größte Einsatzgebiet in Oberösterreich ist das Rettungswesen mit 690 Zuweisungen. Es folgten die Sozial- und Behindertenhilfe mit 651 sowie die Altenbetreuung mit 377 Zuweisungen. Den Krankenanstalten wurden 206 Zivildiener zugeteilt.

„Die aktuellen Zahlen zeigen, wie groß das Interesse am Zivildienst ist. Gleichzeitig wissen wir schon heute, dass uns aufgrund der demografischen Entwicklung ab 2040 jedes Jahr rund 4.000 Zivildiener fehlen werden, wenn wir nichts ändern. Deshalb müssen wir den Zivildienst jetzt für die Zukunft aufstellen“, so Zivildienstministerin Claudia Bauer (ÖVP). 

Reform sieht längere Dienstzeit vor

Die Bundesregierung hat ein Reformpaket zu Wehr- und Zivildienst am Mittwoch in Begutachtung geschickt. Ab 1. Jänner 2027 soll eine freiwillige Verlängerung des Zivildienstes von neun auf elf Monate möglich sein. Eine verpflichtende, dauerhafte Verlängerung ist vorgesehen, sobald die Zahl der angetretenen Grundwehrdiener in einem Kalenderjahr unter 13.875 fällt. Wird diese Schwelle 2027 unterschritten, soll der Zivildienst ab 1. Jänner 2029 für alle elf Monate dauern.

Für die verlängerte Dienstzeit sind drei Varianten geplant: elf Monate durchgehend, neun Monate mit zwei zusätzlichen Monaten zu einem späteren Zeitpunkt in derselben Einrichtung oder neun Monate mit anschließender ehrenamtlicher Ersatzleistung. Diese soll 400 Stunden innerhalb von fünf Jahren umfassen.

Ausbildung und Vorbereitung auf Kriseneinsätze

Das Reformpaket sieht außerdem eine verpflichtende Ausbildung vor, die auf den jeweiligen Einsatzbereich abgestimmt ist. Ein bundesweiter Ausbildungskatalog soll dafür einheitliche Standards festlegen. Ziel sind nachweisbare Qualifikationen, die nach dem Dienst im Beruf oder im Ehrenamt genutzt werden können.

„Für mich war immer klar: Eine Reform darf nicht einfach nur Monate dranhängen. Wer mehr Zeit für Österreich gibt, soll auch mehr zurückbekommen. Deshalb stärken wir die Ausbildung, schaffen mehr Flexibilität und machen den Zivildienst krisenfester. Künftig sollen die jungen Männer nicht nur Lebenserfahrung, sondern auch konkrete Qualifikationen mitnehmen, von denen sie später im Beruf oder im Ehrenamt profitieren“, so Bauer. 

Weitere Anpassungen

Für Naturkatastrophen und andere Krisen sollen Zivildiener bereits während ihres regulären Dienstes vorbereitet werden. Geplant ist, sie bis zu zwei Jahre nach Dienstende für höchstens zwei Monate erneut einsetzen zu können. Ergänzend ist jährlich eine gemeinsame Großübung mit Bundesheer, Blaulichtorganisationen und Zivilschutz vorgesehen. 

Die Reform sieht zudem unter anderem eine Obergrenze bei den als Zivildienstersatz anrechenbaren Freiwilligendiensten vor: ein Prozent der Stellungspflichtigen eines Jahrgangs, aktuell rund 360 junge Männer jährlich. 

Außerdem werden die Strafbestimmungen bei Nichtantritt oder unerlaubter Abwesenheitverschärft und an den Wehrdienst angeglichen. Das Sonderwaffenverbot wird von 15 auf 20 Jahre verlängert und auf Schusswaffen der Kategorie C ausgeweitet.

Künftig sollen Zivildiener ihre freien Tage außerdem auch halbtags in Anspruch nehmen können.

Die Begutachtung läuft bis zum 12. November. 


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