Was sich bei Notfällen und OP-Wartezeiten in den oö. Spitälern verbessert
OÖ/LINZ/ROHRBACH. Das oö. Gesundheitssystem ist in einer angespannten Situation, vor einem Jahr war es besonders häufig in den Schlagzeilen – abgesagte OPs am Linzer Kepler Uniklinikum, steigende Wartezeiten bei planbaren OPs und vor allem der tragische Fall Rohrbach sorgten für viele Diskussionen und Verunsicherung.

Ein Jahr später ziehen Gesundheits-Landesrätin, LH-Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP) und die Leiter der Träger – OÖ Gesundheitsholding und Ordensspitäler OÖ – gemeinsam Bilanz über die zwischenzeitlich umgesetzten und gestarteten Maßnahmen.
„Rotes Telefon“ läutet
Nach Rohrbach – damals konnte eine Aortenaneurysma-Notfallpatientin in keinem Spezialkrankenhaus aufgenommen werden – sind Empfehlungen der eingesetzten Expertenkommission umgesetzt, darunter das angekündigte „Rote Telefon“. Dieses Eskalationsmanagement mit klaren Zuständigkeiten und verbindlichen Übernahmeregeln von Patienten im Notfall wurde unter der Leitung von Kostja Steiner, ärztlichem Direktor am Klinikum Rohrbach, trägerübergreifend erarbeitet.
Der interne Notruf in allen Fondskrankenhäusern sei seit Juli in Betrieb und erprobt. Diese Notfall-Anrufe an die vereinbarten spezialisierten Zentren werden priorisiert durchgeschaltet, der Weg ist klar vorgegeben: Wenn im Extremfall auch das dritte vereinbart gelistete Zentrum nicht verfügbar ist, hat das erstrangige Zentrum – etwa das Kepler Uniklinikum Linz – die Pflicht, den Fall zu übernehmen und bestmöglich zu versorgen, mobilisiert dafür im Notfall auch ein Team außer Dienst. Gleichzeitig kann das Regional-Spital sofort den Transport des Notfall-Patienten starten. Unisono unterstrichen wird beim gemeinsamen Gesprächstermin mit Pressevertretern die generell große Einsatzbereitschaft der Spitals-Mitarbeiter.
17 Minuten
Eine Errungenschaft – bei der vor einem Jahr nicht geglaubt wurde, dass sie IT-technisch so schnell umsetzbar sei – sei auch eine neu eingeführte quasi Live-Übermittlung von Bilddaten an Zentrums-Spezialisten etwa am Linzer KUK, um Notfälle unabhängig vom Ort sofort bewerten und sich auf den Patienten schon vorab vorbereiten zu können.
An einem konkreten Fall verdeutlicht Kostja Steiner die Verbesserungen: Bei einem Aneurysma-Patienten seien vom Notfall über die Diagnose im Spital bis zum Hubschraubertransport ins spezialisierte Zentrum nur 17 Minuten vergangen. „Der Patient ist gesund und hat uns Danke gesagt.“
Geht nur gemeinsam
Es gehe um die gemeinsame trägerübergreifende Zusammenarbeit, betonen Haberlander und die Leiter der Spitalsträger. „In den letzten zwölf Monaten wurde diese sehr intensiviert, mit dem klaren Auftrag, auch weiterhin am Miteinander zu arbeiten, so Haberlander. Das oö. Gesundheitssystem stehe heute gestärkt da, aber „wir sind noch nicht dort, wo wir hinwollen.“ Vor allem bei den OP-Wartezeiten müsse es noch zu Verbesserungen kommen.
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Maßnahmen zu kürzeren Wartezeiten umgesetzt, weitere folgen
Hier gibt es drei besondere „Druckpunkte“, geschuldet auch der demografischen Entwicklung: Knie, Hüfte und Augen.
Durch Leistungsausweitungen und verbesserte Prozesse seien bereits erste Verbesserungen erzielt. Unter anderem konnten offene Stellen besser besetzt werden (besonders in Bereichen wie der OP-Pflege und der Anästhesie gebe es eine erste Entspannung), OP-Zeiten wurden verlängert, standortübergreifend freie OP-Kapazitäten werden genutzt und auch die Fortschritte in der Medizin führen zu kürzeren Spitalsaufenthalten. Die Zahl der gesperrten Spitalsbetten konnte laut Landesangaben seit Ende 2025 auf aktuell 391 mehr als halbiert werden.
Am KUK etwa konnte die längste Wartezeit auf Hüft- und Knieoperationen innerhalb eines Jahres von 96 auf 62 Wochen reduziert werden. Am Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Steyr sank sie von 67 auf 33 Wochen.
Auch gibt es zusätzliche OP-Kapazitäten am Klinikum Rohrbach mit rund 60 Hüft- und Knie-OPs jährlich. Am Salzkammergut Klinikum sind künftig rund 200 zusätzliche orthopädische Eingriffe geplant. Am Ordensklinikum Linz wurde die Zahl der Endoprothesen-Operationen zuletzt um rund zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert.
Augenoperationen: Ausbau in Arbeit
Ein Schwerpunkt liegt auf der Behandlung des Grauen Stars. Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Menschen, die eine entsprechende Operation benötigen.
Derzeit werden in Oberösterreich jährlich rund 25.000 Katarakt-Operationen durchgeführt, davon rund 16.000 in Ordenskliniken und 9.000 in den Spitälern der OÖ Gesundheitsholding und des Kepler Uniklinikums.
Bis 2029 sollen die Kapazitäten auf rund 17.700 Eingriffe in den Häusern der Holding und des KUK steigen. Gemeinsam mit den Ordenskliniken wären damit knapp 35.000 Operationen in OÖ jährlich möglich, damit über erwartetem Bedarf.
Augen-OPs werden zudem auch jetzt schon von den Experten am Krankenhaus Ried auch in Schärding durchgeführt, ebenso arbeiten Kirchdorf und Steyr zusammen, KUK-Mediziner operieren in Freistadt. „Es fährt ein Arzt hin - und nicht 50 Patienten“, fasst es Haberlander knapp zusammen.
Neues Augenzentrum in Vöcklabruck geplant
Zusätzlich wird am KUK ein zweiter OP-Saal für derartige Eingriffe eingerichtet. Bis zum zweiten Halbjahr 2029 erhält Vöcklabruck zusätzlich ein spezialisiertes Augenzentrum mit Tagesklinik und Ambulanz. Investiert werden laut Land OÖ rund neun Millionen Euro in die Vöcklabruck-Erweiterung.








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