Werner Ebenbichler von Ämtern enthoben
PASCHING. Die SP-Fraktion der Gemeinde Pasching geht einen Schritt, der einschneidende Veränderungen mit sich bringt: In der gestrigen Gemeinderatssitzung wurde der langjährige Vizebürgermeister Werner Ebenbichler nach Abstimmung aller seiner Ämter enthoben. Ebenbichler wird nun „wilder Gemeinderat“.

von ELISABETH ZEILINGER
Als Tagesordnungspunkt Nr. 1 der Sitzung wurde dies von den SPÖ-Gemeinderäten per Wahl entschieden. Als neuer Vizebürgermeister folgt der bisherige Gemeindevorstand Gisbert Windischhofer nach. „Der bisherige Sicherheitsreferent der Gemeinde zeichnet sich schon durch seine berufliche Tätigkeit als Kriminalbeamter mit dem Talent aus, sofort und umsichtig auf Situationen zu reagieren und er wird sich daher rasch in seine neue Tätigkeit einfügen“, heißt es in einer Presseaussendung der Gemeinde.
„Chemie hat nicht mehr gestimmt“
„Wir wollen eine Verjüngung der SP-Fraktion und wir machen auch keinen Hehl daraus, dass einfach die Chemie zwischen Werner Ebenbichler und den anderen Fraktionsmitgliedern nicht mehr gestimmt hat“, sagt Gisbert Windischhofer, der am Freitag von Bezirkshauptmann Manfred Hageneder als neuer SP-Vizebürgermeister Paschings angelobt wurde. Paschings Bürgermeister Peter Mair (SPÖ) war am Freitag wegen einer Stellungnahme gegenüber TIPS nicht mehr erreichbar - er urlaubt gerade im Ausland.
Ebenbichler wird „wilder Gemeinderat“
Im Paschinger Gemeinderat gab Ebenbichler folgendes Statement ab: „Die sture Vorgangsweise der Entsorgung und rigorose unmittelbare Beseitigung in allen Funktionen haben mich, nicht leicht aber erleichtert - auch aus Selbstachtung - gezwungen, am selben Tag nach 46-jähriger Mitgliedschaft und mehr als 40-jähriger Funktionärstätigkeit aus der SPÖ auszutreten; mit einer SP, in der so menschenverachtend agiert wird, kann und will ich nichts mehr zu tun haben.“
„Erleichtert und befreit“
Auf die Frage, wie es ihme gehe, antwortete Ebenbichler: „Danke, es geht mir gut – ich fühle mich erleichtert und befreit. Auch weil ich nicht mehr aus Loyalität verschiedene Aktionen des Noch-Bürgermeisters vertreten und verteidigen muss. Mein Gemeinderatsmandat werde ich weiterhin ausüben und, jetzt viel freier, wie bisher für Pasching und seine Bürger arbeiten.“
Reaktionen von ÖVP und FPÖ
„Menschlich kann ich es nicht verstehen - die Entscheidung der SPÖ ist aber zur Kenntnis zu Nehmen“, sagt Vizebürgermeister Markus Hofko (ÖVP). Die VP-Fraktion habe immer gut mit Werner Ebenbichler zusammengearbeitet, da er „Handschlagqualität“ habe und man wolle auch in Zukunft weiter zusammenarbeiten, so Hofko. Das Verhältnis zur neuen SP-Fraktion kommentiert der VP-Vizebürgermeister gegenüber TIPS: „Hier muss man abwarten, wie sich die Zusammenarbeit mit der neuen Zusammensetzung gestaltet. Zuerst muss Vertrauen aufgebaut werden“, so Hofko.
„Wie man hier Menschlich mit Herrn Ebenbichler umgegangen ist, ist hier nicht die feine Art. Wir sind gespannt wer wegen dieser Verjüngung wohl als nächstes gebeten wird, zurück zu treten. Tatsache ist, eine SPÖ, die keine Einheit darstellt, kann auch nicht als Einheit für Pasching auftreten“, betont auch Peter Obernhumer, Gemeindevorstand der FPÖ Pasching.
Rochade in SP-Fraktion
Im Gemeindevorstand übernimmt Tina Blöchl, die Familienreferentin der Gemeinde, die frei gewordene Position. Somit nimmt erstmalig eine Frau in diesem Gremium ihre Arbeit auf. Auch alle anderen frei gewordenen Ämter wurden in der Sitzung nachbesetzt. Neue Sozialreferentin wurde Birgit Ebner. Für den Vorsitz des Netzwerk-Beirates wurde Gemeinderat Hans Hofer, der in diesem Bereich hohe berufliche Erfahrung mitbringt, gewählt.


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