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GREIN. Mit ihrer heurigen Herbstproduktion feierte die Greiner Dilettantengesellschaft, bekannt für ihre außergewöhnlichen und anspruchsvollen Inszenierungen, am Freitag im Stadtheater eine umjubelte Premiere. „Der Herzerlfesser“ ist eine groteske, tragikomische Farce über Liebe, Kapitalismus, Konsum und Perversion. Eine Kritik von Eva Hammer.

 (Foto: Dilettanten/Reinhard Winkler)
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Es gab ihn wirklich, den „Herzerlfresser“.  Ende des 18. Jahrhunderts tötete er im steirischen Kindberg sechs Frauen und verspeiste ihre Herzen, um einem Aberglauben nach, unsichtbar zu werden. Bühnenautor Ferdinand Schmalz, (geb. 1985, ausgezeichnet mit Bachmann- und Nestroypreis) greift den Mythos auf, tränkt ihn mit schwarzem Humor und jeder Menge Wortwitz, um die makabre Story in eine gar nicht so absurde Gegenwart zu transportieren.

Auf einem sumpfigen Baugrundstück in einer ländlichen Gemeinde wurde „mit vereinter Kaufkraft“ das Prestigeprojekt des Bürgermeisters errichtet – ein Shoppingcenter. Doch kurz vor der feierlichen Eröffnung entdeckt ausgerechnet er eine herzlose Frauenleiche und gleich darauf noch eine. Zusammen mit Securitymann Gangsterer alias Alfons Puchner geht er verdeckt auf Tätersuche.  Von Präpotenz bis Panik zieht HP Baumfried als Bürgermeister seine schauspielerischen Register. Sein Herz gewinnt schließlich Astrid Zehetner als bildschöne Transfrau Irene nach einem grandiosen alkoholschwangeren Wortschwall. Die Präsenz von Jonas Kummer als mystischer Fremder füllt den Raum. Seine gruselige Philosophie über Liebe, Tod und Stoffwechsel bricht er, wenn es allzu makaber wird, durch todernsten Witz. Beinahe verliert die quirlige Umweltaktivistin Florentina (Christine Puchner) ihr Herz an ihn, zum Glück aber hat sie keines.

Die Wiener Regisseurin Doris Happl spornt schon zum dritten Mal „ihre“ Dilettanten zu Höchstleistungen an. Ein Feuerwerk an schrägen Ideen und verblüffenden Wendungen, das einhergeht mit einer unbändigen Spiellust, reißt das Publikum mit.

Höhepunkte des Abends setzt der vierköpfige „Chor der verlorenen Herzen“.  Manuela Kloibmüller arrangiert herzergreifende Hits wie „Hungry Heart“, „Herzilein“ oder den unsterblichen Piaf-Herzschlag „Padam“.  Im Stil griechischer Tragödien kommentieren Melanie Janz, Hanna Hiebaum, Brigitte Hofer und Rudi Haller mit großartigen Stimmen das Polit-, Liebes- und Kriminalgeschehen.

Dazu schufen Rudi Haller und Lothar Pühringer auf der kleinen Bühne ein riesiges Baufeld mit „.oppingzente.“ im Lichtdesign von David Hochgatterer,  so schräg und abgefahren wie das Stück insgesamt. Schunkeln und Ganslhaut zu Liebes- und Horrorgeschichten! Die Dilettanten spielen lustvoll knappe zwei Stunden (mit Pause) auf dieser Klaviatur. Begeistertes Publikum – ganz großer Applaus.

Wie sehr das Schnappen des „Herzerlfressers“ Protagonisten und Publikum zu Herzen geht, zeigt die Greiner Dilettantengesellschaft noch bis Anfang Dezember im Greiner Stadttheater.

 

Karten: www.dilettanten.at
Weitere Vorstellungen:
Sonntag, 10.11.24 17.00 Uhr
Freitag, 15.11.24 19.30 Uhr
Samstag,16.11.24 19.30 Uhr
Sonntag, 17.11.24 17.00 Uhr
Freitag, 22.11.24 19.30 Uhr
Samstag, 23.11.24 19.30 Uhr
Sonntag, 24.11.24 17.00 Uhr
Freitag, 29.11.24 19.30 Uhr
Samstag, 30.11.24 19.30 Uhr
Sonntag, 1.12.24 17.00 Uhr

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