Das geht doch mit links!
Claudia Höllwirth aus Blindendorf in Ried/Riedmark ist ein ganz normales Mädchen – sie steht auf, zieht sich an, fährt zur Schule, trifft ihre Freunde; doch etwas ist anders: Sie lebt seit ihrer Geburt mit Amelie – das Fehlen ihres rechten Arms. Die 17-jährige erzählt im Interview, welche Probleme entstehen und wie sie trotzdem damit fertig wird.

„Wir wissen selber nicht genau, an was es bei mir liegt“, sagt Claudia. „Es wurden natürlich früh Vermutungen angestellt. Diese reichen von Problemen mit der Nabelschnur zu Problemen mit Medikamenten.“ Das ist es, an was die meisten Leute denken, wenn sie hören, dass Claudia einhändig lebt: Probleme. Doch die 17-jährige beweist, dass sie ihr Leben buchstäblich mit links bewältigen kann. „Was für mich das Schlimmste ist? Wenn Leute mir unbedingt helfen wollen“, lacht sie. „Natürlich ist es nett gemeint, aber ich kann sehr wohl auf mich selbst aufpassen, auch wenn mein rechter Arm fehlt.“ Die Schülerin des BORG Perg betont, dass auch sie ein ganz normaler Mensch ist. „Ich hasse es, anders oder speziell behandelt zu werden“, erklärt sie.
Für alltägliche Dinge wie Klavierspielen oder das Tippen auf PC-Tastaturen hat sie ihr eigenes „6- Finger-System“ entwickelt. „Verwende ich meinen rechten Arm zusätzlich zu den fünf Fingern meiner Linken, tippe ich genauso schnell wie jeder andere auch“, sagt Claudia. Auch Autofahren stellt kein Problem dar. Sie hat den L17 Führerschein gemacht, „aber natürlich fahre ich mit einem Automatik-Getriebe“, erzählt sie. Dieses besitzt einen speziellen Drehknopf am Lenkrad, damit sie etwa den Blinker bedienen kann. „Für den Scheibenwischer gibt es außerdem eine extra Stange“, fügt sie hinzu.
Unterstützung im Alltag
Unterstützung bieten Familie und Freunde. „Wenn mich jemand auf der Straße blöd anredet, weiß ich, dass meine Freunde sofort da sind und hinter mir stehen“, sagt Claudia stolz. „Auch meine Familie ist immer für mich da.“ Vor allem ihre Mutter, Sylvia Höllwirth, hilft ihrer Tochter wo sie nur kann. So hat Sylvia etwa einen Antrag gestellt, mit dem es Claudia künftig erlaubt sein soll, auf Behindertenparkplätzen zu parken. Bisher wurde der Antrag zurückgewiesen, obwohl Claudia eine Beeinträchtigung von 70 % ausgewiesen wird.
Aus rein medizinischer Sicht bietet eine Prothese Unterstützung. Mit ihrer künstlichen Hand, die mithilfe von Elektroden auf- und zu gehen kann, lässt sich die Betroffene jedoch eher selten sehen. „Ich bin eigentlich schon immer ohne besser ausgekommen“, sagt Claudia. Rechtlich besteht übrigens alle drei bis fünf Jahre Anspruch auf Erneuerung.
Tipps für Betroffene
“Ich habe schon so meine Tipps und Tricks, mit meinem Problem zurecht zu kommen“, erzählt Claudia lächelnd. „Ich tarne den fehlenden Arm etwa mit meinen Haaren, oder gehe bei Fremden stets rechts vorbei. Was ich aber schwer finde, sind die Blicke, die man in einer Menschenmasse oft zugeworfen bekommt.“ Ihr passierte es bereits einige Male, dass wildfremde Menschen sie fragten, wieso sie nur eine Hand habe. „Ignorante und oberflächliche Leute gibt es überall. So gesehen habe ich sogar einen Vorteil – wenn mich Menschen so akzeptieren, wie ich bin, weiß ich zumindest, dass sie echte Freunde sind.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden