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Leserartikel Margarete Frühwirth, 21.09.2016 10:44

PERG. Das Team der Frauenberatung Perg feiert am Donnerstag, 29. September, im Kulturzentrum Perg (KUZ) das zehnjährige Bestehen. Anlässlich des Jubiläums bat Tips die ehemalige Soziallandesrätin und engagierte Obfrau der Frauenberatung, Gertraud Jahn, zum Gespräch.

Das Team der Frauenberatung Perg blickt am Donnerstag, 29. September, beim Jubiläumsfest auf die ersten zehn Jahre des Wirkens im Bezirk Perg zurück.

Tips:Sie haben vor zehn Jahren die Gründung der Frauenberatung Perg initiiert. Welche Motive hatten Sie damals bewegt?

Gertraud Jahn: Damals war Perg einer der wenigen Bezirke wo es noch keine Frauenberatungsstelle gab. Die damalige Frauenreferentin und heutige AMS Perg Geschäftsführerin Christa Hochgatterer wies mich bei einem Gespräch darauf hin, wie wichtig so eine Art von Unterstützung für die Frauen wäre. Bei einer Umfrage zeigte sich dann großes Interesse von Frauen im Bezirk an einer eigenen Frauenberatung und besonders überrascht hat mich, was für eine große Rolle das Thema Gewalt dabei spielte. Es macht mich wirklich stolz, heuer auf 10 Jahre Frauenberatung Perg zurückblicken zu können. Ein Ort, wo Frauen oft weit über einfache Beratung hinaus so weit begleitet werden, dass Sie ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen können, dass sie sich einen neuen, eigenständigen Weg suchen. Ich lade Alle ein, am 29. September um 16 Uhr im KUZ Perg mit uns zu feiern. Auch Frauenministerin Oberhauser und die neue Frauenlandesrätin Birgit Gerstorfer werden dabei sein.

Tips:Was hat sich in den zehn Jahren getan? Worin sehen Sie die wesentlichsten Erfolge?

Gertraud Jahn: Die Frauenberatung ist  zur anerkannten Institution bei den Frauen im Bezirk geworden. Rund 1200 Frauen wurden beraten und begleitet in fast 3.400 Beratungsgesprächen. Dabei hat sich auch eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Behörden im Bezirk entwickelt. Besonders freue ich mich, dass es nun mit dem Sozialhilfeverband Perg gelungen ist, eine Frauenübergangswohnung einzurichten, die Frauen ermöglicht, bei schwierigen Partnerbeziehungen rasch eine vorübergehende Bleibe zu finden. Seit Anbeginn war es uns auch immer ein Anliegen, aktive Integrationsarbeit zu leisten, wie zum Beispiel im Rahmen des EU Projekts „Milli“, das neu zugewanderte Frauen dabei unterstützt, sich rasch in ihrem neuen Heimatland zurechtzufinden. Wir sind aber auch frauenpolitisch aktiv, um die Voraussetzungen für Frauen in der Gesellschaft Stück für Stück zu verbessern, dabei ist auch unser traditionelles „Frauentagsfrühstück“ rund um den 8. März hervorzuheben.

Tips:Sie sind Sozialdemokratin, die Vorstandsmitglieder kommen jedoch aus allen politischen Richtungen. Was sind die Gründe dafür?

Gertraud Jahn: Die Probleme der Frauen die zu uns kommen sind vielfältig und betreffen Frauen aus allen Schichten und unterschiedlichen Lebenswegen. Da dürfen politische Unterschiede keine Rolle spielen und eine solche Einrichtung muss auf stabilen Beinen stehen. Es war mir auch von Anfang an wichtig, die Buntheit von Frauenleben im Vorstand abzubilden - von der Verkäuferin bis zur Architektin, von der Journalistin bis zur Altenpflegerin. So werden viele Sichtweisen eingebracht und das macht uns stark.

Tips:Inwiefern spielt das Bild der Frau im Islam (Burka, Niqab…) in der Frauenberatung Perg eine Rolle?

Gertraud Jahn: Auch zugewanderte Frauen mit islamischer Religion nehmen natürlich die Beratungsleistungen der Frauenberatung in Anspruch. Ob mit oder ohne Kopftuch, islamisch, katholisch oder von einer anderen Religion - die Probleme mit denen Frauen zu uns kommen sind überall ähnlich - familiäre Probleme, Gesundheit, finanzielle Sorgen. Eine vollverschleierte Frau hab ich bei uns noch nie gesehen. Aber wenn man häufig mit zugewanderten Frauen ins Gespräch kommt, hilft das Vorurteile abzubauen. Wenn eine Frau mit Kopftuch im breitesten Mühlviertler Dialekt von ihrer Arbeit als Pflegerin in einem Linzer Krankenhaus erzählt, dann ändert das das Bild in unseren Köpfen!

Tips: Welche Ziele steuert die Frauenberatung in den kommenden Jahren an?

Gertraud Jahn: Inhaltlich sind wir gut aufgestellt. Eine Herausforderung in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist aber immer wieder die finanzielle Absicherung des Vereins. Dabei darf ich mich bei unseren Fördergebern - Bundesministerium für Frauen, Land Oberösterreich Frauen- und Sozialreferat und auch vielen Gemeinden des Bezirks bedanken, die uns immer wieder unterstützen. Wir wollen auch immer wieder Schwerpunkte setzen, wo wir die Frauen mit Vorträgen und Infos unterstützen und auch die Verankerung im wirtschaftlichen und sozialen Netzwerk in Perg soll weiter ausgebaut werden. Wir gehen mit viel Motivation und Zuversicht in die nächsten Jahre!

JUBILÄUMSFEST

Donnerstag; 29. September 2016, Beginn:16 Uhr

Ehrengast: Frauenlandesrätin Birgit Gerstorfer; Festrede: Sonja Ablinger (Obfrau Gewaltschutzzentrum OÖ, Obfrau Österreichischer Frauenring

Musikalischer Rahmen: Lucia Derndorfer mit Band.

Um Anmeldung unter 07262/54484 wird gebeten.


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