Leserbrief zur Unterschriftenaktion rund um die Gedenkstätte in Langenstein

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Mag. Melanie Mai Mag. Melanie Mai, Tips Redaktion, 11.08.2020 07:11 Uhr

LANGENSTEIN. Das Gedenkdienstkomitee Gusen hat sich zur Unterschriftenaktion in der Gemeinde Langenstein geäußert und einen Leserbrief geschickt.

Einige der in dieser Petition geäußerten Bedenken wie z. B. die Angst vor mehr Verkehr in der Siedlung sind nachvollziehbar und müssen geklärt bzw. zu erwartende Probleme müssen gelöst werden. Tatsächliche Belästigungen der Bewohner durch Menschen, die mit Kopfhörern den Stimmen der Überlebenden zuhörend den „Audioweg Gusen“ gehen, sind uns nicht bekannt und nicht gemeldet worden. Ein Touristen-Hot-Spot soll die begehbare Denkmallandschaft Gusen als Rest eines ehemaligen NS-Lagerkomplexes sicher nicht werden, sondern ein Ort des Bedenkens.

Das Hauptproblem liegt in der unkommentierten Veröffentlichung der Machbarkeitsstudie nach einer „Ruhezeit“ von fast zwei Jahren, als man nicht einmal konkret über die drei Vorschläge in dieser von der BIG erstellten Machbarkeitsstudie diskutieren konnte. Die drei Vorschläge werden von der Bevölkerung jetzt als Planung des BMI aufgefasst, was sie nicht sind, sondern eben nur Vorschläge, die eine Diskussionsgrundlage bilden sollen. Es wird fälschlicherweise mündlich kolportiert, dass bewohnte Privathäuser angeblich enteignet werden sollen, von kommenden Touristenströmen ist die Rede, von Hotelbetrieb. Die Anliegen der Bewohner und der Gemeindevertretung von Langenstein sind ernst zu nehmen und in die echte Planung selbstverständlich mit einzubeziehen.

Das Gedenkdienstkomitee Gusen vertritt folgende Interessenspunkte

1. Das Leiden und Sterben von 36.000 registrierten (nach polnischer Zählung 44.000) und unzähliger nicht registrierter Menschen darf nicht vergessen werden und darf auch nicht in einer verallgemeinernden Gesamtdarstellung und Zuordnung zu „Mauthausen“ untergehen. Die Konzentrationslager von Gusen hatten eine andere Zusammensetzung der Gefangenen-Gruppen und daher auch teilweise andere verbrecherische „Zwecke“ , eben die „Vernichtung der polnischen Intelligenz“ von 1940 an, die Vernichtung der republikanischen Spanier, des europäischen Widerstandes aus vielen Ländern, und die Vernichtung der Juden besonders in der Endphase, die Vernichtung von jüdischen Kindern, die Vernichtung der Italiener, die als Verräter des Hitlerbündnisses dargestellt wurden, die Vernichtung großer Massen von sowjetischen Kriegsgefangenen. Daher muss es weitergehende Forschung und Darstellung dieses Leidens und Sterbens in Gusen geben.

2. Die speziellen Orte dieser Verbrechen sind zu schützen, zu kennzeichnen und zugänglich zu machen, daher unterstützt das Gedenkdienstkomitee den Ankauf dieser speziellen Orte und Liegenschaften, soweit diese von den derzeitigen Besitzern angeboten werden. Besonderer Schwerpunkte dieser Verbrechen waren der Appellplatz, heute geteilt unter mehreren Besitzern, die 4 Steinbrüche von Gusen, der Schotterbrecher, das ehemalige „Jourhaus“, in dem sich die Kommandostelle und die Folterkammer der SS befanden. Wenn weitere ehemalige Lagergebäude erworben werden können, so wird dies die riesige Dimension dieses Lagerkomplexes Gusen I und Gusen II vermitteln können. Eine Begehbarmachung dieser Gedenkorte kann durchaus ohne große Zusatzbauten und dermaßen gestaltet werden, dass die Bewohner der Gemeinde Langenstein sich nicht durch „Touristenströme belästigt“ fühlen.

3. Weiters ist unbedingt die gesamte Landschaft Mauthausen - Gusen- St. Georgen als Ort der Verbrechen zu erfassen, zu dokumentieren und den kommenden Generationen eindringlich verständlich zu machen. Derzeit glaubt der nach Mauthausen geführte Besucher, alles Schreckliche der NS-Zeit wäre in „Mauthausen oben auf dem Berg“ geschehen, und dies ist absolut falsch, in der Dimension dem kritischen Denker auch unverständlich. Es geschahen Verbrechen entlang der Schleppbahn, entlang der Straße, beim Bau des heute noch in Verwendung befindlichen Kanal- und Wassersystems, an der „Sandkippe“, in der Sandgrube usw. An der Gusen-Brücke in Wimming erinnert ein eindrucksvolles Denkmal, gestaltet 2002 von Herrn Ing. Rudolf Burger, an die Verbrechen der Massentransporte von und nach Gusen. Nicht alle dieser Orte können mit Denkmälern gekennzeichnet werden, aber es sollte einen Ort der Information und Darstellung geben, an dem die totale Besetzung unserer Region durch die verbrecherische Organisation der SS erfassbar ist. Ein Modell der damaligen Situation „Bergkristall-St. Georgen-Gusen II“ steht im Museum Heimathaus St. Georgen. Eine virtuelle Darstellung der gesamten Region ist unbedingt anzustreben, z. B. im neuen Haus der Erinnerung in St. Georgen, aber auch in der Gedenkstätte Mauthausen selbst, letztendlich auch im neuen „Haus der Geschichte“ in Wien. Wie gefahrvoll und eingeschränkt das Leben in und außerhalb der Konzentrationslager unter der „Krake“ der alles kontrollierenden NS-Herrschaft einst war, sollte zum Ausdruck kommen.

Leserbrief von Martha Gammer, Gedenkdienstkomitee Gusen

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