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PERG. Die Obfrau der Union Höherer Schüler Perg (UHS), Katharina Abenteuer, befindet sich wie viele andere im Maturajahr. Im Tips-Gespräch erzählt sie, mit welchen Herausforderungen sie im Schulalltag konfrontiert ist und was an der Krise positiv ist.

Die 19-jährige Katharina Abenteuer freut sich auf die nun anstehende Matura. (Foto: Abenteuer)
Die 19-jährige Katharina Abenteuer freut sich auf die nun anstehende Matura. (Foto: Abenteuer)

Tips:Als Obfrau der UHS Perg kommen viele Schüler mit Problemen zu dir. Welche sind das?

Abenteuer: Egal ob es um die Notenfindung, schulrechtliche Fragen, das Abhalten von Schularbeiten oder Konflikte mit Lehrpersonen geht – die Probleme, die mich täglich erreichen, sind unglaublich vielfältig. Vor allem die quälende Ungewissheit und die fehlende Planungssicherheit erschweren den Schulalltag und auch die Arbeit vieler Schülervertreter, welche trotz der Bedingungen Großartiges leisten! Auch haben viele Schüler mit einem Lerndefizit zu kämpfen bzw. machen sich die psychischen Folgen des Lockdowns bemerkbar.

Tips:Wie groß war die Freude auf den Präsenzunterricht?

Abenteuer: Gigantisch! Nach endloser Selbstisolation konnten wir es kaum erwarten, unsere Mitschüler wieder zu sehen und etwas Normalität zurückzuerlangen. Auch wenn wir bis jetzt wegen des Schichtbetriebs nur die Hälfte der Klasse wiedertreffen konnten, war diese Entscheidung wichtig, um für Abwechslung im monotonen Corona-Alltag zu sorgen und etwaige Lernlücken beseitigen zu können.

Tips:Du befindest dich ja heuer im Maturajahr. Wie geht es dir damit?

Abenteuer: Ich bin sehr erleichtert, dass seitens der Regierung Erleichterungen angekündigt worden sind. Diese waren notwendig, wenn man bedenkt, dass wir uns fast ein Jahr zu Hause befanden und uns vieles im Alleingang erarbeiten mussten. So schenkt uns das Engagement der Lehrkräfte, die uns trotz der fehlenden Präsenzzeit bestmöglich auf die Reifeprüfung vorzubereiten versuchen, enorme Zuversicht.

Tips:Wie motivierst du dich in dieser Zeit zu lernen?

Abenteuer: Der Fakt, dass ich mich auf der Zielgeraden befinde, motiviert mich enorm. Es ist ein tolles Gefühl, die Schularbeiten an einer Hand abzählen zu können und dass das Ziel, auf das man jahrelang hingearbeitet hat, nun näher rückt.

Tips:Wie stehst du zur Freiwilligkeit der mündlichen Matura?

Abenteuer: In einer außergewöhnlichen Zeit erfordert es außergewöhnliche Maßnahmen! Da sich die Maturanten in diesem Jahr nicht wie gewohnt vorbereiten konnten, war die Regelung der freiwilligen mündlichen Matura auf jeden Fall eine faire Lösung.

Tips: Hast du das Gefühl, bei diesem großen Lebensabschnitt etwas zu verpassen? Im Sinne von Maturaball oder -reise?

Abenteuer: Ja, leider hat uns das Coronavirus sehr viel genommen, das nicht mehr zurückzuholen ist. Mein 18. Geburtstag fiel leider bereits in den ersten Lockdown und ich konnte deswegen nie feiern. Unseren Maturaball mussten wir schweren Herzens absagen und die Maturareise ins Ausland ist heuer leider ebenfalls nicht denkbar. Da mein 19. Geburtstag in diesem Monat wieder ins Wasser fiel, blicke ich voller Zuversicht auf meinen 20er, den ich umso ausgiebiger feiern werde!

Tips: Gibt es Dinge, die Schüler heuer mehr oder besser gelernt haben als die Generationen davor?

Abenteuer: Ich bin mir sicher, dass meine Generation wesentlich früher Verantwortung übernehmen musste. Während die Generation davor ein unbeschwertes, sorgenloses Jugendleben genießen konnte und einen fließenden Übergang zwischen Kind-, Jugend- und Erwachsensein hatte, war für uns von einem auf den anderen Tag die Leichtigkeit des Jugendlebens dahin.

Tips:Schlagwort: verlorene Generation. Siehst du deine Generation als verloren?

Abenteuer: Nein. Ich denke nicht, dass wir eine verlorene Generation sind, sondern eher eine, die viel „verloren“ hat, aber auch reichlich Neues dazulernen konnte. Die Lerndefizite, die entstanden sind, kann man nachholen. Doch die Fähigkeiten, welche wir uns aneignen mussten, wie Selbstständigkeit, Verantwortung, Organisation, begleiten uns unser restliches Leben und davon werden wir profitieren. Uns als „verlorene Generation“ zu bezeichnen, finde ich in keiner Weise zutreffend geschweige denn richtig.

Tips:Wie geht es dir psychisch mit den Lockdowns?

Abenteuer: Selbstverständlich stellt das Coronavirus vor allem für meine Generation eine enorme Belastung dar. Obwohl ich grundsätzlich ein optimistischer Mensch bin, zerren die ständigen Rückschläge am Nervenkostüm. Die schmale Gratwanderung zwischen Zuversicht, Lockdowns, sinkenden und steigenden Zahlen, Mutationen, Impfstoffversprechen und den Impf-Engpässen führt zu einem Wechsel aus Hoch und Tief der Emotionen und ist keineswegs förderlich für das Wohlbefinden.

Tips:Wie sieht dein Leben nach der Matura aus?

Abenteuer: Ich habe schon sehr lange vor, dass ich Mathematik und Sport auf Lehramt in Wien studieren möchte. Ich freue mich auf viele Präsenzstunden an der Uni und ein hoffentlich normales Studentenleben. Somit ist meine Schulzeit nicht vorbei, sondern startet wieder aus einer anderen Perspektive.

Tips:Was nimmst du dir von Corona für dein weiteres Leben mit?

Abenteuer: Dass nichts selbstverständlich ist, wir jeden Moment in unserem Leben genießen müssen und dafür dankbar sein sollten. Das Coronavirus hat uns gezeigt, wie schnell sich unser Leben schlagartig ändern kann – also nicht jammern, sondern im Hier und Jetzt leben!


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