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GREIN. „Meine Eltern waren ein außergewöhnliches Paar“, erzählt Erika Harringer die Geschichte ihrer Eltern. Vor 47 Jahren verunglückte ihr Vater Leopold aus Grein mit dem Traktor. Seither war er querschnittsgelähmt und auf die Hilfe seiner Frau, Zäzilia Augustine Perger, angewiesen. Sie wurde nun mit dem Titel „Pflegerin mit Herz“ geehrt.

Zäzilia Augustine Perger kümmerte sich jahrzehntelang liebevoll um ihren Ehemann Leopold. Sie ist eine wahre „Pflegerin mit Herz“. (Foto: Perger)

„Denk nicht so oft an das, was du nicht hast, sondern an das, was du hast. Dieser Spruch hat mich in den vergangenen Jahrzehnten begleitet und mir durch herausfordernde Zeiten geholfen. Nach dem Unfall meines Mannes war es für mich klar, dass ich mich um ihn kümmern werde. Heute bin ich dankbar für die gemeinsame Zeit, die wir hatten“, sagt Zäzilia Augustine Perger, die in der Kategorie „Pflegende Angehörige“ ausgezeichnet wurde. Insgesamt gab es 630 Nominierungen und drei Gewinner aus Oberösterreich.

Immer das Positive sehen

„Trotz der herausfordernden Situation sind meine Eltern nicht verbittert geworden“, erzählt Tochter Erika. Der Traktorunfall von Leopold ließ die Welt der Familie zusammenbrechen. „Ich war zwei Jahre alt und meine Mutti 32, als mein Vater mit dem Traktor auf steilem, nassem Gelände ins Rutschen kam“, erinnert sich die Tochter zurück. Ihre Mutter stand quasi über Nacht mit ihren damals vier Kindern und einer Nebenerwerbslandwirtschaft mit zehn Kühen alleine da. „Schon damals kämpfte sich mein Vater mit seinem starken Willen aus dem Koma zurück ins Leben. Dabei hat er seine Fröhlichkeit, seine positive Einstellung und seinen Glauben nie verloren. Und doch hat sich von gestern auf heute in der Familie alles geändert“, setzt Harringer fort.

Bemerkenswert fand die Tochter immer, dass beide Elternteile stets das Positive sahen. Doch das Schicksal hielt für die Familie weitere Prüfungen bereit: Anna, eine weitere Tochter, verstarb unerwartet vor fünf Jahren. Und vor zehn Jahren stürzte Leopold und erlitt einen Schulterbruch, von dem er sich nie mehr ganz erholte. Seither saß er im Rollstuhl und war ein Pflegefall. „Er war ein wacher Geist gefangen in einem Körper, der nicht mehr funktionierte“, sagt seine Tochter Erika.

Für Zäzilia Augustine Perger war die Pflege ihres Mannes zur Lebensaufgabe geworden. Eine 24-Stunden-Betreuerin unterstützte die 78-Jährige zum Schluss, sodass der Alltag eine Spur leichter war. „47 Jahre lang ertrug mein Vater sein Schicksal mit Würde. Dank der liebevollen Pflege von meiner Mama Augustine blieb diese Zeit für ihn lebens- und liebenswert, bis er im Februar verstarb“, sagt Harringer wehmütig.

Mit der Geschichte anderen Mut machen wollen

Weil Harringer mit der Geschichte ihrer Eltern anderen Betroffenen Mut machen wollte, machte sie bei der Ausschreibung der Caritas-Servicestelle für pflegende Angehörige mit. „Wir haben aufgerufen, den Alltag von Betroffenen – mit allen Herausforderungen, schönen und schweren Momenten aufzuzeigen. Es sind zahlreiche berührende Geschichten eingetroffen, die einen Einblick in das Leben von pflegenden Angehörigen geben“, sagt Stefanie Weigerstorfer, Leiterin der Caritas-Servicestelle für pflegende Angehörige.

Der Verein „Pfleger mit Herz“ wurde vom Wiener Städtischen Versicherungsverein und der Wiener Städtischen Versicherung ins Leben gerufen und setzt sich seit 2012 für Menschen aus dem privaten und beruflichen Pflegebereich ein.


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