Jägerin aus Leidenschaft im Tips-Gespräch: „Im Mittelpunkt der Handlungen steht immer die enge Beziehung zur Natur“
BAUMGARTENBERG. Die Jagd ist längst nicht mehr das alleinige Betätigungsfeld der Männer, die Jagd wird weiblicher. Über 20.000 Jägerinnen und Jäger üben in Oberösterreich das Weidwerk aus, der Frauenanteil liegt bei rund 10 Prozent – die Tendenz ist steigend. Tips hat eine Jägerin besucht, die trotz ihres jungen Alters (30) schon über reichlich Erfahrung verfügt und in der Region auch als Ausbildnerin tätig ist.

Tips: Wie ist deine Leidenschaft für die Jagd entstanden beziehungsweise ab wann hast du dich dafür entschieden Jägerin zu werden?
Magdalena Froschauer: Wie bereits meine Eltern bin auch ich in einer Jägerfamilie groß geworden. Dadurch wurde mir die Jagd sowohl durch meine Großväter, besonders aber durch meinen Vater, in die Wiege gelegt. So war ich bereits in Kindestagen viel mit ihm im Revier unterwegs. Nach und nach ist das Interesse daran auch bei mir immer größer geworden und ich hab mich schließlich 2014 dazu entschieden parallel zu meinem letzten Semester an der Wirtschaftsuni Wien daheim im Bezirk Perg den Jagdkurs zu machen.
Tips: Studienabschluss in Wien und Jagdkurs daheim im Bezirk – das hört sich nach Stress an?
Froschauer: Nachdem ich die meisten Prüfungen und Kurse bereits abgeschlossen hatte, konnte ich dennoch viel Zeit in das Vorbereiten auf die Jungjägerprüfung investieren. Da ich kaum mehr Präsenztermine an der Wirtschaftsuni Wien hatte, konnte ich auch fast alle Termine während des fünfmonatigen Jagdkurses in Perg wahrnehmen. Für mich war es wichtig, den Jagdkurs in meiner Heimat im Bezirk Perg zu absolvieren. Die Kursinhalte waren eine interessante Abwechslung und der perfekte Ausgleich zu meinem Studienprogramm. Besonders gefreut habe ich mich nach der bestandenen Prüfung aber über die ersten Jagderlebnisse sowohl mit meinem Großvater als auch mit meinen Eltern.
Tips: Was fasziniert dich seither besonders an der Jagd?
Froschauer: Eigentlich ist es die gesamte Vielfalt an Aufgaben, in deren Mittelpunkt immer die enge Beziehung zur Natur steht. Es dreht sich vieles um das Schaffen beziehungsweise Erhalten von Lebensräumen für Wild, sowie um Arten- sowie auch Umweltschutz. Auch Aufklärung und Sensibilisierung der Mitmenschen für die Lebensräume der Tiere gehört zu den Aufgaben. Auch wenn es nicht im Mittelpunkt steht, natürlich aber auch das Schießen. Ich jage gerne und bin mittlerweile auch mit der Verarbeitung von Wildbret vertraut. Gesundes Fleisch, noch dazu aus der unmittelbaren Umgebung – natürlicher geht es kaum.
Tips: Historisch betrachtet wird das Jagen in erster Linie Männern zugeschrieben. Wie wurdest du als Frau in die weitgehend männerdominierte Jagdgemeinschaft aufgenommen?
Froschauer: Da gab es für mich absolut keine Startschwierigkeiten. Als ich dazugekommen bin, waren in meinem Heimatrevier in Baumgartenberg bereits andere Jägerinnen tätig und ich hab mich eigentlich von Beginn an sehr wohl gefühlt. Sollte jemand Vorurteile gehabt haben, so hab ich auf jeden Fall nichts davon mitbekommen. Wir Jägerinnen übernehmen die gleichen Aufgaben wie die Männer und ja – wir schießen auch. Bei der Ausübung des Waidwerkes gibt es meiner Meinung nach keine geschlechterspezifischen Unterschiede, jedoch sehr wohl persönliche. Jede Jägerin und jeder Jäger hat einen eigenen individuellen Zugang zur Jagd und den damit verbundenen Aufgaben.
Tips: Du gibst ja mittlerweile als Ausbildnerin und Jagdkursleiterin dein Wissen an andere Jungjägerinnen weiter. Welche Grundvoraussetzungen sollte jemand mitbringen, der sich dieser Aufgabe widmen möchte beziehungsweise wie genau wird man zur Jungjägerin beziehungsweise zum Jungjäger?
Froschauer: Grundsätzlich sind keine Vorkenntnisse nötig. Um zur Jagdprüfung antreten zu dürfen, muss man das 16. Lebensjahr vollendet haben. Bezüglich des Alters ist die Bandbreite sehr weit, beim diesjährigen Kurs sind unter den Teilnehmern einige junge Menschen bis hin zu Jungpensionisten, die sich für ihre Freizeit ein neues Betätigungsfeld schaffen wollen. Zwölf der diesjährigen 45 Teilnehmer sind übrigens weiblich – das bestätigt auch bei uns im Bezirk Perg das gestiegene Interesse von Frauen an der Jagd.


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