"Es ist ein unvergleichliches Gefühl, wenn man aus dem kalten Wasser steigt"
SCHWERTBERG. Minusgrade, Eis am Ufer, Dampf über dem Wasser – und mittendrin Matthias Schinnerl. Eisbaden ist seine Leidenschaft.
Sätze wie „Zieh dich warm an, sonst verkühlst du dich“ oder „Ohne Jacke gehst du mir nicht aus dem Haus“ kennen wohl viele noch aus ihrer Kindheit. Umso erstaunlicher wirkt es, dass immer mehr Menschen im Winter bei Minusgraden freiwillig ins eiskalte Wasser steigen. Das „Eisbaden“ hat sich zu einem echten Trend entwickelt. Einer, der sich regelmäßig ins Eiswasser wagt, ist der 38-jährige Matthias Schinnerl aus Schwertberg. „Es ist ein unvergleichliches Gefühl, wenn man aus dem kalten Wasser steigt“, erklärt Schinnerl. „Die Haut prickelt, man spürt den Körper unglaublich intensiv und die Dopaminausschüttung sorgt für ein Gefühl von Glück, Euphorie und Lebendigkeit.“
Staunen und Schmunzeln
Wie Schinnerls Umfeld reagiert hat, als er vor etwa zwei Jahren mit dem Eisbaden begann? „Einige waren sofort neugierig und wollten es selbst einmal ausprobieren. Andere hingegen konnten bis heute nicht wirklich nachvollziehen, warum ich freiwillig in so kaltes Wasser steige“, erzählt der Schwertberger. Auch Passanten reagieren unterschiedlich auf den Eisbader: „Manche bleiben stehen und beobachten neugierig, andere zücken auch schon einmal ihr Handy und machen ein Foto.“
Ein gesundheitsförderndes Winterhobby
Einmal pro Woche geht Matthias Schinnerl eisbaden. Ein fixer Bestandteil seines Alltags sind auch tägliche Atemübungen, kaltes Duschen und die bewusste Arbeit am eigenen Mindset – die zentralen Säulen der sogenannten Wim-Hof-Methode. Diese Methode verspricht unter anderem eine Stärkung des Immunsystems, erhöhte Stressresistenz, gesteigerte Energie sowie Konzentration, entzündungshemmende Effekte und eine verbesserte mentale Stärke. „Nachdem ich die positiven Auswirkungen selbst immer mehr gespürt habe, wollte ich meine Erfahrung auch an andere weitergeben“, so Schinnerl. Er absolvierte die Ausbildung zum Wim-Hof-Methode-Instruktor und bietet seit mehr als einem Jahr selbst Workshops an.
Wenn sich der Körper an die Kälte gewöhnt
„Nach ungefähr zwei Minuten im Eiswasser hat sich der Körper an die Kälte angepasst, und dann kann man das Eisbad richtig genießen“, erklärt der Schwertberger. Er selbst geht meistens nach etwa drei bis vier Minuten wieder aus dem Wasser – war aber auch schon deutlich länger im Eisbad. „Wichtig ist, dass längere Zeiten nur für erfahrene Eisbader geeignet sind, denn es kann sehr schnell zu einer lebensgefährlichen Unterkühlung kommen.“ Generell weist Schinnerl darauf hin, dass Anfänger niemals alleine eisbaden sollten. Er selbst badet am liebsten in Naturgewässern, besonders die Aist hat es ihm angetan. Aus praktischen Gründen, um noch flexibler eisbaden zu können, hat Schinnerl auch ein kleines Eisbecken in seinem eigenen Garten errichtet.
Keine neue Erfindung
Eisbaden gewinnt vorwiegend durch Social Media stetig an Popularität. Matthias Schinnerl stellt aber klar, dass die gesundheitlichen Vorteile kalten Wassers keineswegs neu sind. Kälteanwendungen hätten eine lange Tradition: „Schon seit Jahrhunderten nutzen Menschen bewusst Temperaturreize, um Körper und Geist zu stärken.“ Ein bekanntes Beispiel ist das Kneippen nach Sebastian Kneipp, bei dem wechselnde Wassertemperaturen gezielt eingesetzt werden, um die Gesundheit zu fördern.
„Es ist einfacher, als man im Vorfeld denkt“
Der verheiratete, zweifache Vater bietet Wim-Hof-Methode-Workshops in und rund um Schwertberg an. Die Teilnehmer sind jung bis alt – das Interesse am Eisbaden ziehe sich durch alle Altersgruppen. Nach dem Eisbaden wird der Körper aktiv bewegt, sodass sich das Blut aus den Armen und Beinen langsam wieder erwärmt, bevor es in den Körperkern zurückfließt. „Die Aufwärmphase dauert so lange, bis man sich wieder angenehm warm fühlt“, betont der geübte Eisbader. Eine Rückmeldung, die Schinnerl nach seinen Kursen häufig zu hören bekommt: „Eigentlich ist Eisbaden gar nicht so schwierig, wie man im Vorfeld denkt.“
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