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Denkmalschutz bremst Umgestaltungspläne in der Kaffeesiederei Blumensträußl in Grein

Jennifer Wiesmüller, 20.02.2026 11:34

GREIN. Wie ein Leser der Tips-Redaktion mitteilte, sorgte zuletzt die Zukunft der Kaffeesiederei Blumensträußl für Gesprächsstoff in Grein.

Denkmalschutz schlägt Umgestaltungspläne in der Kaffeesiederei Blumensträußl. (Foto: Tips)
Denkmalschutz schlägt Umgestaltungspläne in der Kaffeesiederei Blumensträußl. (Foto: Tips)

Die Kaffeesiederei Blumensträußl befindet sich in einem jahrhundertealten Bürgerhaus am Stadtplatz in Grein. Das traditionsreiche Lokal ist weit über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt, nicht zuletzt wegen seiner österreichweit einzigartigen Biedermeiereinrichtung. Damit gilt das Biedermeier-Kaffeehaus als kulturelles Juwel. Zuletzt kündigte der Lokalbetreiber an, nach einem Betriebsurlaub am 27. März in seinem Kaffeehaus ein Bistro eröffnen zu wollen. Diese Pläne wurden jedoch ausgebremst: Laut einem Bescheid aus dem Jahr 1972 stehen Haus und Einrichtung im Biedermeier-Kaffeehaus unter Denkmalschutz. 

„Einzigartiges Interieur“

Bei dem Bauwerk im Zentrum von Grein handelt es sich um ein bedeutendes breitgelagertes Eckhaus, das ursprünglich aus zwei Gebäuden bestand. In seinem Kern dürfte das Objekt gotischen Ursprungs sein, während die Fassade im 18. Jahrhundert eine umfassende Neugestaltung erfahren hat. Die Ausstattung und Gestaltung der Kaffeesiederei Blumensträußl ist knapp vor 1931 entstanden und dem Architekten Miklós Bukovics (Budapest 1871 – 1957 Waidhofen/Ybbs) zuzuschreiben. „Diese Möblierung ist in biedermeierlichen Formen entworfen worden, was in jener Ära äußerst populär war“, erklärt Daniel Resch, Landeskonservatorat für Oberösterreich. „Das künstlerisch qualitätvolle und in seiner hochwertigen Ausführung wertvolle Interieur der Kaffeesiederei Blumensträußl, ist nach aktuellem Kenntnisstand, einzigartig. Derzeit sind keine anderen vergleichbaren Ausstattungen von Miklós Bukovics aus dieser Zeit bekannt.“

Keine Genehmigung vom Bundesdenkmalamt

Die Pläne des Lokalbetreibers, in der Kaffeesiederei Blumensträußl ein Bistro zu errichten, wurden beim Bundesdenkmalamt angezeigt. „Das Vorhaben einer angedachte Veränderung der Kaffeesiederei Blumensträussl war uns bis Donnerstag vergangener Woche nicht bekannt. Da bislang keine Befassung des Bundesdenkmalamtes in eine Umgestaltung des Schubertzimmers in der Kaffeesiederei Blumensträußl in Grein erfolgt ist, gibt es aktuell dafür auch keine Genehmigung vom Bundesdenkmalamt“, so Resch.

Ortsaugenschein in Grein

Das Bundesdenkmalamt führte unverzüglich einen Ortsaugenschein in Grein durch. „Dabei konnte festgestellt werden, dass bislang keine baulichen Veränderungen durchgeführt wurden. Hinsichtlich der wertvollen Ausstattung laufen noch unsere Erhebungen. Im Zuge des Augenscheins wurde der Eigentümer selbstverständlich auf die denkmalbehördliche Bewilligungspflicht bei Veränderungen des Denkmals hingewiesen“, betont Resch.

Umgestaltungspläne ausgebremst

Die geplanten Umgestaltungs-Arbeiten dürften damit vorerst auf Eis liegen. Die Entscheidung des Bundesdenkmalamts, in wie weit eventuelle Veränderungen am bisherigen Bestand keine negativen Auswirkungen auf die Denkmaleigenschaften des Objekts nach sich ziehen, könne noch nicht vorweggenommen werden und sei erst nach einem ordnungsgemäßen behördlichen Verfahren zu treffen.

„Wurde in keiner Weise informiert“

Im Zuge der Berichterstattung meldete sich auch Robert Dirschmid zu Wort. Er ist Miteigentümer des Hauses am Stadtplatz in Grein, worin sich die Kaffeesiederei Blumensträußl befindet: „Ich wurde vom Miteigentümer betreffend der Umgestaltung in den Innenräumen in keiner Weise informiert“, betont Dirschmid. „Über die Eingriffe in dieses historische und denkmalgeschützte Interieur wurde ich über umlaufende Gerüchte aufmerksam und habe sofort mit einem E-Mail und Brief an den Miteigentümer reagiert. Der Kaffeehausbetreiber hat das Bundesdenkmalamt über seine gravierenden Eingriffe in das denkmalgeschützte Interieur nicht informiert. Das Bundesdenkmalamt hatte von diesem Vorhaben daher auch keine Kenntnis. Das Denkmalamt wurde in einer Art Notfall mit einer Anzeige informiert. Darauf hat das Denkmalamt sofort mit einem Lokalaugenschein am 12. Februar reagiert. Das Bürgerhaus Kaffeesiederei Blumensträußl steht seit 1972 unter Denkmalschutz. Ein wesentlicher Bestandteil im Bescheid ist der Hinweis auf die Erhaltung des historischen Interieurs. Der bestehende Pachtvertrag hat für den Kaffeehausbetreiber folgende Klausel: ‚Der Pächter hat das Pachtobjekt Kaffeesiederei Blumensträußl in der bisherigen Form als Biedermeierkaffee zu erhalten und es ist ihm untersagt, in den Gasträumen irgendwelche Veränderungen vorzunehmen. Der Pächter pachtet das Pachtobjekt zum Betrieb eines Kaffeehauses in der Form, wie es bisher geführt wurde‘.“

Update Montag, 23. Februar

Der Betreiber der Kaffeesiederei Blumensträußl, Klaus-Dieter Heilmann, hat am Montag, 23. Februar seine Stellungnahme an die Tips-Redaktion übermittelt. Mehr Infos: Nach Anzeige beim Bundesdenkmalamt – Betreiber der Kaffeesiederei Blumensträußl nimmt Stellung


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