Gusen bekommt mehr Raum für Natur und Hochwasserschutz
ST. GEORGEN/GUSEN. Oberösterreich steht entlang von Flüssen und Bächen vor der Aufgabe, Hochwasserschutz und Naturschutz zu verbinden. Moderne Maßnahmen setzen daher auf eine Kombination aus technischem Schutz und naturnaher Gewässerentwicklung. Wie das in der Praxis funktioniert, zeigt sich an der Gusen in St. Georgen an der Gusen.

„Wir wissen, dass angesichts der Klimakrise Starkregen- und Unwetterereignisse zunehmen werden. Damit steigt auch die Gefahr vor Hochwasser“, betont Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder (GRÜNE). „Die Fehler aus der Vergangenheit holen uns hier ein: Für den Siedlungsbau und die Landwirtschaft haben wir unsere Flüsse an vielen Stellen in ein enges Korsett gezwängt. Um die Menschen und unsere Infrastruktur zu schützen, müssen wir daher weiter massiv in Renaturierung, aktiven Hochwasserschutz und Flusspflegemaßnahmen investieren.“ Die Klimakrise sei in der Gusen bereits messbar: Eine Langzeitstudie des Landes Oberösterreich zeigt, dass sie sich in den vergangenen 40 Jahren um 2,37 Grad Celsius erwärmt hat.
Zurück zur Natur
Die Renaturierung an der Gusen setzt gezielt dort an, wo der Fluss durch frühere Regulierungen an Vielfalt und Dynamik verloren hatte: Auf rund 1,2 Kilometern wurde das Abflussprofil erweitert und dem Gewässer wieder mehr Raum gegeben. Durch das Versetzen von Uferböschungen entstanden Aufweitungen von bis zu 25 Metern. Neue Schotterbänke und Rohbodenbereiche, flache Vorländer sowie Insel- und Uferzonen geben der Gusen wieder eine abwechslungsreiche, lebendige Form. Zusätzlich wurden Seitenarme mit einer Gesamtlänge von rund 230 Metern angelegt, die ruhige Rückzugsräume bieten und die ökologische Durchgängigkeit sowie die Lebensraumqualität deutlich erhöhen. Struktur- und Lenkungselemente sorgen zudem für mehr Strömungsvielfalt, Tiefenwechsel und naturnahe Uferformen. Die Maßnahmen wurden so umgesetzt, dass Hochwasserschutz und Pflege weiterhin funktionieren.
Pflege und Sicherung des Hochwasserschutzes
Nach den Hochwasserereignissen der vergangenen Jahre hat sich vor allem im Teil der Ortsregulierung der Gusen in St. Georgen an der Gusen vermehrt Feinsediment abgelagert. Dadurch verringerte sich die Abflusskapazität, sodass das Schutzziel für ein hundertjährliches Hochwasser nicht mehr vollständig gewährleistet war. Im Auftrag der Gemeinde entfernt der Gewässerbezirk Linz daher rund 10.000 Kubikmeter Sediment, um die Hochwassersicherheit wiederherzustellen. Vor Baubeginn wurde eine Fischbergung vorgenommen, um den Eingriff so schonend wie möglich umzusetzen. Zudem werden vorhandene ingenieurbiologische Ufersicherungen und Einbauten freigelegt, kontrolliert und anschließend wiederhergestellt. Eingriffe in den Uferbewuchs erfolgen nur dort, wo sie für die Durchführung unbedingt erforderlich sind; nach Abschluss werden beanspruchte Bereiche wieder begrünt und durch Ersatzpflanzungen ökologisch aufgewertet.
Die Arbeiten erfolgen in zwei Abschnitten. Der erste Abschnitt wird derzeit abgewickelt, der zweite Abschnitt im Bereich des Sportplatzes folgt im kommenden Winter. Die Gesamtkosten betragen rund 240.000 Euro und werden zu je einem Drittel von Bund, Land OÖ und Gemeinde St. Georgen getragen.
„Schutz der Bevölkerung hat oberste Priorität“
„Für uns als Gemeinde hat der Schutz der Bevölkerung oberste Priorität. Umso wichtiger ist es, dass wir an der Gusen nicht nur kurzfristig reagieren, sondern vorausschauend handeln. Mit der Renaturierung haben wir der Gusen nicht nur mehr Platz für Lebensraum der Natur und Fischen gegeben, wir haben auch ein kleines Naherholungsgebiet für die St. Georgener geschaffen. Mit der gezielten Räumung sichern wir die Abflusskapazität dort, wo sie für den Hochwasserschutz entscheidend ist“, bedankt sich Bürgermeister Andreas Dernt (ÖVP) auch für die gute Zusammenarbeit zwischen dem Land Oberösterreich und Gemeinde.


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