Hebamme Jennifer Schaurhofer – "Ich könnte den ganzen Tag über meinen Beruf sprechen“
SCHWERTBERG. Auf der ganzen Welt wird am 5. Mai der Internationale Tag der Hebamme gefeiert. Eine gute Gelegenheit, um dieser Berufsgruppe besonderer Aufmerksamkeit zu schenken. Tips hat Hebamme Jennifer Schaurhofer (25) aus Schwertberg zum Gespräch gebeten.

„Ich wollte schon als Kind Hebamme werden“, erinnert sich Jennifer Schaurhofer. Damals sei es wohl vorrangig die Begeisterung für Neugeborene gewesen, die diesen Berufswunsch prägte. „Auch wenn meine Vorstellungen von den Tätigkeiten einer Hebamme damals nicht viel mit der Realität zu tun hatten – im Beruf der Hebamme stehen in erster Linie nämlich die Frauen im Vordergrund, und nicht die Babys – hat sich mein Kindheitstraum doch erfüllt.“ Im Jahr 2023 schloss sie ihr Hebammenstudium an der Fachhochschule Oberösterreich am Standort Linz ab. Seither begleitet sie Familien einfühlsam und fachkundig durch eine der prägendsten Phasen ihres Lebens. Neben ihrer Tätigkeit im Krankenhaus ist sie auch freiberuflich als Hebamme aktiv. Ab Mai 2026 wird Jennifer Schaurhofer zudem im neuen Primärversorgungszentrum in Schwertberg tätig sein und ihre Expertise einbringen. Zum Zeitpunkt des Interviews hat Jennifer Schaurhofer bereits rund 250 Geburten begleitet. „Ich zähle mit“, merkt die sympathische Schwertbergerin schmunzelnd an. Die Verteilung zwischen Mädchen und Buben sei dabei in etwa ausgeglichen.
Nah an der Seite der Frau
Jennifer Schaurhofer ist von der Wichtigkeit des Hebammendaseins überzeugt: „Eine Geburt ist ein sehr einschneidendes Ereignis. Als Hebamme ist es unsere Aufgabe, die Frau gut aufzuklären und ihr genau zu erklären, was passiert. Die Frau befindet sich während des Geburtsprozesses in einem Ausnahmezustand – man muss sie dort abholen, wo sie steht, und sie bestmöglich begleiten. Eine Geburt kann sich ganz anders anfühlen, wenn man jemanden an seiner Seite hat, dem man vertraut“, erklärt Jennifer Schaurhofer. „Als Hebamme hat man einen besonderen Bezug zu den Frauen. Wir sind näher an ihnen dran als anderes Krankenhauspersonal, da wir uns in der Regel einer Frau durchgängig widmen, während zum Beispiel Ärzte meist nur punktuell dazukommen.“ Ein wichtiger Aspekt der Hebammen-Tätigkeit sei es zudem, Frauen in ihrem Selbstvertrauen zu stärken und sie zu ermutigen, auf ihre Intuition zu hören.
„Eine Achterbahn der Gefühle“
„Eine Geburt bewegt einen jedes Mal aufs Neue, auch wenn man den Prozess schon oft erlebt hat“, betont Jennifer Schaurhofer. „Während eines Dienstes im Krankenhaus durchläuft man häufig eine Achterbahn der Gefühle.“
Bestärkt wird sie in ihrer Arbeit vor allem durch die Dankbarkeit der Familien. „Für Familien ist eine Geburt mit enormen Veränderungen verbunden. Nicht nur während der Geburt selbst, sondern auch davor und danach bringen sie ihre Dankbarkeit sehr deutlich zum Ausdruck, das gibt Kraft. Nach einer abgeschlossenen Betreuung bekommt man später oft auch das eine oder andere Foto zugeschickt“, erzählt die 25-Jährige.
Geschichten, die bewegen
Jennifer Schaurhofer verschweigt jedoch nicht, dass der Beruf der Hebamme auch belastende Seiten mit sich bringt: „Der Schichtbetrieb ist sehr anstrengend. Und auch wenn man selbst einmal einen schlechten Tag hat, muss man für die Familien immer funktionieren. Außerdem ist eine Geburt nicht immer nur schön – es gibt Geschichten, bei denen man mitleidet, und man muss lernen, damit umzugehen.“ Jennifer Schaurhofer habe auch immer wieder mal das Gefühl, Hebammen würden von der Politik vergessen werden: „Es gibt nur wenige Hebammenstellen in den Krankenhäusern. Frisch ausgebildete Hebammen finden nach dem Studium teilweise nur schwer eine Anstellung in den Kreißsälen. Auch über die Finanzierung der Hebammenberatung im Rahmen des Mutter-Kind-Passes wird immer wieder diskutiert.“
Von der Schülerin zur Hebamme
Jennifer Schaurhofer ist überzeugt, dass der Beruf der Hebamme der richtige für sie ist. Während ihrer Ausbildung hatte sie jedoch auch Phasen des Zweifelns: „Als junger Mensch im Praktikum blickt man zu den erfahrenen Kolleginnen im Krankenhaus auf und fragt sich, wie man jemals so werden soll wie sie. Aber das kommt mit der Zeit, und Zweifel gibt es bestimmt in jedem Beruf.“
Wer Hebamme werden möchte, sollte sich ihrer Meinung nach im Vorfeld intensiv mit dem Berufsbild auseinandersetzen: „Kommt man mit dem Schichtbetrieb zurecht? Hält man der emotionalen Belastung stand?“ – Fragen wie diese gelte es sich zu stellen. Zudem sei es wichtig, Schnupperdienste zu absolvieren, um bereits im Vorfeld möglichst viele praktische Einblicke zu sammeln.
Mehr als ein Beruf
Eines ist sich Jennifer Schaurhofer jedoch sicher: „Um eine gute Hebamme zu sein, braucht es Leidenschaft – anders geht es nicht. Wenn man diese Leidenschaft nicht mitbringt, hält man dem Beruf auf Dauer nicht stand, glaube ich.“
Auch in ihrer Freizeit beschäftigt sich die 25-Jährige intensiv mit ihrem Beruf: „Ich lese und höre wahnsinnig viel zu diesem Thema.“ Auch Weiterbildungen sind für Jennifer Schaurhofer ein fixer Bestandteil des Alltags. „Ich könnte den ganzen Tag über meinen Beruf sprechen“, meint sie abschließend.


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