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Materielle Überreste erzählen in der neuen Sonderausstellung an der KZ-Gedenkstätte Mauthausen

Jennifer Wiesmüller, 29.04.2026 08:31

MAUTHAUSEN. Häftlinge wurden im KZ-System Mauthausen-Gusen zu Nummern reduziert und systematisch entmenschlicht. Die neue Sonderausstellung unter dem Titel „Dinge erzählen“ an der KZ-Gedenkstätte Mauthausen ist ein Versuch, den Menschen ihre Identität und Würde anhand von materiellen Überresten zurückzugeben.

Dinge erzählen – Archäologie des KZ-Systems Mauthausen-Gusen (Foto: Mona Erhart)
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Die Sonderausstellung „Dinge erzählen – Archäologie des KZ-Systems Mauthausen-Gusen“ wurde von Professorin Claudia Theune (Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie der Universität Wien), Professorin Barbara Hausmair (Institut für Archäologien der Universität Innsbruck) und den Kuratorinnen Nora Pierer und Nathalie Soursos entwickelt. Sie basiert auf jahrzehntelangen Forschungen von Archäologinnen am Areal ehemaliger Konzentrationslager – des Konzentrationslagers Mauthausen, des Zweiglagers Gusen und der Außenlager. Im Jahr 2002 fand eine erste Zusammenarbeit mit der KZ-Gedenkstätte Mauthausen statt, als der Bau des bestehenden Besucherzentrums geplant wurde.

Stille, aber eindringliche Zeugnisse der Geschichte

Die Archäologie macht Spuren im Boden sichtbar, analysiert Objekte aus dem Lageralltag und untersucht Gebäude und Landschaften. Die archäologischen Funde sind stille, aber eindringliche Zeugnisse der Geschichte: Sie erzählen vom Leben und Sterben der Häftlinge, vom Handeln der Täter, von Strukturen der Zwangsarbeit und Gewalt. Zugleich erforscht die Archäologie, wie die Lager nach 1945 genutzt, überformt, vergessen und bewahrt wurden. Die materiellen Zeugnisse eröffnen neue Perspektiven auf das nationalsozialistische Lagersystem. Neben Zeitzeugenberichten, Fotografien und schriftlichen Quellen werden sie zu einer wichtigen Quelle, die Verständnis vertieft und ergänzt.

Nahrung, Kleidung, Hygiene und Besitz der Häftlinge

In der neuen Sonderausstellung werden die Ergebnisse von 24 Jahren interdisziplinärer Forschung im ehemaligen Reviergebäude an der KZ-Gedenkstätte Mauthausen der breiten Öffentlichkeit gezeigt. Es wird auf die grundlegenden Methoden der Archäologie ebenso eingegangen wie auf die bisherigen Fundstellen und exemplarische Objekte. Diese geben Aufschluss über die Versorgungsnetzwerke und Privilegien der SS sowie die Nahrung, Kleidung, Hygiene und den Besitz der Häftlinge, unter anderem in Form von modifiziertem Besteck, Knöpfen, Kämmen und Schmuckstücken. Gefundene Häftlingsmarken ermöglichen die Identifizierung von Toten. Andere Gegenstände wie ein Helm oder Feldgeschirr lassen sich den US-amerikanischen Befreiern zuordnen.

Objekte, die Geschichte erzählen

Insgesamt umfasst die Ausstellung 62 bislang teils noch unbekannte Objekte, die Geschichte erzählen und zur Auseinandersetzung einladen.

„Die Archäologie liefert – oft durch unscheinbare Objekte – wichtige Erkenntnisse zum Alltag der Häftlinge, ihrer Macht und Ohnmacht und zur Struktur des Konzentrationslagersystems“, betont Claudia Theune.

Mehr Infos gibt es hier


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