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81. Gedenk- und Befreiungsfeier in Mauthausen mit Schwerpunkt „Täter und Täterinnen des Nationalsozialismus“

Gemeindereporter Franz Michael Zagler, 11.05.2026 12:18

MAUTHAUSEN. Zum 81. Mal jährte sich die internationale Gedenk- und Befreiungsfeier der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Mehr als 13.000 Besucher nahmen am Sonntag, 10. Mai, daran teil und erlebten 130 Delegationen der ganzen Welt im stillen Gedenken.

Foto FMZ (Bildrechte: Franz Michael Zagler)
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Die diesjährige Gedenk- und Befreiungsfeier stand unter dem Motto „Täter und Täterinnen des Nationalsozialismus“. Damit sollte der Blick auf jene gerichtet werden, die durch „Mitwirkung oder Wegsehen zur Umsetzung und Aufrechterhaltung des NS-Terrors beitrugen und die Verbrechen ermöglicht haben“, so das Mauthausen-Komitee Österreich (MKÖ). Dazu sagte Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen-Komitees Österreich: „Erinnern darf nicht bei den Opfern stehenbleiben. Wir müssen auch verstehen, wie Täterinnen und Täter handeln konnten und welche Strukturen das ermöglicht haben. Nur so können wir verhindern, dass sich Ausgrenzung, Entmenschlichung und Gewalt wiederholen.“

Zu den Opfern gehörten auch die Bibelforscher, wie Jehovas Zeugen damals genannt wurden. Sie war die einzige christliche Gruppe, die mit einem eigenen Häftlingssymbol gekennzeichnet war: dem lila Winkel. Durch ihren stillen Widerstand weigerten sie sich, die Nazi-Kriegsmaschinerie zu unterstützen.

Unmittelbar nach Hitlers Machtergreifung 1933 gehörten Jehovas Zeugen zu den Ersten, die in die Konzentrationslager der Nazis verbannt wurden. Von den rund 800 Zeugen Jehovas, die 1938 in Österreich lebten, wurden 80 Prozent von den Nationalsozialisten verfolgt. 154 wurden getötet, weil sie sich weigerten, das biblische Gebot „Du sollst nicht töten“ zu brechen.

An ihrer Gedenktafel erinnerte sich eine Delegation der Glaubensgemeinschaft daran, wie die Opfergruppe mit dem lila Winkel auf die Täter und Täterinnen des Nationalsozialismus nach der Befreiung am 5. Mai 1945 reagierte. Auf die Frage „Haben Sie Ihren Peinigern verziehen?“ wurden mehrere Aussagen Betroffener vorgelesen.

Alexandra Zagler vom Verein Lila Winkel zitierte zum Beispiel Simone Liebster, die diese Frage so beantwortete: „Ein Christ darf keinen Hass gegen einen Menschen pflegen. Er weiß nicht, ob der Peiniger irregeführt wurde. Die Bibel sagt ganz genau, dass die Rache nur Gott gehört, also nicht einem Menschen.“

Franz Michael Zagler, Vorstandsmitglied des Vereins Lila Winkel, zitierte Leopold Engleitner, der drei Konzentrationslager (Buchenwald, Niederhagen und Ravensbrück, Anm.) überlebte und mit 28 Kilo Körpergewicht freikam. Engleitner wurde 2007 vom Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich geehrt und starb 2013 kurz vor seinem 108. Lebensjahr. Seine Reaktion auf die Frage „Haben Sie Ihren Peinigern verziehen?“ zeugt von Gottvertrauen, der sich trotz des erlebten Martyriums die Lebensfreude nie nehmen ließ: „Ja, sicher habe ich verziehen, was sie mir persönlich angetan haben. Ich spüre keinen Hass, denn damit würde ich mir nur selbst schaden und das Leben unnötig erschweren. Aber für all die Grausamkeiten, die sie Millionen anderen Menschen angetan haben, müssen sie sich vor Gott verantworten. Er ist der Richter.“


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