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Marillen treffen am Hof der Familie Hinterplattner in Mauthausen auf allerlei pflanzliche Exoten

Jennifer Wiesmüller, 16.06.2026 16:00

MAUTHAUSEN. Maibeeren, Felsenbirnen, Feigen und Indianerbananen verbindet man wohl mit fernen Ländern und fremden Kulturen. Doch am Obstbaubetrieb Spitzlehner in Mauthausen gedeihen diese exotischen Früchte in den sorgsamen Händen von Simon und Theresa Hinterplattner. Auch Mandeln und Haselnüsse ernten die Jungbauern. Das Herzstück ihres Betriebs bleibt jedoch die Marille, die den größten Teil der Produktion ausmacht und als wichtigste Frucht des Hofes gilt.

  1 / 2   Familie Hinterplattner lebt in Mauthausen ihren Traum vom eigenen Obsthof. (Foto: Obstbau Spitzlehner)

„Angefangen hat alles bei einer Flasche Wein in guter Gesellschaft“, erinnert sich Simon Hinterplattner an die Beginne seines Bauerndaseins zurück. Freunde hätten ihm damals erzählt, dass Franz und Maria Walenta ihre landwirtschaftlichen Flächen in Mauthausen verpachten wollen. „Es war schon immer mein Traum, ein eigenes kleines Feld zu bewirtschaften und etwas anzubauen. Ich habe mir das grundsätzlich eher als Hobby vorgestellt – so wie andere gerne fischen oder malen.“ Aus der ursprünglichen Idee, eine einzelne Fläche zu pachten, entwickelte sich rasch deutlich mehr: „Irgendwie wurde daraus der ganze Hof“, schmunzelt Hinterplattner. Letztlich kam es im Jahr 2021 zu einer außerfamiliären Hofübergabe.

Vertrauen über Generationen hinweg

Bis heute sind Simon und Theresa Hinterplattner vom Vertrauen ihrer Altbauern beeindruckt. „Es braucht unglaublich viel Mut, jemandem so viel anzuvertrauen und den eigenen Hof in neue Hände zu geben“, betonen sie. Franz und Maria Walenta leben weiterhin am Hof und die beiden seien wie Familienmitglieder für sie geworden. „Obwohl keine verwandtschaftliche Beziehung besteht, funktioniert das Zusammenleben hervorragend. Franz und Maria passen gelegentlich sogar auf unsere beiden Kinder auf.“

Exoten aus aller Welt

So weit, so gut – doch wie kam Simon Hinterplattner schließlich zu seinen außergewöhnlichen Kulturen? „Wir wollten Pflanzen produzieren, die es in unserer Region noch nicht gibt“, erklärt der Obstbauer. Sein umfangreiches Wissen über seltene und exotische Obstarten habe er sich durch zahlreiche Freundschaften und Kontakte in der Obstbaubranche weit über die Region hinaus angeeignet. Mit Begeisterung erzählt Hinterplattner von den Besonderheiten seiner Kulturen: „Die Maibeere, auch Honigbeere oder Sibirische Heckenkirsche genannt, stammt ursprünglich aus den nördlichen Regionen Europas und Asiens. Die Indianerbanane hat ihre Wurzeln in Nordamerika und wurde bereits von den indigenen Völkern des Kontinents geschätzt. Die Felsenbirne wiederum trägt zwar den Namen einer Birne, zählt botanisch betrachtet jedoch zu den Beerenfrüchten.“

„Aller Anfang ist schwierig“

Der Weg zur erfolgreichen Ernte sei aber nicht einfach gewesen – zahlreiche Versuche, intensive Beobachtungen und viel Geduld waren notwendig. „Nach den herausfordernden Anfangsjahren erwarten wir heuer erstmals eine wirklich gute Ernte“, berichtet der Obstbauer.

Und wie reagieren die Mühlviertler auf die exotischen Früchte? „Aller Anfang ist schwierig. Aber wenn die Leute die Früchte erstmal kennenlernen, steigt ihre Begeisterung.“ Der Absatz der Raritäten und Exoten nehme von Jahr zu Jahr zu.

Die Marille, die Königin des Obsthofs

Trotz aller exotischen Kulturen bleibt die Marille die bedeutendste Frucht am Hof. Rund die Hälfte des gesamten Jahresumsatzes wird mit ihr erwirtschaftet. Für die laufende Saison rechnen Simon und Theresa Hinterplattner mit einer Erntemenge von 15 bis 20 Tonnen. Um die arbeitsintensive Ernte bewältigen zu können, setzt die Familie auf ein eingespieltes „Feldteam“, wie Simon Hinterplattner es nennt. Dieses besteht überwiegend aus Arbeitskräften aus Rumänien. Dank seines vierjährigen Aufenthalts als Betriebsleiter in Rumänien kann sich der Obstbauer mit seinen Mitarbeitern auch problemlos in deren Muttersprache verständigen.

Der Wert guter Beziehungen

Jungen Menschen, die mit dem Gedanken spielen, selbst in die Landwirtschaft einzusteigen, rät Simon Hinterplattner vor allem zu Mut und Offenheit. „Manchmal muss man gegen den Strom schwimmen. Am Ende sollte man nicht sagen müssen: 'Hätte ich doch'“.

Ebenso wichtig sei es, Zusammenarbeit über Konkurrenzdenken zu stellen. „Freundschaften sind das Schönste. Sie helfen bei der eigenen Entwicklung, und ich finde, man sollte sich auch über die Erfolge anderer Bauern freuen können“, betont Hinterplattner. In der Landwirtschaft sei ein gutes Miteinander oft der Schlüssel zum Erfolg. „Bei mir hat sogar schon einer der größten Landwirte in Mauthausen beim Beerenpflücken mitgeholfen. Der Zusammenhalt hier ist etwas ganz Besonderes.“

Mit der Mandelerntemaschine in ganz Österreich unterwegs

Zu Hinterplattners starken Netzwerk habe auch ein außergewöhnliches Projekt beigetragen: Vor zwei Jahren baute er eine eigene Mandelerntemaschine. „Ich selbst und viele Kollegen haben eine solche Maschine für die Ernte dringend benötigt. Deshalb habe ich beschlossen, eine Lösung zu entwickeln“, erzählt er. Mittlerweile ist Hinterplattner mit der Maschine weit über die Region hinaus unterwegs und unterstützt Mandelproduzenten in ganz Österreich bei der Ernte.

Die Rückkehr des Mauthausener Lemone-Apfels?

Und welche Zukunftspläne gibt es für den Hof der Familie Hinterplattner? Ein ganz besonders Herzensthema kommt dem Bauern bei dieser Frage in den Kopf: „Ich würde gerne eine uralte Apfelsorte wieder kultivieren – den Mauthausener Lemone-Apfel. Er war früher vor 30 bis 40 Jahren in der Region die häufigste Apfelsorte, und jetzt gibt es ihn fast gar nicht mehr.“

„Für mich wird es erst richtig spannend, wenn andere sagen: ,Das geht nicht‘. Dann will ich es erst recht wissen“, erklärt Hinterplattner seine Begeisterung für Herausforderungen pflanzlicher Art.

Mehr Infos: www.spitzlehner.at


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