Johann Kalliauer: „Arbeitnehmer erbringen enorme Leistungen“
BEZIRK PERG. Am Montag präsentierten Johann Kalliauer, Präsident der Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich, und Kurt Punzenberger, Leiter der AK-Bezirksstelle Perg, die Leistungsbilanz der Beschäftigten aus dem Bezirk Perg.

„Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem Bezirk Perg erbringen enorme Leistungen – ob sie in der Reinigung, am Bau, in der Produktion, im Büro oder in der Forschung tätig sind. Ohne sie stünde alles still. Ohne sie gäbe es keine Wertschöpfung. Darum hat die Arbeiterkammer Oberösterreich die Leistungsbilanz der Beschäftigten aus dem Bezirk Perg erstellt. Ganz bewusst wollen wir damit die Leistung der Arbeitnehmer in den Fokus setzen“, erklärt Kalliauer bei der Pressekonferenz.
Aktuelle Situation
Von den 45.678 Einwohnern/-innen (Stand 1.1.2016) im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 Jahren aus dem Bezirk Perg waren im Jahresdurchschnitt 2016 28.747 Menschen unselbständig beschäftigt (16.027 Männer und 12.720 Frauen). Im Vergleich zum Jahr zuvor ist die Beschäftigung um 1,3 Prozent gestiegen. Die Erwerbsquote liegt mit 76,4 Prozent (2015) ziemlich genau im Landesdurchschnitt (76,6 Prozent).
Im Bezirk Perg haben 32,2 Prozent der Beschäftigten einen Teilzeitjob. Die Teilzeitquote bei den Frauen ist deutlich höher: Von den in Perg wohnenden Arbeitnehmerinnen waren 2015 fast 57 Prozent teilzeitbeschäftigt (Männer: 11,8 Prozent).
Arbeitsmarkt zwischen den Geschlechtern geteilt
Landesweit sind 29,9 Prozent der Beschäftigten in der Produktion und 64,7 Prozent im Dienstleistungssektor tätig, in Perg ist das Verhältnis etwas ausgewogener: 37 Prozent arbeiten in der Sachgütererzeugung und 52,3 Prozent im Servicebereich. Die übrigen 10,7 Prozent arbeiten in der Land- und Forstwirtschaft. In ganz Oberösterreich sind nur etwas mehr als fünf Prozent in diesem Sektor beschäftigt.
Während die Mehrheit der Männer (52 Prozent) in der Sachgüterproduktion arbeitet, sind sieben von zehn Frauen im Dienstleistungssektor beschäftigt.
Wichtige Branchen für den Bezirk
Wichtigste Branche im Bezirk Perg ist die Herstellung von Waren (ÖNACE –Abschnitt C) mit 5439 Beschäftigten – das sind 20,4 Prozent aller Beschäftigten im Bezirk. Auf das Bauwesen entfallen 4046 Arbeitsplätze (15,2 Prozent aller Beschäftigten). Rang 3 belegt der Handel mit rund 3400 Beschäftigten (12,8 Prozent). Auf diese drei Branchen entfällt somit fast die Hälfte aller Arbeitsplätze im Bezirk Perg.
Arbeitslose wollen wieder arbeiten
Zusätzlich zu den 1428 Arbeitslosen befanden sich im vergangenen Jahr 410 Personen in Schulungsmaßnahmen des Arbeitsmarktservice und 23 Jugendliche suchten eine Lehrstelle. Die registrierte Arbeitslosigkeit beträgt 4,7 Prozent und liegt damit deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 6,1 Prozent. Gegenüber 2015 ist die Zahl der Arbeitsuchenden um 51 Personen bzw. 2,8 Prozent gestiegen.
Den 1428 Arbeitslosen standen 410 offene Stellen gegenüber. Der Stellenandrang lag damit bei 3,5 Arbeitslosen pro freier Stelle und war damit minimal niedriger als im Landesdurchschnitt (3,6 Arbeitslose pro offener Stelle).
Wie sehr sich die Arbeitslosen aus dem Bezirk Perg bemühen, möglichst rasch einen Job zu finden, zeigt sich beispielsweise daran, dass fast zwei Drittel der Arbeitsuchenden innerhalb von drei Monaten eine neue Beschäftigung finden. Die Verweildauer in der Arbeitslosigkeit ist im Bezirk Perg im vergangenen Jahr um acht Tage auf 100 Tage gestiegen. Im Landesdurchschnitt ist die Verweildauer ebenfalls um acht Tage gestiegen und liegt nun bei 111 Tagen.
Perger pendeln aus
Im Heimatort finden 18,5 Prozent der unselbständig Beschäftigten einen Arbeitsplatz. Somit müssen 81,5 Prozent der Arbeitnehmer/-innen aus dem Bezirk Perg aus ihrer Heimatgemeinde auspendeln. Der Anteil der Bezirksauspendler/-innen liegt bei fast 52 Prozent. Fast zehn Prozent pendeln in ein anderes Bundesland aus.
Viele Pendler/-innen haben es mit großen Entfernungen zu tun. 42,5 Prozent der Beschäftigten aus dem Bezirk pendeln jeden Tag mehr als 40 Kilometer und etwas fast zehnProzent fahren sogar mehr als 100 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz. Für sie kostet die berufliche Mobilität viel Zeit und Geld.
Einkommen
Die Beschäftigten (Arbeiter/-innen und Angestellte, Voll- und Teilzeit) bekommen im Bezirk Perg mittlere Bruttoeinkommen von 2135 Euro monatlich – um 2,6 Prozent weniger als im Oberösterreich-Median. Im Bezirksvergleich nimmt Perg den achten Platz ein, bei den Frauen hingegen nur den 14. Platz. Am besten steigen die männlichen Angestellten mit 3583 Euro aus – damit liegen sie auf Rang 2 hinter den Angestellten aus Steyr-Stadt. Arbeiterinnen kommen auf 1215 Euro.
Etwa 2650 Arbeiter/-innen und Angestellte aus dem Bezirk Perg, davon mehr Frauen als Männer, verdienten 2015 trotz ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung monatlich weniger als 1700 Euro (14 Mal pro Jahr). Das sind 14,1 Prozent aller ganzjährig Vollzeitbeschäftigten (Frauen 27,9 Prozent, Männer neun Prozent).
Hohe Innovationsbereitschaft und Kreativität
Innovation entsteht an vielen Orten in vielen Köpfen. Sei es direkt bei der Arbeit, wo viele Beschäftigte mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen aus dem täglichen Arbeitsprozess neue Ideen entwickeln, sei es im Hochschulsektor oder in den Forschungsabteilungen der Betriebe. In Oberösterreich arbeiten rund 11.640 Beschäftige im Bereich Forschung und Entwicklung (umgerechnet auf Vollzeit).
Der hohe Stellenwert von Forschung und Innovation in Oberösterreich zeigt sich auch beim Erfindungsreichtum: So wurden 2016 beim Österreichischen Patentamt 2994 Erfindungen angemeldet. Auf die Bundesländer bezogen stammen die meisten Erfindungsanmeldungen – wie in den Jahren davor – aus Oberösterreich, nämlich 616.
Aus dem Bezirk Perg sind im vergangenen Jahr 39 Erfindungsanmeldungen erfolgt. Damit zählte Perg 2016 zu den 15 Bezirken Österreichs mit den meisten angemeldeten Erfindungen. Wenn die Einwohnerzahl berücksichtigt wird, zählte Perg sogar zu den Top 10.
Forderungen
Kurt Punzenberger, Leiter der AK-Bezirksstelle Perg, fordert für Arbeitnehmer: Lohngerechtigkeit, Steuergerechtigkeit, Millionärssteuer und Wertschöpfungsabgabe.


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