„Frauen müssten sich viel mehr zutrauen“
BEZIRK PERG. Anlässlich des heute stattfindenden Internationalen Frauentages hat Tips die vier Bürgermeisterinnen im Bezirk über ihre Erfahrungen in der Politik befragt.

Warum ist die Bürgermeisterin von Pabneukirchen, Barbara Payreder, in die Politik gegangen? „Damit die Herausforderungen gegenüber der Stadt und Anliegen unserer Mitmenschen am Land nicht übersehen werden, braucht es „Sprachrohre“ zum Bezirk und zum Land. Und das möchte ich sein und das sehe ich als eine wichtige Aufgabe von Politikern“, sagt sie. Dass sie den Beruf der Politikerin ergreifen möchte, war ihr als Kind noch nicht klar: „Als Schülerin empfand ich es sogar immer als sehr unangenehm, vor Leuten zu reden. Aber bei uns zu Hause wurde Ehrenamt, Funktionärstätigkeiten und sich für andere einzusetzen vorgelebt. 2009 wurde ich Ortsbäuerin, 2014 Bezirksbäuerin. Seit 2015 bin ich bei uns in Pabneukirchen im Gemeinderat tätig (als Vizebürgermeisterin) und seit 31.10.2019 als Bürgermeisterin.“ Sie ist der Meinung, dass mehr Frauen bei politischen Gremien mitwirken und mitreden sollten. „Die gute Mischung von Männern und Frauen ist auch in diesem Bereich ideal! Einfach mal probieren. Außerdem ist es eine gute Gelegenheit, neue Mitbürger kennenzulernen, außerhalb des eigenen Freundes- und Familienkreises“, wie sie gegenüber Tips sagt. Doch auf was sollten Frauen nun achten, wenn sie einen Weg in der Politik einschlagen. „Also ich hatte bei uns in der Ortsgruppe, in der Bauernschaft, im Gemeinderat oder in der Fraktionsgruppe nie das Gefühl, dass ich als Frau nicht ernst genommen werde oder keine Möglichkeiten hätte, Funktionen zu übernehmen. Im Gegenteil, ich fühlte mich immer herzlich willkommen und unterstützt. Der wertschätzende, höfliche und respektvolle Umgang miteinander von jeder Seite, egal ob Mann oder Frau ist auch hier natürlich eines vom Wichtigsten!“, betont Payreder.
„Frauen müssen mehr Überzeugungsarbeit leisten“
Auch die Bürgermeisterin von Arbing war in ihrer Kindheit wenig in Politik interessiert: „Nein, als Kind war die Politik kein Thema für mich. Aber in meiner Jugendzeit kam ich in das Team der JVP, wo ich mich sehr wohlgefühlt und gerne mitgearbeitet habe. Das war eigentlich mein erster Zugang zur Politik und seit dieser Zeit habe ich mich politisch immer mehr engagiert. Ich war bzw. bin schon sehr lange in Vereinen aktiv tätig, wurde 2006 Gemeindeparteiobfrau der ÖVP Arbing, später Gemeinderätin, Vizebürgermeisterin und 2019 Bürgermeisterin.“ Über den gewählten Beruf sagt sie: „Kommunalpolitik hat mich immer schon interessiert. Mit und für Menschen zu arbeiten, die Zukunft meiner Heimatgemeinde mitzugestalten und sich Herausforderungen zu stellen, hat mich motiviert. Es gibt aus meiner Sicht kein interessanteres politisches Amt, wo man so nahe beim Menschen ist, als das Amt einer Bürgermeisterin.“ Im Hinblick darauf, dass Politik durchaus stark von Männern dominiert ist, sagt sie: „Ich glaube, dass Frauen in der Politik sehr oft mehr Überzeugungsarbeit leisten müssen als Männer. Deshalb ist es für uns Frauen umso wichtiger, dass wir auch besonders auf uns selber achten – auf unsere Gesundheit, auf ein gutes Freizeitmanagement und auf eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wenn es einem selber gut geht, können viele Herausforderungen, Aufgaben und so mancher „Gegenwind“ besser bewerkstelligt werden.“
Berufswunsch Archäologin
„Es macht mir große Freude, die Entwicklung der Gemeinde – des unmittelbaren Lebensumfeldes – mitzugestalten sowie meine Ideen einzubringen. Die Gemeinschaft im Ort und der Kontakt mit den Menschen sind mir sehr wichtig, leider war durch Corona in den letzten Jahren vieles nicht möglich“, sagt auch Bettina Bernhart, Bürgermeisterin von Windhaag. Das Amt der Bürgermeister hat sie seit 2019 inne. Als Kind hatte Bernhart einen anderen Berufswunsch: „Als Kind wollte ich Archäologin werden. Ergeben hat sich das bei einem FF-Ball in Windhaag. Der damalige Bürgermeister Adolf Feiglstorfer hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, in der Jungen ÖVP mitzuarbeiten und Obfrau zu werden. Das habe ich dann viele Jahre lang gemacht und wurde im Alter von 19 Jahren in den Gemeinderat gewählt, mittlerweile bin ich seit über 25 Jahren begeisterte Kommunalpolitikerin.“ Anderen Frauen, die überlegen, in die Politik zu gehen, rät sie: „Wie in jedem anderen Bereich sollten sich Frauen aktiv einbringen und engagieren. Frauen müssten sich meiner Meinung nach viel mehr zutrauen. Wenn ein Mann gefragt wird, ob er diese oder jene Aufgabe übernehmen möchte, habe ich noch nie gehört „Kann ich das überhaupt?“, von Frauen schon.“
Veränderungen erreichen
Luftenbergs Bürgermeisterin Hilde Prandner engagiert sich seit ihrer Jugend politisch, weil ihr Gleichberechtigung, Fairness und Chancengleichheit wichtig sind. „Als Kind wusste ich noch nicht, dass ich in die Politik gehen möchte. Ergeben hat sich das in meiner Jugend, als ich erkannt habe, dass man Visionen, Ziele und Veränderungen nur dann umsetzen kann, wenn man sich selbst einbringt und engagiert.“ Prandner setzt fort: „Dass man sich dort einbringt, wo man Veränderung erreichen und Verantwortung übernehmen möchte, bei dem man seine Fähigkeiten und Talente einsetzen kann und bei dem „frau“ selber auch Freude hat!“


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