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OÖ/NAARN. Während die Anforderungen an Kinderbildungseinrichtungen immer umfassender werden, fehlt es am nötigen Personal, allen Aufgaben gerecht zu werden. Nun schlagen Vertreter von Caritas-Kindergärten Alarm. Man hatte sich erhofft, dass die Finanzierung einer dritten Kraft in der Gruppe ernst genommen wird. In Naarn wird vorgezeigt, was es bringt.

Pfarrcaritas-Kindergartenleiterin Petra Hetzmannseder, Caritas-Vorstandsmitglied und Vorsitzende der Erhalterkonferenz Edith Bürgler-Scheubmayr und Elternvertreterin Johanna Froschauer (Foto: Kienberger)

Im Pfarrcaritas-Kindergarten und in der Pfarrcaritas-Krabbelstube in Naarn hat sich ein Modell etabliert, das gewährleistet, dass die Kinder mit guter Qualität betreut werden können und dem Bildungsauftrag nachgekommen werden kann.

„Dank der 15a-Fördervereinbarung beschäftigen wir seit 2015 in jeder Gruppe drei Mitarbeiterinnen. Als die Fördervereinbarung auslief, übernahm die Gemeinde Naarn die Kosten für eine dritte Hilfskraft, wo üblicherweise nur zwei Mitarbeiterinnen vorgesehen waren. Die Gemeinde verhinderte auf diesem Weg eine Abwärtsspirale in der Qualität der Kinderbetreuung. Weil dem Gemeinderat klar war, dass eine Rücknahme der Verbesserungsmaßnahmen nach dem Auslaufen der 15a-Finanzierung den Eltern nur schwer erklärbar sein würde, haben alle Fraktionen diese Entscheidung mitgetragen“, verrät die Leiterin Petra Hetzmannseder.

Keine Vertretung nötig

Ein gutes Argument für die Finanzierung war auch eine Kostenanalyse, die belegte, dass der finanzielle Mehraufwand für zusätzliche Mitarbeiterinnen überschaubar sei: Denn wenn bei zwei Mitarbeiterinnen eine Person krankheitsbedingt ausfalle, müsse eine externe Vertretung bezahlt werden, bei dreien nicht. Dazu komme, dass die Kosten für externe Vertretungsstunden in Betrieben in den vergangenen Jahren stark gestiegen seien.

Höhere Arbeitszufriedenheit

Gezeigt habe sich vor allem auch, dass in Naarn mit diesem Konzept die Fluktuation beim Personal deutlich geringer ausfalle als in anderen Kinderbildungseinrichtungen, weil die Arbeitszufriedenheit höher sei.

„Bewährt hat sich unser Modell auch sehr während der Coronakrise. Die optimale Nutzung unserer Personalressourcen verhinderte Betriebsschließungen und ermöglichte einen für Kinder, Eltern und Personal reibungslosen Betrieb“, so Hetzmannseder.

Seit Jahren macht die „Erhalterkonferenz“, die die Träger aller kirchlichen Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen vertritt, deshalb alle Verantwortlichen auf die Probleme und zukünftigen Herausforderungen in den Kindergärten, Krabbelstuben und Horten aufmerksam. „Mit der bisherigen 15a-Vereinbarung wurden Mittel bereitgestellt, mit denen eine dritte Kraft zeitlich befristet für maximal drei Jahre finanziert werden konnte. Die Hoffnung war, dass in der neuen Vereinbarung zwischen Bund und Ländern, die mit September in Kraft tritt, diese Fördermittel zeitlich unbegrenzt zur Verfügung gestellt werden. Diese Hoffnung wurde enttäuscht“, kritisiert Edith Bürgler-Scheubmayr, die Vorsitzende des Kuratoriums der Erhalterkonferenz kirchlicher Kinderbildungs- und betreuungseinrichtungen.

Wenn es nicht so gehandhabt wird wie z.B. in der Gemeinde Naarn, wo die Gemeinde einspringt, würde die Finanzierung nun wegfallen. „Mit der jetzt getroffenen Vereinbarung wird der schon jetzt akute Fachkräftemangel ungebremst weitergehen. Während eigentlich ein Ausbau bei den Plätzen notwendig wäre, werden jetzt Gruppen geschlossen werden müssen, weil sich immer mehr qualifizierte Pädagoginnen gegen den Beruf entscheiden.“

Paradox sei, dass man ja eigentlich die Kinderbetreuung ausbauen wolle, der Forderung nach einer dritten Kraft aber nicht nachgekommen werde. Ein weiterreichendes Ziel wäre eigentlich eine zweite Elementarpädagogin in allen Gruppen.

Kontinuität und Qualität

Was es bringt, wenn drei in einer Gruppe sind, weiß die dreifache Mutter und Elternvertreterin des Pfarrcaritas-Kindergartens Naarn Johanna Froschauer: „Bei uns finden die Kinder tolle Rahmenbedingungen vor, die ihnen helfen, sich entwickeln und entfalten zu können. Dieses Umfeld wünsche ich mir nicht nur für mein Kind, sondern für alle Kinder. Im Gegensatz zu zwei Mitarbeiterinnen ist bei drei Kräften Kontinuität und Stabilität gegeben, auch wenn einmal eine Person ausfällt. Diese Stabilität ist wichtig, damit die Kinder sich gut auf erste Bindungsprozesse auch außerhalb der Familie einlassen können.“ Bei ihrem Sohn hat sie enorme Entwicklungsschritte miterlebt, was sie auf die optimale Situation in Naarn zurückführt. „Als Mutter erlebe ich es auch als angenehm, dass in unserem Kindergarten eine entspannte Stimmung herrscht, die sicherlich auch der personellen Situation mit zu verdanken ist. Man hat das Gefühl, dass es immer ein offenes Ohr und Zeit für die Anliegen der Eltern gibt. Das fördert den gegenseitigen Respekt, das Verständnis und die gute Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Eltern. Auch davon profitieren die Kinder.“


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