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GREIN. Die Nächtigungszahlen in Grein sind 2024 gegenüber dem Vorjahr von 22.461 auf 20.948 gesunken. Die Lotsen Grein, eine unabhängige kommunalpolitische Gruppierung,  sehen darin einen Auftrag, die Nebensaison mit neuen Zielgruppen und buchbaren Angeboten zu stärken. Bürgermeister Rainer Barth (ÖVP) verweist hingegen auf die bereits positive Entwicklung im Jahr 2025 mit 22.284 Nächtigungen und sieht den größten Handlungsbedarf bei zusätzlichen Beherbergungsbetrieben.

Schloss Greinburg und die Donau: Die Lotsen Grein fordern eine stärkere Vernetzung bestehender touristischer Angebote, um die Nebensaison in der Region zu beleben. (Foto: C.Stadler/Bwag)

Die Lotsen Grein sehen kein Angebotsproblem, sondern ein Bündelungsproblem. Viele touristische Bausteine seien vorhanden, würden jedoch noch zu oft nebeneinanderstehen. Aus einzelnen Ankerpunkten müssten buchbare Pakete entstehen, so Andreas Achleitner von den Lotsen Grein.

Von den 20.948 Übernachtungen im Jahr 2024 entfielen 19.461 auf die Monate Mai bis Oktober. Das entspricht rund 92,9 Prozent aller Nächtigungen. Auf die Monate Jänner, Februar, März, April, November und Dezember entfielen zusammen lediglich 1.487 Übernachtungen.

„Zielgruppen von Oktober bis Mai gezielt ansprechen“

„Unsere Angebote werden im Oktober nicht über Nacht schlechter. Die Donau ist noch da. Die Altstadt ist noch da. Schloss, Theater, Gastronomie, Natur, Wanderwege, Vereine und Nächtigungsmöglichkeiten verschwinden nicht, nur weil die klassische Sommersaison endet. Wir müssen uns daher fragen, welche Zielgruppen wir von Oktober bis Mai gezielt ansprechen wollen“, so Achleitner.

Die Lotsen Grein arbeiten deshalb an einem Tourismus- und Stadtmarketingkonzept, das bestehende Angebote besser miteinander verbinden soll. Ziel ist es, Grein nicht nur stärker zu bewerben, sondern auch besser buchbar zu machen.

Konkrete Angebote für längere Aufenthalte

Im Mittelpunkt stehen konkrete Pakete für Schulklassen, Sportwochen, Senioren, Reisegruppen, Vereine, Familien, Freundesgruppen, Kulturinteressierte und Gäste, die sanften Tourismus bevorzugen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Aufenthaltsdauer. Während Gäste in Grein durchschnittlich nur rund einen Tag bleiben, liegt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Bezirk Perg bei rund zwei Tagen und in Oberösterreich bei rund drei Tagen.

„Grein als mehrtägiges Reiseziel“

„Das zeigt, dass Grein zwar besucht, aber noch zu selten als mehrtägiges Reiseziel wahrgenommen wird. Genau hier liegt das Potenzial. Aus einem Tagesbesuch kann ein Wochenende werden. Aus einer Stadtführung kann ein Aufenthalt entstehen. Aus einem einzelnen Anlass kann ein buchbares Paket werden“, erklärt Achleitner.

Auch der Vergleich mit der Umgebung sei aufschlussreich. Während der Bezirk Perg und Oberösterreich insgesamt von 2023 auf 2024 Zuwächse verzeichneten, gingen die Nächtigungen in Grein zurück. Für die Lotsen zeigt das, dass sich Grein nicht darauf verlassen dürfe, dass die allgemeine touristische Entwicklung automatisch auch der Stadt zugutekomme.

„Der Tourismus wächst im Umfeld. Der Bezirk Perg wächst. Oberösterreich wächst. Grein muss daher selbst aktiver werden und vorhandene Möglichkeiten besser nutzen“, so Achleitner.

Bürgermeister verweist auf positive Entwicklung

Greins Bürgermeister Rainer Barth begrüßt die Initiative der Lotsen grundsätzlich: „Ich freue mich über jede gute Idee und Initiative in und für Grein. Wenn sich Herr Achleitner hier einbringt, stehe ich jederzeit für einen Austausch zur Verfügung.“

Nach Ansicht des Bürgermeisters habe sich der Tourismus in den vergangenen Jahren bereits sehr positiv entwickelt. Gemeinsam mit dem Tourismusverband Donau Oberösterreich seien zahlreiche Projekte umgesetzt worden. Dazu zählen unter anderem der Neunerweg, der Planetenweg, der Motorikpark, die Gobelwarte sowie die Initiative „Wandern verbindet“. Vor allem im Bereich Wandern sei dadurch ein deutlicher Aufschwung spürbar.

Auch die touristische Vermarktung der Donauregion gehe längst über Gemeindegrenzen hinaus. Davon profitiere auch Grein. Positiv entwickle sich zudem der Campingplatz, der seit der Übernahme durch die neuen Pächter wesentlich zu den Nächtigungen beitrage.

Tourismusstrategie des Tourismusverbandes und der Stadt Grein

Mit 22.284 Nächtigungen liege Grein im Jahr 2025 wieder deutlich über dem Vorjahreswert. „Die Stärkung der Nebensaison und die Verlängerung der Aufenthaltsdauer sind bereits wesentliche Bestandteile der Tourismusstrategie des Tourismusverbandes und der Stadt Grein“, sagt Barth.

Das Stadttheater mit seinem Rekordbesuch im Jahr 2025 und Schloss Greinburg seien wichtige Bestandteile dieser Strategie. „Hier besteht sicher noch Potenzial.“

Mangel an Beherbergungsbetrieben mit entsprechendem Bettenangebot

Einen anderen Schwerpunkt setzt der Bürgermeister allerdings bei den aktuellen Herausforderungen. „Aus meiner Sicht haben wir kein Thema mit zu wenig Angebot oder entsprechendem Marketing. Aktuell fehlen uns aber Beherbergungsbetriebe mit entsprechendem Bettenangebot, um vor allem in der Hauptsaison alle Anfragen abdecken zu können.“

Bestehende Angebote besser vernetzen

Das Konzept der Lotsen setzt nicht auf künstliche Großprojekte, sondern auf die Verbindung bestehender Angebote. Dazu zählen unter anderem Stadtführungen, Schloss Greinburg, das Stadttheater, die Donau mit der Überfuhr, Wanderwege, die Aumühle, Gastronomiebetriebe, regionale Unternehmen, Märkte, Kulturabende, Sportveranstaltungen, der Bauernmarkt sowie Kooperationen mit Nachbargemeinden.

„Grein muss nicht alles neu erfinden. Grein muss das Vorhandene besser verbinden. Ein Schloss allein ist noch kein Aufenthalt. Ein Gasthaus allein ist noch kein Paket. Ein Wanderweg allein ist noch kein Wochenende. Erst wenn Anreise, Programm, Verpflegung, Nächtigung, Mobilität und Zielgruppe gemeinsam gedacht werden, entsteht ein touristisches Produkt“, sagt Achleitner.

Grein als „Drehscheibe für den Strudengau“

Die Lotsen wollen Grein künftig stärker als Drehscheibe für den Strudengau positionieren. Auch Angebote der Nachbargemeinden könnten mit Greiner Nächtigungen, Gastronomie und Stadtprogramm verbunden werden. Für Gäste sei nicht entscheidend, wo eine Gemeindegrenze verlaufe, sondern ob ein Angebot interessant, verständlich, gut organisiert und buchbar sei.

„Tourismus und Kommunalpolitik enden nicht an der Gemeindegrenze. Wenn Grein Ankunftsort, Nächtigungsort, Kulturort und Ausgangspunkt für die Region wird, profitieren Betriebe, Gastronomie, Vereine, Nachbargemeinden und die gesamte Region“, betont Achleitner.

Paketideen vorstellen und Gespräche führen

Die Erarbeitung des Konzepts soll nun Schritt für Schritt fortgesetzt werden. Anschließend wollen die Lotsen konkrete Paketideen vorstellen und Gespräche mit möglichen Partnern, Betrieben, Vereinen und Nachbargemeinden führen.

Achleitner abschließend: „Grein hat Planken und Spanten. Jetzt braucht es den Bauplan. Aus einzelnen Ankerpunkten muss ein klarer Kurs werden.“


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