Weltreisender Josef Lughofer: „Hunde schmecken nicht schlecht“
Josef Lughofer hat die gesamte Erde erkundet. In Pettenbach hielt der Innviertler aus Ried im Innkreis am vergangenen Wochenende einen Vortrag über seine USA-Reisen. Im Tips-Interview erzählt er über Raubüberfälle in Argentinien, Gastfreundschaft in Indien und den Geschmack von Kakerlaken.

Tips:Sie waren in 120 Ländern. Wie viel Zeit verbringen Sie auf Reisen?
Josef Lughofer: Insgesamt bin ich das halbe Jahr unterwegs. Wer einmal damit anfängt, die Welt zu erkunden, den lässt es nicht mehr los. Ich bin süchtig nach Reisen und Fotografieren.
Tips:Gibt es Gebiete, in die Sie niemals fahren würden?
Lughofer: Durch die Terrorgefahr in vielen Regionen dieser Erde ist es sicherlich schwieriger geworden. Viel Angst wird aber durch die Medien geschürt. Vorsichtig sein muss man überall. Ich war im Irak unmittelbar vor dem Krieg. In Afghanistan, als noch die Russen dort waren, und in Pakistan in einer politisch unruhigen Phase.
Tips:Dabei ist es nie brenzlig geworden?
Lughofer: Am gefährlichsten war sicher, als ich 1984 nach dem Attentat auf Indira Gandhi versucht habe, die gesperrte indische Grenze zu überqueren. Ein Zöllner hat mich erwischt und mir die Pistole an die Brust gedrückt. Ebenfalls in Indien hatte ich mal einen schweren Unfall in einem Taxi.
In Argentinien wurde ich 2010 ausgeraubt. Meine damalige Frau und ich wurden auf einem Inlands-Flughafen bedroht. Gegenwehr ist in solchen Fällen nicht ratsam. Also habe ich ihnen gegeben, was sie wollten. Das war unter anderem Foto-Equipment im Wert von 8.000 Euro.
„Fledermäuse sind zäh“
Tips:Für Europäer ungewohnt ist nicht nur der asiatische Fahrstil, sondern auch das Essen. Was waren ihre ungewöhnlichsten Gerichte?
Lughofer: Ich habe vieles probiert: Schlangensuppe und -schnaps, Kakerlaken in Laos. Hunde schmecken nicht schlecht als Gulasch. Ratten sind gut, Fledermäuse eher zäh.
Tips:Mich würde interessieren, wie Kakerlaken schmecken. Man sagt, Insekten seien nussig …
Lughofer: Ich kann das nicht bestätigen. Ich glaube, ich hab“s einfach schnell runtergeschluckt.
Tips:Gibt es weiße Flecken auf Ihrer persönlichen Reise-Landkarte? Wo wollen Sie noch hin?
Lughofer: Ich werde wahrscheinlich häufiger nach Südost-Asien und Südamerika fliegen. Dort war ich noch nicht so viel. Mit meiner jetzigen Frau, die selbst gern fotografiert, habe ich gemeinsam Indonesien und Laos bereist.
Ich habe kürzlich eine Liste mit Wunschzielen erstellt. Dabei habe ich festgestellt, dass nur wenig Neues dabei ist. Es zieht mich vor allem an Orte, wo ich schon einmal war. In Zentralafrika zum Beispiel war ich nie, und ich muss dort auch nicht mehr hin.
„Wer viel unterwegs ist, lernt Österreich schätzen“
Tips:Haben Sie ein Lieblingsland?
Lughofer: Indien, ganz klar. Zusammengerechnet habe ich dort drei Jahre verbracht. Das ist kein anderes Land, das ist eine völlig andere Welt, in die man da eintaucht. Selbst in den Slums hatte ich nie ein Problem. Die Menschen sind immer freundlich. Man wird zum Essen eingeladen oder zum Tee. Niemand will Geld von dir. Man kommt mit Vorurteilen hin und geht mit neuen Freundschaften und Erfahrungen.
Und die Kamera kann man irgendwo hinhalten, es wird immer ein gutes Bild! Wobei insbesondere die Saris der indischen Frauen interessant sind, die ähneln manches Mal unseren Dirndl-Kleidern.
Tips:Derzeit halten Sie Fotovorträge über Nordamerika. Was ist zu sehen?
Lughofer: Ich habe die Nationalparks bereist und war im Mittleren Westen auf den Spuren des Rock“n“Roll unterwegs. Auch in die USA ist übrigens die Freundlichkeit der Menschen auffällig: Die Leute sind sehr zugänglich und kommen schnell ins Gespräch mit dem Fremden.
Tips:Es heißt, Reisen bildet. Würden Sie das auch so sehen?
Lughofer: Reisen unterstützt vor allem die persönliche Entwicklung. Der Horizont wird erweitert. Man wird toleranter, denkt weniger engstirnig. Das gilt aber nur, wenn man auf eigene Faust unterwegs ist. Da erlebt man ein Land ganz anders als bei einer Gruppenreise, wo man an den Sehenswürdigkeiten vorbeigeschleust wird.
Tips:Sie sind das halbe Jahr im Ausland unterwegs. Trotzdem kehren Sie immer wieder nach Ried zurück. Was zieht Sie in die Heimat?
Lughofer: Ich habe ein Haus in Thailand, mitten in den Reisfeldern. Hier in Österreich aber habe ich meine Familie. Je älter ich werde, desto mehr fühle ich mich als Österreicher. Gerade wenn man viel im Ausland ist, lernt man die Errungenschaften unseres Landes zu schätzen: die Sicherheit, den geregelten Verkehr, die Lebensqualität und das Essen.


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