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PEUERBACH. „Zeit“ - eines der wertvollsten Geschenke, das sich Menschen untereinander machen können, soll die Integration von Asylwerbern fördern. „Conclusio“, das lateinische Wort für „Zusammenschluss“, lautet der Name des Vereins, der eine Annäherung zwischen Einheimischen und Asylwerbern erwirken will. Nach Hofkirchen/Trattnach wurde nun auch in Peuerbach eine „Conclusio“-Ortsgruppe gegründet.

  1 / 4   Kleinere Gartenarbeiten verrichten und dafür Zeit für Deutschunterricht oder Hilfe bei Behördengängen erhalten ist das Grundkonzept von „Conclusio“. Foto: Eva Lackenberger

Rasen mähen, Unkraut zupfen oder Möbel schleppen und dafür Zeit für ein Gespräch bei einer Tasse Tee, Deutschunterricht oder Behörendgänge erhalten. Das Konzept von „Conclusio“ ist einfach. „Unsere Asylwerber sollen sich sinnvoll beschäftigen. Das gegenseitigen Helfen steht im Vordergrund“, erklärt Anita Tossmann, die gemeinsam mit Helmut Zurucker-Burda in Peuerbach kürzlich eine „Conclusio“-Ortsgruppe gründete. „Es geht bei dem Konzept nicht darum, Geld zu verdienen, sondern unsere Asylwerber geben damit einen Teil der empfangenen Hilfe an die ortsansässige Bevölkerung zurück.“ Die beiden Organisatoren haben bereits konkrete Wünsche an das Projekt „In erster Linie soll es mehr Begegnungen mit unseren neuen Mitbürgern geben, weil das bisher nur ein geringer Teil der Bevölkerung genutzt hat. Die Schwellenangst ist doch ein bisschen da. Durchs besser Kennen lernen könnten sicher auch Gerüchte ausgeschlossen werden, die immer wieder herumgeistern“, erklärt Helmut Zurucker-Burda und sagt: „Die Leute können Zeit hergeben, vielleicht auch Zeit für ein Gespräch, das ist ganz wichtig.“ Im Rahmen des „Conclusio“-Projekts sollen alle Arbeiten im Bereich der Nachbarschaftshilfe möglich sein. Arbeit im Garten, Unterstützung älterer Menschen im Alltag, Produktion von Lern- und Unterrichtsmaterialen für Schulen und Kindergärten, Volontariate, Flurreinigungssaktionen oder kleinere Arbeiten in Vereinen wie Rasen mähen, Schuhe putzen oder Dressen waschen. Arbeiten, die im Alltag nicht von Firmen erledigt werden, denn es sollen keine Arbeitsplätze gefährdet werden. Man müsse sich nur die Frage stellen, „wer würde es sonst machen?“, meint Johannes Brandl, Geschäftsführer der SPES-Zukunftsakademie in Schlierbach und Gründer des Vereins „Conclusio“. „Arbeiten zu dürfen hat auch etwas damit zu tun, wie man sich selber in der Gesellschaft wahrnimmt. Arbeit fördert die körperliche, die geistige und die psychische Stabilität sowie Selbstwert und Anerkennung und die Zufriedenheit“, erklärt Brandl den Grundgedanken hinter dem Projekt. Menschen soll durch Arbeit das Gefühl gegeben werden, gebraucht zu werden.

Ängste nehmen

Für Anita Tossmann ist die Motivation, dieses Projekt auf die Beine zu stellen, klar: „Seit gut einem Jahr engagiere ich mich in der Flüchtlingsarbeit und es war nicht immer einfach, sich vorne hinzustellen und Haltung zu zeigen. Doch ich bin überzeugt, es ist der einzige Weg, Ängste zu nehmen und zu sagen: „Schau, ich bin auch dabei, da entstehen gute Projekte und mir passiert nichts.“ Es ist extrem viel geschehen in diesem Jahr, wir haben viele Herausforderungen gemeinsam gemeistert und sind seit der Stunde null dabei“, erzählt die Koordinatorin.

„Conclusio“ in Hofkirchen

Erste Erfahrungen mit „Conclusio“ gibt es in Hofkirchen/Trattnach. Hier besteht die Ortsgruppe seit sechs Wochen. Laut Vor-Ort-Koordinatorin Ernestine Köpf werde das Angebot schon gut genützt. Die Asylwerber würden laut Köpf, auch wenn sie kein Geld dafür bekämen, die Arbeiten gerne machen. „Natürlich hoffen wir, dass in Zukunft noch viele Hofkirchner das Angebot annehmen. Es soll viel Austausch passieren, damit ein Kennenlernen möglich wird. Den Asylwerbern gefällt es, dass sie – zumindest für ein paar Stunden – in eine Familie integriert werden.“ Für die Flüchtlinge könnte laut Köpf das Projekt später auch vorteilhaft für einen besseren Start in die Arbeitswelt sein. In Hofkirchen leben derzeit 22 Asylwerber, in Peuerbach 55.

Zum Projekt

Der Verein Conclusio (=lat. Zusammenschluss) wurde von der SPES-Zukunftsakademie (=lat. für Hoffnung und Abkürzung für Studiengesellschaft für Projekte zur Erneuerung der Strukturen) in Schlierbach mit dem Ziel der gegenseitigen Unterstützung und der besseren Integration, Konklusion und Inklusion von Österreichern und Asylwerbern gegründet. Da die Asylwerber keine Entlohnung erhalten dürfen, vergütet der Verein, erbrachte Leistungen in Form von Stunden. Abgerechnet wird also nicht in Geldwert sondern in Zeitwert mit Hilfe eines Stundenkontos. Alle Leistungen werden freiwillig und nur innerhalb von Vereinsmitgliedern erbracht. Alle Mitglieder sind bei ihren Arbeitseinsätzen unfall-, haftpflicht- und rechtschutzversichert. Derzeit gibt es 14 Ortsgruppen in Oberösterreich.

Voraussetzung: Um beim Projekt „Conclusio“ mitmachen zu können ist es notwendig Mitglied im Verein zu werden. Der Mitgliedsbeitrag beträgt drei Euro pro Monat. Nähere Infos bei Anita Tossmann (Peuerbach): 0650/5018025 und Ernestine Köpf (Hofkirchen) 0677/61451812


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