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Von Skepsis bis Euphorie reicht die Stimmungspalette zur Gemeindefusion

Sabrina Lang, 13.09.2016 18:35

PEUERBACH/STEEGEN/BRUCK-WAASEN. Nun sind es nicht mal mehr zwei Monate bis zur zukunftsträchtigen Wahl der Gemeinden Steegen, Bruck-Waasen und Peuerbach. Werden die drei Gemeinden, die bereits seit mehreren Jahrzehnten Tisch und Bett, sprich viele Vereine, Schulen und die Infrastruktur, miteinander teilen, bald noch mehr zusammenwachsen? Entscheiden werden die Bürger. Die Vorteile einer Fusion wurden nun aber erneut in einer Infobroschüre zusammengefasst.

Die Lenkungsgruppe hat sich mit dem Für und Wider einer Fusion beschäftigt. Foto: Jürgen Neidlinger/Entflammt

„Jetzt für Generationen denken!“ lautet der Titel der bunten Infobroschüre, die die drei Gemeinden kürzlich veröffentlichten – als Titelbild eine Familie, die Hand in Hand über eine Wiese läuft, im Hintergrund die Region Peuerbach. Ein symbolträchtiges Bild um den gemeinsamen Weg zu skizzieren. Darunter komplettieren die Worte „JA zu einer gemeinsamen Gemeinde am 6.11.2016“ die Titelseite. Die Botschaft scheint klar: eine Gemeindefusion soll nach ersten Erkenntnissen wohl viele (beziehungsweise fast nur – geht es nach dem Inhalt der Broschüre) Vorteile bringen. Das sei laut Gerlinde Stöbich, die den Gemeinden als Beraterin zur Seite steht, auch besonders wichtig. „Es darf keine Verlierer geben, es darf nur Vorteile bringen und eine weitere Steigerung der Lebensqualität sowie der regionalen Stärkung“, so Stöbich, „es geht um die nächste Generation, um einen Weitblick, der durch eine Fusion erreicht werden soll“. Die Infobroschüre stellt auf 24 Seiten die positiven Aspekte einer Gemeindeehe vor. Infografiken, Bilder und Argumente für eine gemeinsame Zukunft sowie die Beantwortung von häufig gestellten Fragen der Bürger sollen auch die letzten Pessimisten überzeugen. Dennoch, nicht jeder kann einer Fusion Positives abgewinnen. Vor allem in den ländlicheren Regionen außerhalb Peuerbachs sehe man eine Zusammenlegung eher kritisch. Skeptisch steht auch der Steegener Bürgermeister Herbert Lehner der Fusion gegenüber. In den vergangenen Jahren seien laut Lehner Strukturen geschaffen worden, die für die jeweilige Gemeindegröße passen. Außerdem wären „kleine Einheiten effizienter und es gibt sehr oft eine schnelle Lösung für Probleme eines Bürgers, weil der Bürgermeister und die Gemeindebediensteten näher beim Bürger sind“, erklärt Lehner, für den auch feststeht, sollte es zu einer Fusion von Steegen, Bruck-Waasen und Peuerbach kommen, beendet er seine politische Verantwortung in der Gemeinde.Lehner, der seit 1991 als ÖVP-Parteiobmann fungiert und 2009 Bürgermeister wurde, erntete für seine kritische Einstellung gegenüber einer Fusion prompt Kritik aus dem Lager der FPÖ. Dass kleinere Gemeinden effizienter seien, will die FPÖ rund um den Peuerbacher Stadtrat Siegfried Lumetsberger nicht so stehen lassen. „Wir Freiheitlichen haben die Gemeindefinanzen, laut Voranschlag für das Finanzjahr 2016, zwischen unseren drei Gemeinden verglichen. Es stellte sich heraus, dass die Gemeinde Steegen, pro Einwohner gerechnet, die teuerste Verwaltung hat. Die Bezüge der Gemeindepolitiker inklusive Fraktionsgelder sind in Steegen, pro Kopf, um über 50 Prozent höher als jene von Bruck-Waasen beziehungsweise Peuerbach“. In dieser Weise nicht bestätigen kann das Herbert Lehner, denn es sei so, dass der Großteil des Personals in Steegen über 50 Jahre alt sei und dementsprechend höher eingestuft wäre. Zudem müssten in Steegen vier Fraktionsobmänner bezahlt werden. Das würde sich auf die Zahlen einer kleineren Gemeinde auswirken. Wenn die Gemeinden zu einer größeren zusammengeschlossen werden, dürfe man laut Lehner nicht außer Acht lassen, dass die Gehälter für Politiker höher ausfallen können.

Hochzeit oder wilde Ehe?

Die Infobroschüre will darauf hinweisen, dass es keinerlei Verschlechterung für die Landgebiete geben soll, dass Vereine und Schulen in jetziger Form bestehen bleiben. Durch eine Fusion erhoffen sich die Verantwortlichen einen einmaligen Finanzeffekt von 1.019.000 Euro. Das soll beispielsweise durch Veräußerungen des Bauhofes in Peuerbach und des Gemeindeamtes in Steegen sowie durch Förderungen erreicht werden. Nicht in diese Zahlen miteingerechnet wären, laut Lehner, Kosten für mögliche Umbauarbeiten beim Gemeindeamt oder den Bauhöfen. Durch eine Zusammenlegung würden jährlich 124.000 Euro eingespart werden können. „Wenn es zu einer Fusion kommt, soll der schöne Lebensraum erhalten und weiter entwickelt werden“, erklärt Stöbich. Ob es jedoch zu einer Hochzeit kommt oder die Gemeinden weiterhin in wilder Ehe leben sollen, entscheiden am 6. November alleine die Bürger.


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