Bürgerkrieg Syrien: 40 Menschen finden ab Juni neue Heimat in Pöggstall
Pöggstall. Sie haben alles verloren: Rund sechs Familien, die aus dem Bürgerkrieg in Syrien das nackte Leben gerettet haben, finden in Pöggstall in Häusern von Alpenland eine neue Heimat.

Sie haben in ihrer Heimat alles verloren: rund sechs Familien, die aus dem Bürgerkrieg in Syrien das nackte Leben gerettet haben, finden in Pöggstall in Häusern von Alpenland eine neue Heimat. Mit einem Ingetrations-Modell wollen Gemeinde, Alpenland und Diakonie Flüchtlingsdienst unter Beweis stellen. „Wir haben seinerzeit die Häuser auf Wunsch der Gemeinde errichtet und wir unterstützen heute – mit einer entsprechend kulanten Mietenkalkulation – auch den Wunsch der Gemeinde, die Häuser für einwandernde Familien zugänglich zu machen“, erklärt Alpenland-Obmann Norbert Steiner. Die Idee des Integrationswohnens biete vielfältige Vorteile gegenüber einem Leerstand: „Für die schwer geprüften Familien, für die Gemeinde und letztlich auch für die Bausubstanz.“ Familien mit gesichertem Asylstatus Ab Juni werden voraussichtlich sechs Familien – insgesamt um die 40 Menschen – aus Syrien jeweils eines der Reihenhäuser in der Siegfried Ludwig-Straße beziehen. Ausnahmslos mit unbefristetem Asylstatus ausgestattet, sind sie Österreichern in praktisch allen Rechten und Pflichten gleichgestellt- inklusive uneingeschränktem Zugang zum Arbeitsmarkt. Als „Gegenentwurf zu einem Ghetto“ sieht Margit Straßhofer, VP-Bürgermeister in Pöggstall, das Konzept des Integrationswohnens: „Aus soliden Wohnverhältnissen können die Familien aus Syrien schrittweise wieder in eine solide Existenz hineinwachsen. Als ländliche Gemeinde leisten wir Unterstützung, wo es geht und zählen auf die Integrationskraft von Nachbarschaft, Schulen, Vereinen und Arbeitgebern.“ Betreuungsservice vor Ort für alle Wesentlicher Anteil an der gelingenden Integration der Familien kommt darüber hinaus dem Diakonie Flüchtlingsdienst als Projektbetreiber zu: etwa über die Vermittlung von Deutschkursen, die Betreuung bei behördlichen Angelegenheiten wie der allfälligen Anerkennung in Syrien erworbener Ausbildungen bis hin zur Erlangung eines Führerscheines. Der Flüchtlingsdienst versteht sich als Betreuungs-, Vermittlungs- und Verständigungsinstanz für die Zuwandererfamilien, die Gemeinde und die Bürger während der entscheidenden ersten zwei Jahre. Bereits gesichert ist, dass eine Ansprechperson jederzeit telefonisch und mehrmals die Woche persönlich vor Ort erreichbar ist. Sollte ein geplantes Zentrum des Flüchtlingsdienstes in Amstetten zu Stande kommen, ist die Einrichtung einer stationären Ansprechstelle in der Geschäftspassage bei der Siegfried Ludwig-Straße vorgesehen. Zu den FaktenWer kommt und wieviele kommen? Voraussichtlich sechs Familien bis zu jeweils maximal sieben Personen. Die Familien haben in Syrien in geordneten Verhältnissen gelebt, in der Regel qualifizierte Berufe ausgebt und später im Bürgerkrieg alles verloren. Wo genau werden die Familien wohnen? In den Reihenhäusern von Alpenland in der Siegfried Ludwig-Straße. Je eine Familie wird ein Haus bewohnen. Die Häuser sind zuletzt leer gestanden und profitieren davon, wenn sie wieder bewohnt werden. Mit ihrer guten Anbindung an die Gemeinde-Infrastruktur bieten sie eine gute Ausgangsbasis für die Eingliederung der zuziehenden Familien in das Ortsleben. Welchen rechtlichen Status haben die Familien? Der österreichische Staat hat ihnen nach entsprechender Prüfung unbefristeten Asylstatus zuerkannt. Damit sind sie in ihren Rechten und Pflichten den Österreicher weitgehend gleichgestellt. Sie haben uneingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt. Sie haben künftig Steuern und Abgaben zu entrichten. Sie erhalten jene Sozialleistungen, die auch Österreicher in derselben wirtschaftlichen Situation erhalten würden. Kommen die Familien vorübergehend oder dauerhaft nach Pöggstall? Jene Familien, die sich hier einleben, können in Pöggstall dauerhaft eine neue Heimat finden. Die Mietverträge in den Häusern von Alpenland sind nicht befristet. Was ist das Ziel der Ingegration? Dass die Mehrzahl der Familien schon in rund zwei Jahren o sich auf „deutsch“ verständigen kann. o Arbeit hat und den Lebensunterhalt selbst finanzieren kann. o eine aktive und bereichernde Rolle im Gemeinde-, Schul- und Nachbarschaftsleben von Pöggstall spielt. Wer ist bei Problemen da, solange die Familien noch nicht deutsch sprechen? Der Diakonie Flüchtlingsdienst betreut die Zuwanderer etwa zwei Jahre lang intensiv und steht auch der Gemeinde und den Ortsansässigen in allen Fragen zur Verfügung. Die Betreuung beinhaltet unter anderemo Für alle erreichbar: Eine Ansprechperson bei Fragen oder Problemen telefonisch und mindestens zwei bis drei Mal die Woche persönlich vor Ort. Eine ständige Betreuungsstelle in der nahen Geschäftspassage ist angedacht, aber noch nicht gesichert. Kontaktdaten, nähere Infos folgeno Vermittlung von Deutschkursen. o Vermittlung von (Zusatz)Ausbildungen, Betreibung der Nostrifizierung (Anerkennung) in Syrien erworbener Ausbildung. o Dolmetscher bei Elternabenden, Behördengängen etc. Kommen die Familien künftig selbst für die Mietkosten der Alpenland-Häuser auf? Ja. Alpenland möchte die beispielgebende Initiative „Integrationswohnen“ in Pöggstall aber gerade in der Startphase aktiv mittragen und hat deshalb angesichts des humanitären Lage der einziehenden Familien einen kulanten Mietpreis kalkuliert. Wann ziehen die ersten Familien ein? Voraussichtlich ab Juni, spätestens im Sommer.


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