"Wir haben in sechs Jahren rund 75.000 Kilogramm Lebensmittel verschenkt"
Pöggstall. Vor sechs Jahren wurde die Aktion „Team Österreich Tafel“ von Ö3 und dem Roten Kreuz ins Leben gerufen. Anna Neuninger, Gründerin und Leiterin der Team Österreich Tafel in Pöggstall, zieht Bilanz.

Jeden Samstagabend, nach Ladenschluss der Geschäfte, werden die Türen im Roten Kreuz geöffnet und zur Team Österreich Tafel geladen. Dabei wird sogenannte Überschussware an Bedürftige verschenkt. „Bei uns gibt es, je nach Verfügbarkeit, Obst, Gemüse, Süßigkeiten, Brot Milchprodukte und Eier aus den umliegenden Geschäften. Diese holen unsere rund zehn ehrenamtlichen Mitarbeiter pro Woche ab, sortieren die Ware und bauen diese in unserem Raum ähnlich wie in einem Geschäft auf. Um 19 Uhr werden an die Kunden Nummern ausgegeben, nach denen wird immer eine Person pro Haushalt eingelassen und mit Hilfe eines Kundenbetreuers die Waren ausgesucht“, informiert Anna Neuninger, Chefin der Pöggstaller Team Österreich Tafel, die so wöchentlich zwischen 35 und 60 Haushalte mit Lebensmittel versorgen kann. Die Produkte stammen aus dem Pöggstaller Raum, dem Yspertal bis hin zur Donauregion. Zu den regelmäßigen Lieferanten zählen die Spar- und Billamärkte, Bäckereien, Haubis in Petzenkirchen, die Merkur-Filiale in Melk, ein Eierlieferant in Petzenkirchen sowie Lidl in Ybbs. Damit Fairness herrscht gibt es strenge Richtlinien, wie ein zwingend nötiger Einkommensnachweis und genau definierte Einkommensgrenzen. Auch die Menge der Lebensmittel wird je nach Familiengröße angepasst.
Anfangs große Hemmschwelle
Dass die Hemmschwelle bei neuen Kunden eine sehr große ist, versteht Neuninger: „Die ersten Male geht es den Neumitgliedern sehr schlecht, sie genieren sich. Es ist eben so, dass der Österreicher noch immer nicht gewöhnt ist, Hilfe anzunehmen. Daher bin ich gerade in den ersten Jahren an die Menschen herangetreten, wo ich gewusst habe, dass sie Hilfe brauchen könnten und habe sie gebeten mir die Lebensmittel abzunehmen, bevor sie schlecht werden. Da hat die Sache gleich ein ganz anderes Bild.“
Auf der sogenannten Kundenliste, der Namensliste der registrierten sozial schwachen Personen, finden sich oftmals Pensionisten, Alleinstehende, Alleinerziehende und ein paar Jungfamilien. „Ich kann nur jedem empfehlen, der Unterstützung braucht, das Angebot anzunehmen. Die Schere geht immer weiter auseinander. Wir leben im Schlaraffenland wo es immer mehr Elend gibt. Und ich sehe es in den Gesichtern unserer Kunden, dass wir genau das Richtige machen. Die anfängliche Hemmschwelle wird schnell abgebaut und letztendlich durch Dankbarkeit ersetzt“, so die Pensionistin, die aus der Versicherungsbranche kommt und vor 30 Jahren ihren ehrenamtlichen Dienst beim Roten Kreuz aufgenommen hat.
Erschütternde Bilanz
Nach sechs Jahren kann eine Bilanz gezogen werden. „Wir haben rund 75.000 Kilogramm genießbare Lebensmittel vor dem Biomüll bewahrt und sie an Menschen weiterschenken können. Dadurch ist ein respektvoller Umgang mit den Lebensmitteln gewährleistet und unsere Kunden haben zusätzlich Unterstützung erhalten“, freut sich Anna Neuninger, die ihren Ausgleich bei ihrer großen Liebe findet: ihrem Enkerl.


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