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Holzrücken: Die starke Liesl holt die Bäume aus dem Wald

Mag. Susanne Überegger, 05.12.2017 18:00

RAINBACH. Mit einem lang gezogenen „Jööh“ bringt Franz Stumbauer seine Norikerstute zum Stehen. Die starke Liesl hat soeben einen mächtigen Baumstamm zur Forststraße mitten im Wald der Agrargemeinschaft Zulissen gezogen. Ihr Besitzer ist einer der letzten im Bezirk, die mit Rückepferden „ins Holz“ gehen.

Franz Stumbauer und seine Norikerstute sind ein eingespieltes Team. Alle Fotos: Überegger
  1 / 6   Franz Stumbauer und seine Norikerstute sind ein eingespieltes Team. Alle Fotos: Überegger

Franz Stumbauer macht den Baumstamm los, Liesl dreht sich wieder Richtung Wald um und auf das „Wüah!“ ihres Herren stapft die Norikerstute, mit 17 Jahren im besten Pferdealter, wieder zwischen die Bäume. Die nächsten Stämme warten schon. Jetzt im Winter ist die Hauptarbeitszeit für die Holzrücker. Stumbauer und sein Pferd sind ein eingespieltes Team. Liesl horcht auf“s Wort, bei „hü“ geht sie nach links, bei „hott“ nach rechts, „aber am öftesten sag ich langsamer. Auch wenn es für das Ross mit Schwung leichter ist, wenn“s langsam geht, ist“s schöner arbeiten.“

Jugendtraum erfüllt

Überhaupt findet sich der 60-Jährige fast nichts Schöneres, als mit den Rössern zu werkeln. „Damit habe ich mir einen Jugendtraum erfüllt. Holz rücken, Brennholz und Heu führen, Erdäpfel setzen oder als Kutscher mit der Pferdeeisenbahn in Kerschbaum fahren, das alles macht mir so eine Freude“, sagt der Zulisser, der seit 2015 in Pension ist und damit noch mehr Zeit für die Arbeit mit seinen vierhufigen Mitarbeiterinnen hat. Neben der Liesl gibt“s da nämlich auch noch die Fani, ebenfalls eine Norikerstute.

Immer am Arbeiten

Einfach mit der Kutsche oder dem Schlitten in der Gegend herumfahren, „zweck's der Gaudi“, wird man Franz Stumbauer niemals sehen. „Nie leer fahren“, lautet seine Devise, und so nimmt er auch von der Rückearbeit im Wald gleich einen Berg Reisig zum Adventkranz und Gestecke binden mit heim.

Als Bub mit Großvaters Pferden unterwegs

Schon als kleiner Bub ist Stumbauer immer mit dem Großvater, dem „Sepp“n Bauern“ in Deutsch-Hörschlag, auf dem Pferdewagen mitgefahren. Für viele Arbeiten auf dem Bauernhof wurde das Pferd benötigt, ob zum Ackern oder Heu einfahren. „Da hab ich mir schon immer ausgemalt, wie ich später einmal mit dem eigenen Ross arbeiten werde.“

Berge von Holz gerückt

Doch dann kamen erst mal die Lehre, die Heirat mit Inge, der Hausbau, drei Kinder und ein Job bei der ÖBB. Später ergab es sicher aber, dass der Nachbar in Zulissen die Landwirtschaft aufgab und Stumbauer sein erstes Pferd, einen Haflinger, kaufen und dort unterstellen konnte. „Das habe ich dann angelernt, in dem 35 Hektar großen Wald meines Onkels in Kerschbaum haben wir Berge von Holz gerückt“, erinnert sich Stumbauer. Später kamen noch zwei Noriker dazu. Stumbauer und seine Pferde rücken bei verschiedenen Landwirten Holz, vor allem aber im Wald der Agrargemeinschaft Zulissen.

Eine einzige Augenweide, dieser Wald

„Der ehemalige Obmann und jetzige Förster Franz Kohlberger führt den Forstbetrieb so, dass der Wald ganz wunderbar dasteht. Eine einzige Augenweide ist das“, weist der Holzrücker mit einer weit ausladenden Geste in den zwölf Hektar großen Wald. Ein schöner Mischwald, in dem auf Naturverjüngung gesetzt und mit den Pferden waldschonend gearbeitet wird. Denn ihre Hufe richten im Gegensatz zu Traktoren keinen Schaden an.


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