Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

RIED. Die Pandemie und die daraus resultierenden Folgen wie der Lockdown, Quarantäne, Home Office, Schulschließungen, Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit stellt viele Familien vor Herausforderungen. Denn wenn Familien die meiste Zeit miteinander zu Hause verbringen, steigt das Risiko von Überforderungen, Stress und Eskalationen. Tips sprach mit Beraterinnen Eva Kapsammer und Carmen Palisa vom Frauennetzwerk3.

Carmen Palisa und Eva Kapsammer vom Frauennetzwerk3 beraten Frauen in schwierigen Lebenssituationen. Foto: Eventfotografie Kyra Palisa

Tips:Auf welche Warnzeichen können Frauen achten, bevor eine Situation eskaliert?

Eva Kapsammer: Ein wichtiges Warnzeichen bei sich selbst ist die Atmung. Sie ist ein Seismograf für die momentane Gefühlslage, aber auch für die aktuelle Stimmung innerhalb der Familie. Atme ich ruhig und tief oder flattrig und flach? Im letzteren Fall stehe ich aus irgendeinem Grund unter Spannung. Was also ist grad los in mir und rund um mich? Mit einigen tiefen und konzentriert langsamen Atemzügen können wir uns selbst beruhigen und wieder deeskalierend (re)agieren. Interventionen, die zum Abbau von Spannungen innerhalb der Familie beitragen, könnten sein:

• Etwas völlig Unerwartetes tun: „Das ist der richtige Zeitpunkt für Schokopudding. Wer will einen?“

• Manche Menschen schaffen es durch einen liebevollen Scherz Spannung rauszunehmen.

• Das Wir-Gefühl stärken: „Was sind wir nicht für eine temperamentvolle Familie!“

• Einen völlig paradoxen Vorschlag machen: „Wer schreit am lautesten?“ Um dann die Situation durch gemeinsames Lachen zu entschärfen. Wenn Kinder überfordert sind, reagieren sie unterschiedlich. Manche ziehen sich zurück und gehen in ihre Traumwelten, manche reagieren scheinbar unangemessen aggressiv auf kleinste Anlässe und wieder andere wollen ablenken und verlieren sich in unzusammenhängenden Erzählungen. Diese Anzeichen von Überforderung sind ernst zu nehmen. Dann heißt es, Druck raus nehmen. Darüber reden, wie es allen gerade geht, was sich gut und was sich schlecht anfühlt. Wichtig ist, dass auch die Erwachsenen über sich erzählen, das macht so ein Gespräch für die Kinder interessant und sie lernen die Welt und die Menschen besser zu verstehen.

Tips:Wenden sich Frauen seit der Corona-Pandemie häufiger an das Frauennetzwerk3 und mit welchen Fragen werdet ihr häufig konfrontiert?

Eva Kapsammer: Die Corona-Pandemie wirkt sich auf die Häufigkeit der Anfragen insofern aus, als manche Themen tatsächlich häufiger vorkommen: Überforderung / Einsamkeit / das nicht mehr zu verleugnende Aus der Beziehung / Existenzängste.

Tips:Auch Zukunftsängste beziehungsweise Angst vor dem Jobverlust können sehr belastend sein. Was rätst du den Frauen?

Carmen Palisa: Viele Frauen haben tatsächlich ihren Job verloren und fragen sich nun, wie es weitergehen soll zumal sie in der Jobsuche im Moment blockiert werden. Das ist sehr schwer zu ertragen, hat aber den Vorteil, sich in aller Ruhe mit sich selbst zu beschäftigen. Diese Chance zu nutzen, zahlt sich aus. Alte Erfahrungen können aufgearbeitet und neu bewertet werden. Was habe ich daraus gelernt? Was war gut? Bei schlechten Erfahrungen, die Frauen oft in die Schublade „habe versagt“ schieben, stellt sich bei näherer Betrachtung heraus, dass die eigene Leistung völlig in Ordnung war – dass es nicht an einem selbst gelegen hat oder ähnliches. Für uns vom Frauennetzwerk3 ist es wichtig, dass wir die Frauen nicht alleine lassen. Unsere Angebote werden gebraucht. Aus dieser Verantwortung heraus bieten wir Alternativen zur bisherigen direkten Beratungsform in der Beratungsstelle: wir beraten im Moment telefonisch, per E-Mail und wer will auch online. Ein Anruf genügt: 0664/5178530 oder 0664/8588033.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden