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Jonas Wahlmüller: „Als Therapeut ist man auch Ansprechpartner für Probleme“

Walter Horn, 19.03.2024 12:55

RIED. Jonas Wahlmüller ist seit dem Sommer der Chef des Physio-Teams der SV Ried und kümmert sich somit um Verletzungen und Wehwehchen der SVR-Profis. Tips sprach mit ihm über einige Aspekte seines Jobs.

Jonas Wahlmüller ist erst 26 und hat schon neun Jahre Berufserfahrung. (Foto: SVR / Schröckelsberger)

Jonas Wahlmüller spielte in der Rieder AKA, bis zwei Knieverletzungen in der U16 und U18 seine Fußballkarriere beendeten. Durch die Therapien kam er allerdings „auf die Physio-Schiene“ und absolvierte eine Ausbildung in Bad Füssing. Schon mit 17 Jahren begann er bei der Akademie als Physiotherapeut. Nach drei Jahren wollte er „eine Mannschaft betreuen und nicht 100 Spieler“ und wechselte für knapp drei Jahre zur Union Gurten. 2021 kam er zur SV Ried, wo er seit Sommer als „Head Physio“ einen Vollzeit-Job hat.

Das Physio-Team wird vervollständigt durch den Masseur Björn Assmann und den Physiotherapeuten Christoph Denk.

„Wir sind sehr gut ausgelastet“, sagt Wahlmüller. „Wir sind zu zweit bei den Spielen dabei, wir versuchen, die verletzten Spieler, die nicht mitfahren, zu Hause zu betreuen. Am Tag nach einem Spiel sind wir zu dritt beim Training.“

Tips:Wie unterscheidet sich die Arbeit als Physiotherapeut in einer Profi-Fußballmannschaft von der Arbeit mit anderen Spielern?

Wahlmüller: Amateurspieler sieht man als Physio nur zwei- oder dreimal in der Woche, weil die auch ihrer Arbeit nachgehen müssen. Im Profigeschäft sieht man den Verletzten jeden Tag und kann die Therapie ganz anders steuern und aufbauen.

Tips:Welche Verletzungen sind bei Profi-Fußballern am häufigsten?

Wahlmüller: Das sind muskuläre Verletzungen, aber auch Traumata, die von außen kommen – wenn ein Spieler einen Schlag bekommt oder umknickt und sich die Bänder verletzt. Wir haben sehr gute Diagnostik – wenn wir es benötigen, haben wir in einem Tag das MRT und können gleich bestimmen, wie lange ein Spieler ausfällt.

Tips:Welche präventiven Maßnahmen ergreifen Sie, um Verletzungen bei den Spielern zu vermeiden?

Wahlmüller: Das ist eine Verbindung zwischen der Trainingssteuerung und unserem Bereich, also zwischen Athletik- und Physiotherapeutenbereich. Wenn ein Spieler ein kleineres Problem hat, aber noch trainieren kann, geht man mit der Therapie in eine präventive Richtung und stimmt sich mit dem Athletiktrainer ab, um Verletzungen zu vermeiden. Die Prävention für die ganze Mannschaft liegt eher im Athletikbereich.

Tips:Wie wichtig ist die psychologische Betreuung der Spieler bei der Genesung von Verletzungen?

Wahlmüller: Die ist sehr wichtig. Wenn sich ein Spieler verletzt und er weiß, dass er Monate ausfällt, ist es wichtig, ihn mental und psychologisch anders zu betreuen, ihm eine Richtung vorzugeben, dass es wieder nach vorne geht. Als Therapeut ist man auch Ansprechpartner für kleine Probleme, weil man in der Therapie auch einige Gespräche hat, die in den privaten Bereich der Spieler gehen. Da geht die Therapie dann manchmal auch in eine psychologische Richtung – vor allem bei Verletzten, mit denen man täglich Stunden verbringt.

Tips:Es heißt ja immer, dass die Physios quasi Geheimnisträger sind, fast wie Priester oder Friseure. Gibt es da wirklich ein besonderes Vertrauensverhältnis zu den Spielern?

Wahlmüller: Absolut. Natürlich vertrauen dir Spieler auch gewisse Geheimnisse an, mit denen man dann vorsichtig umgehen muss. Es ist wichtig, dass man das dann für sich behält.

Tips:Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?

Wahlmüller: Um 7.45 Uhr treffen sich die Physios, um den Tagesablauf zu besprechen. Dann habe ich ein kleines Meeting mit dem Trainerteam, bei dem wir unter anderem besprechen, welcher Spieler bei der Belastungssteuerung wieviel machen kann. Zum Teil melden sich auch Spieler, die vielleicht krank geworden sind oder irgendwas spüren. Von 8.30 bis 9.30 ist die Trainingsvorbereitung. Da kommen Spieler, die zum Beispiel ein Tape brauchen oder ein kurzes Durchbewegen. Während des Trainings machen wir ein Programm mit den rekonvaleszenten Spielern, und einer von uns ist bei der Mannschaft. Falls da etwas passieren sollte, sind wir als Erstversorger da. Nach dem Training kommen dann die fitten Spieler zur Nachbehandlung. Am Nachmittag machen wir spezielle Therapien mit den Verletzten.


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