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Neuer SVR-Geschäftsführer Wirtschaft Thomas Ohrhallinger: „Ich übernehme einen sehr gut geführten Verein“

Walter Horn, 17.06.2024 16:54

RIED. Seit 1. Juni hat die SV Guntamatic Ried mit Thomas Ohrhallinger einen neuen Geschäftsführer Wirtschaft. Tips traf ihn zum Gespräch.

Thomas Ohrhallinger ist der neue Geschäftsführer Wirtschaft bei der SV Guntamatic Ried. (Foto: Tips / Horn)
Thomas Ohrhallinger ist der neue Geschäftsführer Wirtschaft bei der SV Guntamatic Ried. (Foto: Tips / Horn)

Der 40-Jährige ist verheiratet und lebt in Suben. Er hat ein Masterstudium „MSc Handelsmanagement“ an der FH Wien abgeschlossen.

Tips: Wo haben Sie vorher gearbeitet?

Ohrhallinger: Ich komme aus der Sanitär-, Heizungs- und Klimabranche, wo ich auch meine Ausbildung gemacht habe. Zuletzt war ich 13 Jahre im Vertrieb bei einem Schweizer Konzern.

Tips: Wie kommt man aus dieser Branche zum Fußball?

Ohrhallinger: Ich war schon immer sehr fußballaffin. Fußball spielt in meinem Leben schon immer eine gewichtige Rolle. Ich war 18 Jahre lang aktiver Spieler und habe als Libero gespielt. Mein großes Hobby war, Fußballspiele zu besuchen, hauptsächlich in Deutschland. Mittlerweile habe ich über 200 Stadien in 13 Ländern besucht, das geht schon in die Richtung Groundhopping. Wenn ich irgendwo im Urlaub war, habe ich geschaut, wo ich mir ein Spiel anschauen kann. Über diese Leidenschaft habe ich vor 22 Jahren meine Frau kennen gelernt, die aus Kaiserslautern kommt. Sie ist auch Fußballfan, dadurch war es nie ein Thema, wenn ich am Samstag im Stadion war.

Ich war schon immer sehr interessiert an der SV Ried, hatte auch ein paar Jahre lang über die Firma ein Sitzplatz-Abo und habe öfters Kunden eingeladen. In den letzten Jahren war ich dann öfter im VIP-Bereich und habe dort die Leute von der SVR kennen gelernt. Als es dann um meinen neuen Job ging, war das ein wesentlicher Punkt bei den Gesprächen: Es war immer sehr bodenständig, auf Augenhöhe und wertschätzend.

Tips: Was sind nach den ersten Wochen die größten Unterschiede zu einem „normalen“ Unternehmen?

Ohrhallinger: Der größte Unterschied ist die strukturierte Arbeit. Bisher habe ich Termine gemacht und diese mit Vor- und Nachbereitung strukturiert abgearbeitet. Für mich ist aktuell der wesentliche Unterschied, dass man flexibler sein muss und nicht mehr den fixen Tagesplan hat.

Zum Beispiel gibt es mehrere Ansprechgruppen. In einer anderen Firma hat man seine Kunden und die Vorgaben von der Chefetage. Bei der SVR habe ich den Bereich Sponsoring, den Bereich Mitarbeiter im Verein, den sportlichen Bereich mit Mannschaft und Staff, dann die Ehrenamtlichen und auch die Fans.

Für mich war sehr beeindruckend, wie lange viele Leute im Ehrenamt im Verein sind. So etwas schätze ich, das kann man gar nicht genug honorieren. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal bei der SVR. Das Ehrenamt ist auch gesellschaftlich sehr wichtig und es ist für mich ganz wesentlich, auch diese Leute mitzunehmen.

Fad wird der Job also nicht, aber ich glaube auch, dass es keine „Mission Impossible“ ist. Aber es wird natürlich eine gewisse Zeit dauern, bis man mit jedem in Kontakt kommt und auch die Leute wissen, wie du tickst.

Tips: Wie sind die Aufgaben verteilt?

Ohrhallinger: Grundsätzlich ist es so strukturiert, dass Wolfgang Fiala als Geschäftsführer Sport den kompletten Sport abdeckt, also das Trainerteam, den Staff, die Mannschaft, die Akademie, die Nachwuchsmannschaften. Die Themen Marketing, Budget, Ticketing, Sponsoring, Stadion-Infrastruktur, Gastro, VIP-Bereich sind unter meiner Ägide wobei ich das natürlich nicht alleine schaffen kann, sondern mit Xandi Mitterhofer, Tim Entenfellner, Leo Kiesenhofer, Andrea Schwentner und dem ganzen Team Leute habe, die die Arbeit mit umsetzen. Die sind lange im Verein, denen muss ich nicht erklären, wie es funktioniert, sondern ich kann von ihnen lernen.

Ohne diese langjährige Arbeit wäre die SV nicht dort, wo sie ist: mit wirtschaftlich gutem Umfeld, guter Struktur und Organisation, Top-Infrastruktur. Nur als Beispiel: Mancher kleine Verein tut sich schwer, die Stadionanforderungen der Liga umzusetzen. Das ist bei uns gar kein Thema. Die Leute, die vor 20 Jahren den Stadionbau verantwortet haben, haben sehr viel richtig gemacht. Ich habe das Stadion immer als sehr schön und für die Region perfekt ausgelegt empfunden.

Und dann geht es darum, dass man sagt, wie kann man zukünftig vielleicht gewisse Sachen anders machen? Das wird zu einem gewissen Grad die Challenge. Der Verein ist sehr gut aufgestellt, auch wirtschaftlich, aber in gewissen Situationen wird es auch darum gehen, die eingetretenen Pfade zu verlassen.

Tips: Was ist mit dem Budget für die Mannschaft?

Ohrhallinger: Es gibt ein gewisses Budget, in diesem kann sich Wolfgang Fiala mit dem Cheftrainer bei der Zusammenstellung der Mannschaft bewegen. Ich habe nicht vor, mich da einzumischen. Ich will eine klare Trennung zwischen Wirtschaft und Sport. Es kann nur funktionieren, wenn jeder klar seine Aufgaben kennt und die bestmöglich erledigt. Wenn ich bei der Kaderplanung mitreden möchte, ist das der falsche Zugang. Meine Aufgabe ist eine andere.

Tips: Bei der SV Ried fällt auf, dass viele Sponsoring-Verträge sehr langfristig sind.

Ohrhallinger: Das ist mir auch aufgefallen. Es ist aller Ehren wert, dass Sponsoren der SVR so lange die Treue halten. Mir kommt vor, dass es für viele auch eine Herzensangelegenheit ist. Das ist vielleicht der innviertler Charakter, dass man auch zusammenhält, wenn es einmal nicht so gut läuft.

Tips: Haben Sie eine langfristige Vision für die wirtschaftliche Entwicklung des Vereins?

Ohrhallinger: Ja.

Ich glaube, dass Vieles in der Vergangenheit richtig gemacht worden ist und es nicht das Ziel sein sollte, das komplett über den Haufen zu werfen, sondern gewisse Stellschrauben zu drehen. Dabei ist es wichtig, miteinander zu reden und Feedback zu bekommen. Mein Zugang ist nicht, einen neuen Plan aufzustellen, weil das auch überhaupt nicht notwendig ist, sondern gewisse Stellschrauben zu drehen und 'out of the box' zu denken.

Ich übernehme ja keine Baustelle, sondern einen Verein, der in der Vergangenheit gut geführt war, bei dem die Parameter sehr gut passen, die Infrastruktur und Organisation funktionieren. Aber es wird nicht ausbleiben, gewisse Stellschrauben zu drehen und manchmal etwas anders zu denken.

Meine große Vision, mein Ziel ist, dass die SVR im ganzen Innviertel wieder eine gewisse Anziehungskraft entwickelt; speziell bei der Jugend. Dass man vielleicht sagt, es ist cool, im Stadion zu sein oder ein SVR-Trikot zu tragen und stolz auf das Innviertel zu sein, weil man sportlich erfolgreich ist.

Tips: Steigt die SV Ried im nächsten Jahr auf?

Ohrhallinger: Das ist die Frage, die viele stellen. Was ich jetzt schon beurteilen kann: Sehr viele Leute im Verein arbeiten in allen Ebenen sehr hart daran, dass es funktioniert.

Die SVR gibt es seit 1912, die wird es auch in Zukunft geben. Auch falls wir nicht aufsteigen, werden die Lichter nicht ausgehen. Wenn wir darüber reden, bei der Akademie zwei Plätze dazu zu bauen, machen wir das nicht vom sportlichen Erfolg in der 1. oder 2. Liga abhängig. Es gibt Pläne, die vom Aufstieg abhängig sind, aber dann liegt der Plan eben zwei Jahre länger in der Schublade. Auch wenn wir nicht aufsteigen, wird das Kartenhaus nicht zusammenbrechen, denn dann hätten wir in der Vergangenheit viel falsch gemacht. Und den Eindruck habe ich definitiv nicht.

Was mir gefällt ist, dass die Mannschaft schon zu 95 Prozent zusammen ist und schon bewiesen hat, dass sie konkurrenzfähig ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Rad ins andere greift, ist höher, wenn man eine eingespielte Mannschaft hat. Ich freue mich auf die neue Saison.


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