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Einsatzleiter: „Wir haben in Ried auch durchaus erlebnisorientierte Problemfans“

Walter Horn, 16.07.2024 15:56

RIED. Fußballfans und Polizei – das ist eine ganz besondere Beziehung. Tips sprach mit dem stellvertretenden Rieder Bezirkspolizeikommandanten und Einsatzleiter Thomas Hasenleitner, der in seinem Büro mehrere SV-Ried-Schals an der Wand hängen hat.

Chefinspektor Thomas Hasenleitner ist Einsatzleiter bei den Fußballspielen in Ried. (Foto: LPD OÖ / M. Dietrich)

Tips: Wie viele Polizisten sind bei einem normalen Spiel oder einem Risikospiel im Einsatz?

Hasenleitner: Es kommt darauf an, ob es sich um Risikospiele handelt oder nicht. Die Problemfanklientel in Ried kann man als „erlebnisorientiert“ bezeichnen. Die Größe eines Einsatzes ist aber auch von den Problemfans der Gäste abhängig.

Zur Einsatzplanung und Ermittlung des erforderlichen Kräfteeinsatzes ziehen wir Gefährdungseinschätzungen des szenekundigen Dienstes und Erfahrungswerte heran. Bei manchen Spielen haben wir nur bis zu zehn Beamte im Dienst, bei Risikobegegnungen hatten wir in Ried schon 300 Einsatzkräfte vor Ort. Spiele gegen den LASK zählen zu den problemreichsten. Zwischen stark verfeindeten Problemfans kommt es fast immer zu Problemen. In der 2. Liga hatten wir keine Großeinsätze, außer beim GAK-Spiel.

Unser Auftrag ist es, die öffentliche Ordnung in der Stadt Ried sicherzustellen und für die Sicherheit der Besucher, Spieler und Offiziellen im und um die Innviertel Arena zu sorgen.

Tips: Und dafür zahlt der Verein?

Hasenleitner: Die Behörde, in diesem fall die Bezirkshauptmannschaft Ried, ordnet mittels Bescheid die Überwachung eines Fußballspieles an und dementsprechend werden die eingesetzten Polizeikräfte dem Verein verrechnet.

Tips: Welche Polizeikräfte werden bei Risikospielen eingesetzt?

Hasenleitner: Neben den Bezirkskräften kommt auch die Einsatzeinheit Oberösterreich zum Einsatz, die für den großen Sicherheits- und Ordnungsdienst besonders ausgebildet und geschult ist. Die Aktbearbeitung in Form von Straf- oder/und Verwaltungsanzeigen wird von Bezirkskräften erledigt.

Tips: Was tut die Polizei präventiv, um Gewalt unter Fußballfans zu verhindern?

Hasenleitner: Da gibt es den Szenekundigen Dienst. Die Kollegen der SKD versuchen, mit den Fangruppierungen zu kommunizieren. Leider ist dies nicht immer leicht, da ein Großteil der Problemfanklientel die Kommunikation mit der Polizei völlig ablehnt. Meist ist nur die strikte räumliche Trennung von Fangruppierungen zielführend, um Auseinandersetzungen zu vermeiden.

Tips: Muss man als Polizist drüber stehen, wenn man beschimpft wird?

Hasenleitner: Grundsätzlich habe ich als Einsatzleiter wenig Verständnis dafür. Wir lassen uns nicht beschimpfen und gehen strikt gegen jegliche Angriffe gegen Einsatzkräfte vor. Natürlich muss ein Polizist bei solchen Einsätzen manchmal eine dickere Haut haben. Hier geht es auch um Verhältnismäßigkeit, weil gesetzte Maßnahmen oft andere Auswirkungen und Folgen haben, als bei normalen Einsätzen. Dies hat man als Einsatzleiter bei Entscheidungsfindungen besonders zu berücksichtigen.

Tips: Sie sagten, die Rieder Fans seien erlebnisorientiert...

Hasenleitner: Grundsätzlich kann man Teile der Problemfans in Ried so bezeichnen. Man sollte aber auch erwähnen, dass die Fanclubs in der vergangenen Saison sehr diszipliniert aufgetreten sind und es kaum zu Problemen bei Heimspielen gekommen ist. Ich würde aber schon sagen, dass die Problemfanklientel in Ried anderen Problemfans großer Vereine in der Bundesliga um nichts nachsteht.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass die Rieder Fanclubs einen wertvollen Teil zur guten Stimmung im Stadion beitragen und dass man das auch im Stadion nicht missen möchte. Die Problemstellungen haben wir meist bei Drittortauseinandersetzungen vor und nach den Spielen. Während einem Spiel haben wir die wenigsten Probleme.

Tips: Wie geht die Polizei mit rassistischem oder diskriminierendem Verhalten von Fans um?

Hasenleitner: Hier gibt es Null Toleranz. Grundsätzlich haben wir im Stadion so gut wie keine Vorfälle zum Thema Rassismus. Obwohl es auch schon vorgekommen ist, dass es bei diversen Fangesängen vereinzelt zu diskriminierende Äußerungen gekommen ist.

Meist geht es dabei nicht gegen die Polizei, sondern um Anfeindungen der Fanclubs gegenseitig und dann steht die Polizei oft in der Mitte. Es entsteht der Eindruck, dass sich die gegnerischen Fanlager oft deshalb so „stark und mutig“ präsentieren, weil die Polizei dazwischen steht und es deshalb meist zu keinen Tätlichkeiten kommt.

Tips: Gibt es eine Statistik über die Anzahl der Zwischenfälle und Verhaftungen bei Fußballspielen in Ihrem Bezirk?

Hasenleitner: Es gibt nach jedem Spiel eine Auswertung von Vorfällen. Genaue Zahlen kann ich Ihnen hier nicht nennen, aber es hält sich in Grenzen. Oft muss gegen unbekannte Täter Anzeige erstattet werden, weil viele aus der Menge heraus anonym und teilweise vermummt Straftaten begehen und flüchten, wenn die Polizei kommt. Die Polizei versucht natürlich, Täter auszuforschen, auch unter Zuhilfenahme von Videoüberwachungsaufzeichnungen.

Tips: Welche Rolle spielen Videoüberwachung und andere technische Hilfsmittel bei der Überwachung von Fußballspielen?

Hasenleitner: Die Videoüberwachung ist für unsere Arbeit, speziell für die Klärung von Straftaten, sehr wichtig. Wir nutzen dies auch, um Fanbewegungen zu beobachten und somit gewisse Aktionen schon im Vorfeld zu verhindern. Die Innviertel Arena verfügt über eine sehr gute Videoüberwachungsanlage und wir nutzen auch eigene Doku-Teams und Drohnen zur Überwachung. Das vorhandene Bildmaterial wird dann im Anlassfall ausgewertet.

Tips: Kann man den Gebrauch von Pyrotechnik wirklich kontrollieren?

Hasenleitner: Das ist sehr schwierig. Grundsätzlich gibt es eine behördliche Durchsuchungsanordnung, die von privaten Sicherheitsteams bei den Zugängen vollzogen wird. Trotzdem gelangen immer wieder unzählige pyrotechnische Gegenstände ins Stadion. Pyrotechnik ist im Stadion verboten. Es ist sehr gefährlich, solche Gegenstände in großen Menschenmengen zu verwenden.

Zum Glück hatten wir bis dato noch keine schwereren Verletzungen durch die Verwendung von pyrotechnischen Gegenstränden im Stadion. Optisch geben solche „Bengale“ ja was her, es ist jedoch nicht erlaubt und auch baulich ist die Innviertel Arena nicht geeignet, in Form von angemeldeten Choreographien gesichert Pyrotechnik einzusetzen.

In der letzten Saison wurde dies auch von den Fans zur Kenntnis genommen. Es gab kaum Übertretungen.

Die Strafen in diesem Bereich sind empfindlich hoch. Die Bundesliga zieht die Vereine bei solchen Vorfällen zur Verantwortung und bittet sie zur Kasse. Es liegt auch im Interesse und in der Verantwortung der Vereine, dieses Thema in den Griff zu bekommen.

Tips:Wie arbeitet die Polizei mit dem Verein zusammen?

Hasenleitner: Es gibt vor jedem Spiel Sicherheitsbesprechungen, bei denen alle „Player“ (Behörde, Rettung, Feuerwehr, Polizei, Sicherheits- und Ordnerdienst, Vereinsverantwortliche) dabei sind. In der Bundesliga werden Meetings mit Delegierten und Sicherheitsrundgänge vor den Spielen abgehalten.

Ich möchte besonders erwähnen, dass wir ein ausgezeichnetes Verhältnis zur SV Ried haben und regelmäßig in Kontakt sind.


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