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EU-Mercosur-Abkommen: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Walter Horn, 26.01.2026 10:09

BEZIRK RIED. Das stark umstrittene Abkommen zwischen der EU und den südamerikanischen Mercosur-Staaten tritt vorerst noch nicht in Kraft. Tips fragte nach, was das für die Bauern bedeutet.

Die Landwirtschaftskammer sieht vor allem für heimische Rinder-, Geflügel- und Zuckerproduzenten ein echtes Risiko sinkender Erzeugerpreise. (Foto: Tips/Horn)

Während sich vor allem die Industrie von dem Abkommen Vorteile verspricht, auch in Hinsicht auf die immer unberechenbarer werdenden Beziehungen zu den USA, befürchtet die Landwirtschaft große Probleme.

EU-Parlament will Gutachten

Nach 25-jährigen Verhandlungen war das Abkommen am 16. Januar in Paraguay unterzeichnet worden. Am Mittwoch, 21.Januar, legte sich aber das EU-Parlament quer und verlangte mit knapper Mehrheit, dass erst noch ein Gutachten des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Vereinbarkeit des EU-Mercosur-Abkommens mit den EU-Verträgen eingeholt werden müsse.

Das kann eine Verzögerung von 18 bis 24 Monaten bedeuten, bis das Parlament überhaupt über die Annahme abstimmt. Es kann auch bedeuten, dass das Abkommen zumindest in Teilen neu verhandelt werden muss.

Wie das Verfahren ausgeht, könne unmöglich vorausgesagt werden, meint der Leiter der innviertler Dienststellen der Landwirtschaftskammer, Max Schneglberger. Die Landwirtschaft klammere sich an jeden Strohhalm. „Den Bauern geht es vor allem um Produktionsstandards und Markteinfluss.“

Wettbewerbsdruck

Stephan Grasserbauer von der LK-Direktion erläutert: „Für die Bauern bedeutet das Abkommen eine spürbare Verschärfung des Wettbewerbsdrucks, insbesondere im Rinder-, Geflügel- und Zuckerbereich. Durch neue Importquoten mit deutlich reduzierten Zöllen gelangen größere Mengen südamerikanischer Agrarprodukte in den EU-Markt – produziert unter wesentlich niedrigeren Standards. Für viele Innviertler Betriebe erhöht sich damit die Gefahr eines Marktungleichgewichts und sinkender Erzeugerpreise.“

Auf Qualität und Regionalität setzen

Den heimischen Betrieben rät die Landwirtschaftskammer, die Herkunft ihrer Erzeugnisse klar auszuloben und Regionalität aktiv kommunizieren, auf Qualität und Rückverfolgbarkeit zu setzen, und betriebliche Risiken durch Diversifizierung abzufedern.


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