Ein Andenken an ein Leben, das nie gelebt werden konnte
ROHRBACH-BERG. Es ist das Furchtbarste, was sich Eltern vorstellen können: Ein Kind zu verlieren – auch, wenn es noch gar nicht oder nur ganz kurz leben durfte. Sternenkinder werden diese Kinder, die durch Fehl- oder Totgeburt zur Welt gekommen sind, liebevoll von ihren Eltern genannt. Aber oftmals fehlt ein konkreter Ort, um um das verstorbene Kind zu trauern. Das Sternenkindergrab am Rohrbach-Berger Friedhof will den Eltern genau diesen Platz geben.

Eine Totgeburt und 45 Fehlgeburten im Haus verzeichnete das LKH Rohrbach im Vorjahr (nicht erhoben werden ambulante Zahlen, also Fehlgeburten, die nicht im Krankenhaus stattfinden, sondern die im Krankenhaus nur nachbetreut werden).
Seit 2007 haben Eltern, die ein Kind auf diesem Weg verloren haben, am Rohrbacher Friedhof einen Platz zum Trauern und Gedenken. Das Sternenkindergrab stellt die Pfarre Rohrbach frei zur Verfügung, es gehört der Krankenhaus-Seelsorge des LKH Rohrbach. Gepflegt wird es von Elfriede Geretschläger, die Teil des vierköpfigen Krankenhausseelsorge-Arbeitskreises rund um Pfarrer Lukas ist. „Zweimal im Jahr lädt das Rohrbacher Krankenhaus alle betroffenen Eltern zu einer Verabschiedungsfeier ein. In der Kirche werden Texte, Lieder und Musik vorgetragen und auch am Friedhof wird noch gebetet“, beschreibt sie.
Endlich abschließen
Sie erlebt die Eltern dabei sehr unterschiedlich: „Teils sind sie natürlich sehr traurig, viele sagen danach aber, dass es ihnen geholfen hat, einen Abschluss zu machen. Ihnen hilft auch die Sicherheit, dass ihr Kind wirklich dort im Grab bestattet wird und es nicht „irgendwo“ ist, wo sie es nicht besuchen können.“ Natürlich ist das öffentliche Trauern nicht jedermanns Sache. Dass das Grab aber immer ein Trostplatz ist und viele einfach in Ruhe um ihr Kind trauern wollen, davon zeugen die vielen Grablichter, Blumen und anderer Schmuck, die die Eltern für ihre geliebten Kinder dort hinterlassen.
Thema war tabu
Wie leidvoll der Verlust eines ungeborenen Kindes für Eltern sein kann, das weiß Elfriede Geretschläger aus eigener Erfahrung: „Ich hatte selbst einmal eine Fehlgeburt. Erst da ist mir wirklich bewusst geworden, wie schwer das ist, denn es ist ja das eigene Kind. Früher gab es aber in der Region nie einen Platz zum Trauern, das Thema war tabu. Heute ist es Gott sei Dank anders. Deshalb ist diese Arbeit für mich besonders wichtig.“
Letztes Gedenken
Das Grab ist aber nicht nur ein Andenken an die Kinder, es ist auch noch eine der letzten Hinterlassenschaften des früheren Krankenhausseelsorgers Dominik. Als er alles für dieses Grab in die Wege geleitet hat, hatte er bereits die Diagnose Krebs, an dem er nur wenige Monate nach Fertigstellung des Grabes verstarb.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden